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Fußball nach Corona: Bierhoff sagt Preisstürze voraus

DFB-Direktor Oliver Bierhoff

DFB-Direktor Oliver Bierhoff

Foto: Getty Images

Köln.  Nationalmannschaftsdirektor Bierhoff und andere Topfunktionäre gehen von einschneidenden Konsequenzen der Coronakrise für den Profifußball aus.

Im deutschen Profifußball erwarten nach dem ersten Schock durch die Corona-Pandemie immer mehr Spitzenfunktionäre nachhaltige Auswirkungen der Krise. Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff, Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Borussia Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc - alle befürchten wirtschaftlich spürbare Folgen für die Vereine.

„Es wird auf jeden Fall eine starke Reaktion in den nächsten ein, zwei, drei Jahren geben“, sagte Bierhoff im Gespräch mit RTL/n-tv: „Natürlich werden die Preise runtergehen, genau wie die Gehälter auch.“

Tatsächlich sind die finanziellen Sorgen der Branche vielfältig. Dabei ist die Frage nach den existenzielle wichtigen TV-Geldern nur ein Thema unter vielen. Denn offen ist auch, wie viel ebenfalls von der Krise getroffene Sponsoren künftig noch zahlen können und wie sich auch dadurch die Marktwerte von Spielern entwickeln.

Höchstpreise auf dem Transfermarkt scheinen unwahrscheinlich

Ob etwa Dortmund für seinen englischen Shootingstar Jadon Sancho durch einen Verkauf im Sommer noch annähernd so viel erlösen wie noch Anfang März erhofft, steht mittlerweile in den Sternen. „Dieser Sommer wird unlustig“, orakelte Zorc kürzlich schon. Ähnliche Sorgen muss sich Bayer Leverkusen über einen Transfer seines „Juwels“ Kai Havertz machen, für den Trainer Peter Bosz erst vor wenigen Wochen noch eine Ablöse von jenseits der 100-Millionen-Euro-Grenze voraussagte.

Sowohl beim BVB als auch in Leverkusen, aber ebenfalls bei vielen Ligarivalen sind die Erlöse aus Spielerverkäufen zu Höchstpreisen allerdings fester Bestandteil von Budget- und Personalplanungen gleichermaßen. Ohne oder auch schon mit deutlich geringeren Transfereinnahmen wären sämtliche Kalkulationen nur noch Makulatur. Mehr noch. Nach Ansicht von Karsten Petry von der Agentur Octagon Deutschland ist die Situation für einige Vereine „wirklich existenzbedrohend“, wie der Sportmarketing-Experte im SID-Gespräch sagte.

Derzeit prägt vor allem Unsicherheit die Szene. „Keiner weiß heute genau, wie sich die Coronakrise in den kommenden Woche und Monaten noch weiter auf den Fußball auswirken wird“, gestand Bayern-Boss Rummenigge in einem Interview mit dem Münchner Merkur und der tz. Deswegen sind beim Branchenführer wie bei den meisten anderen Vereinen auch Transferaktivitäten vorläufig auf Eis gelegt. Laut Rummenigge führen die Münchner momentan lediglich Gespräche mit Spielern, deren Verträge im kommenden Jahr auslaufen.

Uli Hoeneß: "Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußball-Welt geben“

Sein langjähriger Bayern-Kompagnon Uli Hoeneß wittert hingegen offenbar für die Bayern durch mögliche Umwälzungen im Markt eine Chance zur Verkürzung des finanziellen Rückstands auf die noch viel reicheren Topklubs aus England und Spanien. Im Fachmagazin kicker deutete Münchens Ehrenpräsident jedenfalls die Hoffnung an, „dass die Koordinaten etwas verändert werden können. Es wird sehr wahrscheinlich eine neue Fußball-Welt geben“.

Auf Verschiebungen der Kräfteverhältnisse auch eine Nummer kleiner setzt Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. „Es wird so sein“, mutmaßte der Ex-Profi, „dass sich nach der Corona-Geschichte einiges relativieren wird. Vereine, die bis jetzt solide gearbeitet haben, können da ein Stück weit gut durch die Krise kommen.“

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