2. Fußball-Bundesliga

Friedhelm Funkel: „Schauerte wird hier völlig verkannt“

Julian Schauerte (links) bot beim Sieg gegen St. Pauli eine starke Leistung.

Julian Schauerte (links) bot beim Sieg gegen St. Pauli eine starke Leistung.

Foto: Bernd Thissen/dpa

Düsseldorf.   Julian Schauerte steht oft in der Kritik. Lob kommt von seinem Trainer Friedhelm Funkel, der zum Rundumschlag gegen Fans und Medien ansetzt.

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„Schauerte? Oh mein Gott, sollen die nicht aufsteigen oder was“, „Schauerte… Der Garant dafür, den Gegenspieler nicht anzugreifen“, oder „Bitte nicht mit Schauerte in der Startelf! Da können wir auch gleich mit zehn Mann antreten.“ So und weiter ließen sich Fans über den Rechtsverteidiger von Fortuna Düsseldorf Julian Schauerte in sozialen Netzwerken aus.

Die Kommentare vor dem 2:1-Sieg des Fußball-Zweitligisten über den FC St. Pauli sind kein Einzelfall. Ist Schauerte in der Startelf berücksichtigt, kann er sich über beißende Kritik im Internet sicher sein, noch bevor einen Ball gespielt hat. Doch der 29-Jährige leistete bei der Rückeroberung der Tabellenspitze hervorragende Abwehrarbeit, blieb aber selbstkritisch: „Ich hatte ein bisschen Glück mit dem Tunnel. Ich hätte den Querpass vielleicht auch ein bisschen steiler spielen können, dann wäre für Rouwen noch mehr Platz zum ausholen gewesen.“ Das wirkte beinahe demütig, war die Aktion unter Bedrängnis doch tadellos ausgeführt. Zur eigenen Person blieb der Fortune zurückhaltend, lobte lieber das Kollektiv. „Diesmal haben wir Leidenschaft ins Spiel gekriegt, das hat uns gut getan.“

Rückenwind durch den Trainer

Dabei war er maßgeblich für diesen Kampfgeist verantwortlich. Rückenwind bekam Schauerte von seinem Trainer Friedhelm Funkel. Der kennt die Situation des Verteidigers und nahm ihn vor der öffentlichen Kritik in Schutz. „Julian Schauerte hat ein Riesenspiel gemacht. Der wird hier völlig verkannt. Das freut mich total, weil er normalerweise immer vernünftige Leistung bringt“, lobte Funkel. Der öffentlichen Skepsis im Internet ist sich Fortunas Cheftrainer bewusst: „Sicherlich hat vor dem Spiel wieder jeder gesagt: ‘Wie kann er denn Schauerte spielen lassen’, ich kenne das ja. Er hat genau die richtige Antwort gegeben.“

Neben der Kritik an einzelnen Spielern störte Friedhelm Funkel auch die Berichterstattung über seine Mannschaft. Auf die Frage, ob das 3:4-Debakel gegen Regensburg ein „psychologischer Vorteil“ sei, reagierte er gereizt. „Direkt nach diesem Spiel wurde mir gesagt, die Mannschaft kriegt einen Knacks, diese Leute habe ich ausgelacht. Jetzt soll es auf einmal ein psychologischer Vorteil sein“, empörte sich der Coach auf der Pressekonferenz: „Wir haben uns in 25 Spielen den Arsch aufgerissen, sonst würden wir nicht da stehen, wo wir sind.“

Schwächephasen überinterpretiert

Funkel ärgerte sich über kritische Berichterstattung, trotz Fortunas Tabellenführung würden Schwächephasen überinterpretiert: „Wie kann ein normal denkender Mensch auf die Idee kommen, dass man drei Spiele nicht gewinnt und dann eine Krise hat. Das ist für mich unerklärlich“, ließ sich der Trainer aus: „Wir sind nach 25 Spielen Erster, haben auf Platz drei sieben Punkte Vorsprung und trotzdem sind manche unzufrieden. Vor zwei Jahren um diese Zeit wäre Fortuna fast in der dritten Liga gewesen.“ Sollte am Sonntag (13.30 Uhr) im Straßenbahnderby gegen den MSV Duisburg ein Erfolg verzeichnet werden können, wäre nach den Abstiegsängsten der vergangenen Jahre Fortunas Aufstieg in die erste Liga dagegen kaum noch zu nehmen.

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