Frauenfußball

Bayern-Spielerin Lina Magull: „Ich habe keine Angst“

Lina Magull, Dortmunder Fußball-Nationalspielerin in Diensten des FC Bayern München

Lina Magull, Dortmunder Fußball-Nationalspielerin in Diensten des FC Bayern München

Foto: Getty Images

Essen.  Lina Magull will mit dem FC Bayern München in der Champions League glänzen. Die gebürtige Dortmunderin glaubt an einen Sieg gegen Favorit Lyon.

Das Männer-Team des FC Bayern steht im Finale der Champions League. Die Frauen aus München wollen nun nachziehen, ab diesem Freitag wird die Champions League in Spanien fortgesetzt. Der VfL Wolfsburg spielt am Freitag gegen Glasgow City (18 Uhr/Sport1), auf den FC Bayern wartet am Samstag Titelverteidiger Olympique Lyon (20 Uhr, Sport1). Nationalspielerin Lina Magull (26) weiß um die Außenseiterchancen dank des K.o.-Systems. Ein Gespräch.

Frau Magull, Sie haben kürzlich ein Foto hochgeladen mit den Worten „Ready for Champions League“. Wie groß ist die Vorfreude auf das Viertelfinale?

Lina Magull: Sehr groß. Die Champions League ist einfach das Sahnehäubchen auf die Bundesligasaison. Es ist immer etwas Besonderes, international zu spielen, sich mit ausländischen Topteams und den hochklassigen Fußballerinnen in deren Reihen zu messen. Es ist einfach spannend zu sehen, auf welchem Niveau man sich international befindet. Ich freue mich auf die Champions League. Wir wollen diesen Wettbewerb einfach genießen.

Hätten Sie denn damit gerechnet, dass die Champions League überhaupt noch fortgesetzt wird?

Ehrlich gesagt: nein. Ich denke, mit dem normalen Modus aus Hin- und Rückspiel wäre es sehr schwierig geworden. Ich finde es schön, dass die Uefa das so hinbekommen hat und es nun doch noch zustande kommt.

Gegner am Samstag wird Olympique Lyon sein. Eine harte Nuss?

Ja, wenn man sich die Titelsammlung der vergangenen Jahre anschaut und dann auf den Kader von Lyon blickt – das wird ein sehr hartes Brett. Aber ich spiele lieber gegen größere Vereine als gegen solche, die uns schon vom Papier her krass unterlegen sind. Ich nehme gerne Herausforderungen an und kann ein Spiel auch ganz anders genießen, wenn es kein Selbstläufer wird und jeder über sich hinauswachsen muss.

Zumal Lyon jüngst nach der Meisterschaft auch den französischen Pokal gewonnen hat.

Ja, aber das Pokalfinale hat Lyon gegen Paris Saint-Germain auch erst im Elfmeterschießen für sich entschieden. Wir wissen also, dass Lyon schlagbar ist, dass es keine Übermannschaft ist, die unverwundbar ist. Der größte Fehler, den wir machen können, ist Angst zu haben. Ich habe keine, wir als Mannschaft haben keine. Wir müssen auf uns selbst gucken, uns konzentrieren, denn wir sind momentan auch gut drauf. Ich glaube schon sehr an einen Sieg.

Bei Lyon spielt Dzsenifer Marozsan. Freuen Sie sich auf das Duell mit ihrer Nationalelfkollegin?

Na klar, es ist immer schön, Dzseni wiederzusehen. Sie hat einen sehr hohen Stellenwert für Lyon, sie wird sicher der Fixpunkt des Spiels sein. Ich freue mich immer, mit ihr spielen zu dürfen, aber jetzt freue ich mich mal, gegen sie zu spielen.

Corona bringt auch einen anderen Spielmodus mit sich. Mögen Sie das K.o.-Format?

Ja, das könnte ich mir auch für die Zukunft vorstellen in der Champions League. Ich fand das auch als Zuschauerin bei den Männer-Spielen sehr spannend in den vergangenen Tagen. Dieses eine Spiel ist dann doch noch mal für sich viel spannender, man fiebert irgendwie anders mit. Als Spielerin kann ich wie nun gegen einen Favoriten wie Lyon nur sagen: In einem Spiel kann man mehr erreichen als in zweien. Für uns ist der K.o.-Modus vielleicht ein kleiner Vorteil.

