Fußball-Bundesliga

Friedhelm Funkel und Fortuna trennen sich zum Saisonende

Abschied im Sommer: Friedhelm Funkel wird die Fortuna verlassen.

Abschied im Sommer: Friedhelm Funkel wird die Fortuna verlassen.

Foto: Marius Becker/dpa

Düsseldorf.   Der Trainer des Fußball-Bundesligisten Fortuna Düsseldorf konnte sich mit dem Klubvorstand nicht auf einen neuen Vertrag einigen.

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Jetzt ist es amtlich: Am 18. Mai 2019 endet die erfolgreiche Liaison zwischen Friedhelm Funkel und Fortuna Düsseldorf. Außer, dem Trainerfuchs gelingt tatsächlich noch das Husarenstück, die Düsseldorfer ins Pokalfinale am 25. Mai zu führen, oder der Aufsteiger geht noch den Umweg über die Relegation – dann verlängert sich die Zusammenarbeit um ein paar Tage. Doch gefühlt ist für die Mehrzahl der Fans und Beobachter die gemeinsame Zeit von Trainer und Traditionsverein ohnehin zu kurz.

Egal, ob Fortuna im abschließenden Heimspiel gegen Hannover den Klassenerhalt feiern wird oder nicht: Friedhelm Funkel wird von den Düsseldorfer Anhängern seinen verdienten großen Abschied bekommen. Denn der 65-Jährige, der seit 1973 im Fußballgeschäft, seit 1990 im Trainergeschäft, unterwegs ist, hat zum Abschluss seiner Karriere noch einmal ein ganz großes Kapitel hingelegt: In dann 1156 Tagen bei Fortuna hat er mit seiner bemerkenswert authentischen Art viele Sympathien gewonnen.

Keine Liebe auf den ersten Blick

Es war nicht von Anfang eine Liebesbeziehung zwischen den Düsseldorfern und Funkel. Mancher Fan warf dem Routinier zunächst das Klischee vor, das ihn über weite Teile seiner Karriere verfolgte: Er lasse seine Mannschaften ausschließlich defensiv spielen und sei modernen Entwicklungen nicht aufgeschlossen. Doch nach und nach gelang es dem gebürtigen Neusser, all diese Vorurteile zu widerlegen. Nachdem er die Mannschaft im Frühjahr 2016 vor dem Abstieg aus der 2. Liga gerettet hatte, feierten ihn die Fans im Braunschweiger Stadion mit minutenlangen Sprechchören – und seitdem bilden Trainer und Anhänger eine verschworene Gemeinschaft. Ein wichtiger Bestandteil dieser Gemeinschaft ist dabei Funkels Ehrlichkeit. Der Routinier klopft keine großen Sprüche, verspricht nicht das Blaue vom Himmel herunter, redet aber auch schwache Spiele wie das 1:3 in Bremen nicht schön. Er scheut den Dialog mit den Fans nicht, gibt sich dabei stets, wie er eben ist, baut keine Kunstfigur auf und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Deshalb riefen ihn die mitgereisten Düsseldorfer Anhänger nach dem vollbrachten Aufstieg in Dresden in die Fankurve, gaben erst Ruhe, als Marcel Sobottka den Coach, der sich doch eigentlich zurückhalten und der Mannschaft das

Feld überlassen wollte, mit sanfter Gewalt Richtung Block schubste. Diese Popularität war offenbar ein wichtiger Grund dafür, warum es ab Juli nicht mehr weitergeht für ihn. Denn schon lange sickerte durch, dass führende Köpfe in Vorstand und Aufsichtsrat sich selbst mehr Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gewünscht hätten, sich so gar nicht damit anfreunden konnten, dass Fans und Medien dem Trainer den größten Anteil am Wiederaufstieg zuschrieben. Matthias Sammer, früher unter anderem DFB-Sportmanager und Sportvorstand des FC Bayern München, sagte als TV-Experte mehrfach: „Wenn ein Trainer mit Fortuna Düsseldorf den Klassenerhalt schaffen kann, dann ist das Friedhelm Funkel.“ Dessen große Erfahrung, das Wissen, nahezu alle nur denkbaren Krisensituationen schon einmal erlebt zu haben und dabei jedem Spieler das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Faktor für die Lösung einer aktuellen Krise zu sein, machen einen wichtigen und nicht kopierbaren Teil seiner Qualitäten aus. Ebenso seine Fähigkeit, ein Team bis zum Äußersten zu motivieren. All die Erfolge, die Friedhelm Funkel in seiner langen Karriere verbuchte, vor allem aber die, die er in seinen knapp drei Fortuna-Jahren mit dem vor seiner Ankunft dem Abstieg in die Drittklassigkeit geweihten Klub errang, hätten großes Vertrauen für eine weitere Zukunft mit ihm gerechtfertigt. Vertrauen, das Funkel von der Vereinsführung um den Vorstandsvorsitzenden Robert Schäfer nicht bekommt. Warum auch immer. (jol/erer)

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