2. Fußball-Bundesliga

Fortunas Luxusproblem: Vom Rasen auf die Tribüne und zurück

Grübelnd: Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel.

Foto: Imago

Grübelnd: Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel. Foto: Imago

Düsseldorf.   18 Mann dürfen in den Kader, elf von Beginn an auf den Platz. Friedhelm Funkel hat die Qual der Wahl und muss jede Woche Spieler enttäuschen.

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Der Satz lässt wenig Raum für Interpretationen. „Um fortan mit einer optimalen Kadergröße trainieren zu können“, heißt es in Fortunas offizieller Begründung, warum Jerome Kiesewetter und Karlo Majic ab sofort nicht mehr mit der A-Mannschaft, sondern mit der U23 trainieren. Trainer Friedhelm Funkel ist es schlicht zu voll auf dem Platz. Er hat zu viele Optionen – und das gilt für alle Mannschaftsteile.

18 Mann dürfen am Spieltag in den Kader, elf von Beginn an ran. In Michael Rensing, Gökhan Gül und Genki Haraguchi fallen derzeit nur drei Akteure mit Verletzungen aus. Dieser Umstand kann ein entscheidender Trumpf im Aufstiegsrennen werden. Doch er stellt Funkel auch vor Fragen: Welche Spieler schickt er auf die Tribüne? Wie gelingt es dem Team, die positive Stimmung trotz persönlicher Enttäuschungen aufrechtzuerhalten? Beim Spiel gegen Sandhausen erwischte es Julian Schauerte und Robin Bormuth. Der Links- und der Innenverteidiger sahen das 1:0 nur aus dem Zuschauerbereich der Arena. „Das ist schon brutal für die Jungs“, sagt Siegtorschütze André Hoffmann. „Es wird in Zukunft bestimmt noch den einen oder anderen treffen, der damit noch nicht rechnet.“

So sieht es in den Mannschaftsteilen aus

Gut möglich, denn Funkel hat in jedem Mannschaftsbereich Luxusprobleme:

Torhüter: Derzeit stellt sich die Frage nicht, wer zwischen den Pfosten steht. Raphael Wolf, als etatmäßige Nummer zwei in die Saison gestartet, ersetzt Michael Rensing. Der Stammtorhüter ist zwar mittlerweile vollständig von seinem Rippenbruch genesen, trainiert aber weiterhin individuell. Dass Wolf seine Sache bei den Spielen so gut macht, dass die Abwesenheit Rensings bisher keine Rolle spielte, kann Funkel nur recht sein. Sobald sich Rensing aber endgültig zurückmeldet und dem Duell mit Wolf stellt, wird er seinen Anspruch auf die Rolle als Nummer eins geltend machen wollen. Es ist allerdings nur schwer vorstellbar, dass Funkel freiwillig einen Wechsel vornimmt.

Abwehr: Während auf den Außenpositionen Jean Zimmer (20 Einsätze) und Niko Gießelmann (23 Einsätze) gesetzt sind, bewerben sich in der Zentrale vier Kandidaten um zwei Positionen: Kaan Ayhan, André Hoffmann, Robin Bormuth und Gökhan Gül. Letzterer muss mit einer Stressfraktur im rechten Unterschenkelkopf pausieren. Wie eng der Dreikampf ist, zeigt die Entscheidung Funkels, Bormuth nach seinem guten Auftritt in Kaiserslautern auf die Tribüne zu setzen und durch Hoffmann zu ersetzen. „Wenn alle gesund sind und keiner gesperrt ist, dann müssen eben einige Spieler auf die Tribüne, das ist unvermeidlich“, sagt Funkel. „Die Mannschaft muss das auffangen, nicht der Trainer. Und sie macht das bislang großartig.“

Mittelfeld: Auch hier ist das Gedränge in der Zentrale groß. Funkel hat die Wahl zwischen zwei Routiniers, Oliver Fink (35) und Adam Bodzek (32), und zwei Akteuren einer jüngeren Generation, Florian Neuhaus (20) und Marcel Sobottka (23). Dabei fiel Funkels Wahl bei einer Aufstellung mit Doppel-Sechs zuletzt auf die Jungen. Für Kapitän Fink hieß das, in einer offensiveren Rolle hinter den Spitzen zu agieren. Bodzek überzeugte zuletzt in Kaiserslautern als Innenverteidiger in einer Dreierkette. Auch das verhinderte aber nicht den Platz auf der Bank gegen Sandhausen.

Sturm: Dass es im Angriff eng zugeht, untermauern die Versetzungen von Kiesewetter und Majic zur Zwoten. In der Spitze herrschte zuletzt ein Überangebot. Majic zog dabei gegen Rouwen Hennings, Harvard Nielsen und Emir Kujovic den Kürzeren. Gleiches gilt für Kiesewetter auf den Außenpositionen. Nach der Verpflichtung von Genki Haraguchi ist der US-Junioren-Nationalspieler der Leidtragende. Auch nach der anstehenden Pause des Japaners wegen der erlittenen Gehirnerschütterung hat Funkel reichlich Möglichkeiten für das Spiel bei Union Berlin. Neben Landsmann Takashi Usami ist auch das kroatische Talent Davor Lovren ein Kandidat für die Startelf. Fest steht: Zu sicher darf sich jedenfalls keiner fühlen. Der Grat zwischen Tribüne und Rasen ist bei Fortuna derzeit ein sehr schmaler. (PS)

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