Seit 2018 spielen Sie für den FCB, zuvor hatten Sie die Champions League zweimal mit dem VfL Wolfsburg gewonnen. Was bedeutet der Sieg in diesem Wettbewerb?

Ich verbinde einen Titelgewinn auch immer mit meiner gegenwärtigen Situation, mit den äußeren Faktoren, die mit reingespielt haben. Wenn ich an die Champions League denke, dann gehören die Titelgewinne sicher zum Schönsten, das ich bisher erlebt habe. Vor allem der erste Triumph in London 2013: meine Familie war da, die Atmosphäre im Stadion an der Stamford Bridge– ein ganz besonderer Moment.

Wolfsburg holte wieder das Double. Wäre ein Erfolg in der Champions League ein Ausrufezeichen für den FC Bayern? Auch national?

Auf jeden Fall. Wolfsburg steht uns in den letzten Jahren immer ein bisschen vor der Nase, zugegeben überwiegend auch verdient. Vergangene Saison haben wir uns das durch liegengelassene Punkte gegen kleinere Vereine selbst zuzuschreiben. Aber gerade nach der Corona-Pause waren wir gut drauf, wenn wir daran anschließen könnten, wäre das toll für den Verein, wenn wir den Champions-League-Titel mit nach Hause bringen könnten. Aber erst mal geht es gegen Lyon.

Sie sind in Dortmund geboren und aufgewachsen – aber seit jeher Bayern-Fan. Wie kommt das?

Ich weiß es nicht so wirklich. Klar war ich früher auch oft auf dem BVB-Gelände, weil ich da einfach nah dran war. Aber irgendwann kam dann die Sympathie für die Bayern. Wegen der starken Spielerpersönlichkeiten, wegen dieses unglaublichen Siegeswillens und dem Erfolg, den sie haben. Danach strebe ich ja irgendwie auch, und da war es irgendwann mein Traum, so wie die Bayern zu werden. Es ist bewundernswert, wie sie seit Jahrzehnten dieses Niveau halten.

Also war es ein besonderer Moment, als Sie zum FC Bayern wechselten?

Auf jeden Fall. Dass der Traum wahr wird, selbst einmal für diesen Verein zu spielen und das Trikot zu tragen, war schon besonders und richtig cool. Auch wenn es nicht im Männerteam ist. Aber bei den Frauen zu spielen ist auch eine Ehre (lacht).

Sie hatten den Wunsch geäußert, dass sich auch Borussia Dortmund im Frauenfußball engagiert. Es gab jüngst eine Befragung dazu bei Vereinsmitgliedern und Fans.

Das ist eine gute Sache. Ich spreche jetzt mal allgemein für den Frauenfußball: Ich finde schon, dass wir in unserer Sportart noch so viel Potenzial in Sachen Wertschätzung und Reichweite haben. Um das zu erreichen und die Liga zu professionalisieren, ist es einfach wichtig, dass auch die Männervereine uns unterstützen. Ein so großer Verein wie Dortmund kann mit seinem Engagement noch mal große Aufmerksamkeit erregen. Ich finde es super und hoffe, dass es beim BVB dann in die richtige Richtung geht und es nicht zehn Jahre dauert, bis Borussia Dortmund in der Bundesliga angekommen ist. Es ist ja schön, dass Schalke sich nun auch engagiert und ein Frauenteam für die Kreisliga meldet, aber bei einem Klub wie dem BVB sollte ein Engagement schon mit größeren Ambitionen verbunden sein.

Sie sind Teil des neuen Spielerbündnisses, in dem sich über 400 Mitwirkende – darunter auch Mats Hummels und Neven Subotic – für die Belange von Profis einsetzen wollen.

Alexandra Popp hat einen guten Draht zu Neven Subotic, und um den Frauenbereich stärker miteinzubauen, hat sie mich direkt angerufen. Es ist einfach wichtig, dass Spieler und Spielerin zusammenarbeiten und sich mit einem starken Rückhalt in einer Gemeinschaft auch wehren können. Gerade in Ausnahmesituationen wie dieser Corona-Zeit finde ich es wichtig, dass man als Sportler auch mal nach seiner Meinung gefragt wird, und nicht alles über unsere Köpfe hinweg entschieden wird. Da ist so eine Gemeinschaft gut, alle ziehen an einem Strang, je nach Situation kann man miteinander in Kontakt treten und Präsenz zeigen.

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