Kiesewetter

Warum für Kiesewetter die eigene Heimpremiere so wichtig ist

Jerome Kiesewetter - hier noch im Dress des VfB Stuttgart - wechselte diesen Sommer zu Fortuna Düsseldorf.

Jerome Kiesewetter - hier noch im Dress des VfB Stuttgart - wechselte diesen Sommer zu Fortuna Düsseldorf.

Foto: firo

Düsseldorf.  Zum ersten Heimspiel der Fortuna haben sich Jerome Kiesewetters Eltern angekündigt. Keine gewöhnliche Situation für den Neuzugang der Düsseldorfer.

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Jerome Kiesewetter musste schon in jungen Jahren lernen was es heißt, los- und zurückzulassen. Nach der Trennung seiner Eltern blieb Fortunas Neuzugang mit seiner Mutter in seiner Heimatstadt Berlin zurück. Sein Vater, der mit der US-Armee bereits zu Zeiten des Kalten Krieges in West-Berlin stationiert war, zog es nach fast einem Vierteljahrhundert Militärdienst in Deutschland in die texanische Hauptstadt Austin zurück. „Am Anfang war das natürlich hart für mich, ich war schließlich noch jung“, erinnert sich der neue Offensivmann des Fußball-Zweitligisten, „mit der Zeit habe ich jedoch gelernt, an dieser Situation zu wachsen und gestärkt aus ihr hervorzugehen“.

Letzteres ließe sich auch über seine ersten Schritte außerhalb von Berlin sagen. Nach 19 Jahren Hauptstadtpflaster, wo er als Jugendlicher zunächst für Hertha Zehlendorf kickte, ehe er 2007 schließlich zur „großen“ Hertha wechselte, folgte vor vier Jahren der Schritt ins Schwabenland. Doch beim VfB Stuttgart hatte der Deutsch-Amerikaner so seine Anlaufschwierigkeiten. „Gerade für mich als jungen Spieler war dieser Schritt zunächst schwer“, sagt der pfeilschnelle 23-Jährige. Für ihn war es das erste Mal, dass er Freunde und Familie zurücklassen musste. „Es gab plötzlich nur noch Fußball.“

55 Partien absolvierte er für die zweite Mannschaft des VfB. Noch bevor die Saison begann, erlitt er einen Ermüdungsbruch im Schienbein, flog nach erfolgter Genesung mit Rot gegen Heidenheim vom Platz. „Ich bin immer unzufriedener geworden“, klagte er damals. „Wir mussten ihm etwas nach vorne helfen, was Einstellung und Arbeitsmoral betraf“, so VfB-Trainer Jürgen Kramny. Der Schachzug der Verantwortlichen, Kiesewetter zurück in sein gewohntes Berliner Umfeld zu schicken und für ein Jahr an die Hertha auszuleihen, ging auf. Kramny: „Als er aus Berlin zurückkam, hatte er sich rundum geändert!“

Kiesewetter verpasste mit der USA Olympia

Am Anfang sei all dies eine schwere Zeit gewesen, sagt Kiesewetter, „aber ich habe gelernt mich anzupassen“. Den Beweis erbrachte der US-Boy beim ersten Trainingslager der Fortuna in Maria Alm, wo er keineswegs wie ein Fremdkörper in der Mannschaft wirkte. „Das Team ist klasse, die Abläufe sitzen mehr und mehr. Es wird von Tag zu Tag besser.“ Im Stadtteil Derendorf hat er eine neue Wohnung gefunden, die er dieser Tage beziehen will. Natürlich hat sein bester Kumpel die Adresse schon. Mit Landsmann und Herthaner Innenverteidiger John Anthony Brooks verbindet ihn schließlich eine „besondere Freundschaft“. Beide wuchsen gemeinsam in Berlin-Mariendorf auf, auch die Familien waren befreundet. „Im Herzen sind wir immer zusammen“, sagt Kiesewetter.

Bereits als Kinder fassten sie den Entschluss, irgendwann einmal für Amerika kicken zu wollen. Der Traum erfüllte sich, auch wenn es zuletzt einen herben Dämpfer gab. Die USA verpassten durch eine 1:2-Heimniederlage gegen Kolumbien wie schon 2012 die Teilnahme am olympischen Fußballturnier in Rio de Janeiro. „Die ersten Wochen über saß der Schmerz tief“, gesteht Kiesewetter, der sich im Umkehrschluss nun voll auf die Fortuna konzentrieren kann. Und das erste Heimspiel am 12. August gegen seinen Ex-Klub VfB Stuttgart. Kiesewetter hat eine große Familienzusammenführung geplant. Vater und Mutter wollen ihrem Sohn in der Stockumer Arena vor Ort gemeinsam die Daumen drücken. Ein Grund mehr für den Sohn in der Vorbereitung ordentlich Gas zu geben, der dann natürlich in der Startelf stehen möchte.

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