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So erlebt BVB-Leihspieler Toljan die Corona-Krise in Italien

Jeremy Toljan hier noch im Trikot des BVB. Der 25-Jährige ist derzeit von Borussia Dortmund an US Sassuolo ausgeliehen.

Jeremy Toljan hier noch im Trikot des BVB. Der 25-Jährige ist derzeit von Borussia Dortmund an US Sassuolo ausgeliehen.

Foto: Firo

Dortmund.  Jeremy Toljan muss mit US Sassuolo bis Anfang April pausieren. Der 25-Jährige spricht über Geisterspiele und eine Rückkehr zu Borussia Dortmund.

In der Bundesliga stehen den Fußballprofis wegen des Coronavirus Geisterspiele bevor, den Anfang machen am Mittwochabend Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln. Spielabsagen sind in Deutschland bislang noch kein Thema – Italien hat dagegen schon weitreichender auf die Gefahr durch das Virus reagiert. Nachdem am vergangenen Nachholspieltag bereits alle Partien ohne Zuschauer ausgetragen wurden, sind inzwischen bis Anfang April auf Anordnung der Regierung alle Partien der Serie A abgesagt.

Direkt betroffen ist auch Jeremy Toljan, der von Borussia Dortmund an US Sassuolo ausgeliehen ist. Über die Vorgehensweise zeigt sich der 25 Jahre alte Rechtverteidiger enttäuscht, aber verständnisvoll: „Die Stimmung ist schlecht. Wir als Fußballer möchten jedes Spiel spielen. Es ist ärgerlich, dass die Liga unterbrochen wird.“

Fußball ohne Fans? Toljan: "Da fehlt ein wenig das Adrenalin"

Gleichzeitig müsse die Gesundheit der Menschen im Land aber an erster Stelle stehen: „Daher kann man die Entscheidung nachvollziehen“, sagt Toljan. Am Montag merkte er, dass sich Fußball ohne Zuschauer ganz anders anfühlt als eine normale Begegnung. Die Partie gewann sein Verein gegen Brescia Calcio klar mit 3:0.

Dennoch sei das Spiel eine ganz eigenartige Erfahrung gewesen. „Als Profi ist man es gewohnt vor Fans zu spielen. Wenn diese dann nicht da sind, dann fühlt sich das einfach nicht richtig an. Da fehlt ein wenig das Adrenalin“, berichtet Dortmunds Leihspieler.

Mehr als 10.000 Menschen in Italien mit Coronavirus infiziert

In Italien treten die meisten Fälle der Lungenkrankheit Covid-19 auf. Mehr als 10.000 Menschen haben sich mit dem Virus infiziert, mehr als 460 sind bereits gestorben. Mittlerweile hat die Regierung die Bürger angewiesen, das Haus nur noch für wichtige Dinge zu verlassen, zum Beispiel für Einkäufe. Die Straßen sind fast menschenleer. Restaurants und Cafes schließen ab 18 Uhr. Auch Kinos und Schulen wurden geschlossen. Wie es mit Blick auf den Fußball weiter geht, ist zum großen Teil noch unklar.

Die aktuelle Situation ist für Toljan vor allem deshalb bitter, weil er sich sportlich nach seiner schwierigen Zeit beim BVB im Aufwind befindet. In Sassuolo ist der gebürtige Stuttgarter unangefochtener Stammspieler. Die italienischen Medien bringen ihn bereits mit dem AS Rom in Verbindung. Einen wichtigen Anteil an seiner Entwicklung habe vor allem Trainer Roberto de Zerbi. „Er möchte attraktiven Fußball spielen lassen und ich passe mit meinem Stil sehr gut in diese spielerisch starke Mannschaft hinein“, erklärt Toljan die Gründe dafür, dass es sportlich bis zuletzt so gut für ihn lief: „Er vertraut mir und trägt einen großen Teil dazu bei, dass ich mich weiterentwickelt habe und nochmal einen Schritt nach vorne gemacht habe.“

Toljan hat einen Vertrag bis 2022 beim BVB

Eine Rückkehr nach Dortmund, wo er noch bis 2022 beim BVB unter Vertrag steht, ist zwar grundsätzlich möglich. Da Sassuolo über eine Kaufoption verfügt, ist auch ein Verbleib in Italien realistisch. Wäre möglicherweise aber die Corona-Krise ein Grund, das Land zu verlassen? „Nein, das ist keine Option", sagt Jeremy Toljan. "Ich habe auch nicht mitbekommen, dass andere mit dem Gedanken spielen. Das Gesundheitssystem funktioniert hier sehr gut.“

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