Gladbach

Gladbacher haben einfach keine Zeit zum Frustschieben

Gefrustet: Mönchengladbachs Marcus Thuram.

Gefrustet: Mönchengladbachs Marcus Thuram.

Foto: Reuters

Mönchengladbach.  Viel Zeit, den Tiefschlag nach dem Europa-League-Aus zu verdauen, hat Borussia Mönchengladbach nicht. Sonntag geht es in Wolfsburg weiter.

Laufen die Dinge rund, ist Stefan Lainer einer der impulsivsten Gladbacher Kommentatoren. Nach Erfolgen streift der kräftige Österreicher im Tiefgeschoss des Borussia-Parks schon mal sein Trikot über den Kopf und formuliert mit blankem Oberkörper markige Sätze. Bereits Ende Oktober, nach dem 4:2 gegen Frankfurt, gestattete der 27-jährige Außenverteidiger Borussias Fans als erster im Klub offiziell Tagträume von der Meisterschale. Ähnlich gezielt bewegte sich der Neuzugang aus Salzburg nun auch am anderen Ende der Gefühlsskala – als fast alle Teamkollegen nach dem Last-Minute-Aus auf internationaler Bühne am Donnerstagabend in Schockstarre verfallen waren.

Denn während die Gäste von Basaksehir Istanbul noch ihren 2:1-Siegtreffer aus der 91. Minute feierten, der sie in die Zwischenrunde der Europa League bugsiert und Gladbach jäh aus dem Wettbewerb befördert hatte, kamen Lainer bereits die drei Tore der Borussia in früheren Nachspielzeiten in den Sinn: Erzielt in den beiden Partien gegen den AS Rom (einen unberechtigten Handelfmeter in der 95. Minute inklusive) und beim 1:1 im Hinspiel in Istanbul. Weswegen der schicksalsergebene Lainer anmerkte: „Am Ende war unser Glück in der Gruppenphase vielleicht schon aufgebraucht.“

Gladbachs Trainer Rose: "Die Enttäuschung ist groß"

Aufgebraucht schien das Glück in einem Spiel, in dem Borussen-Torwart Yann Sommer Basaksehir direkt vor der Pause mit einem groben Schnitzer den Ausgleich schenkte, ehe die Gladbacher nach der Pause diverse Großchancen ausließen – und im entscheidenden Moment Istanbuls Mittelstürmer Enzo Crivelli aus den Augen verloren. Was Marco Rose mit belegter Stimme kommentierte: „Ein bitterer Abend. Die Enttäuschung ist groß, dementsprechend ist die Stimmung in der Kabine.“

Am Freitag setzte sich Gladbachs Cheftrainer mit den Spielern zusammen, um „die Dinge zu besprechen, die wir beeinflussen können“. Das ist – nach dem Aus im DFB-Pokal – nun allein noch die Bundesliga. Dort ist Roses Team Spitzenreiter, tritt am Sonntag beim VfL Wolfsburg an (15.30 Uhr/Sky).

Nun harter Konkurrenzkampf

„Spätestens am Samstag beim Abschlusstraining werden wir die Dinge wieder angehen. So funktioniert das, glaube ich“, sagte Rose. Es klang allerdings, als sei er sich selbst nicht sicher, ob seine Mannschaft den psychologischen Tiefschlag tatsächlich so zügig verarbeitet. Denn: „Mit dem zweiten Gegentor ist uns gegen Basaksehir passiert, was uns nicht hätte passieren dürfen. Wir haben ein wichtiges Spiel verloren, ein Ziel verpasst. Das fühlt sich nicht gut an.“

Denn passé ist nun auch die Möglichkeit, allen Mitgliedern des Gladbacher Luxuskaders – speziell in der Offensive – dank regelmäßiger Rotation unter der Woche und am Wochenende den nötigen Auslauf zu verschaffen. „Wir hätten im Frühjahr lieber noch ein paar Spiele mehr gehabt, um alle spielen lassen zu können“, gestand Marco Rose, der ahnt: „Jetzt wird das ein richtig harter, guter Konkurrenzkampf. Aber auch das werden wir hinkriegen.“

"Jetzt an die Meisterschaft denken"

Zumal in dem vermeidbaren Abschied aus Europa auch eine Chance für das Borussen-Ensemble schlummert: Wenn sich die Titelkonkurrenz aus Leipzig, Dortmund und München im neuen Jahr in der Champions League gegen die kontinentale Prominenz abrackert, können die Gladbacher regelmäßig Kräfte sammeln. Mittelfeldkraft Denis Zakaria meinte lapidar: „Wir müssen jetzt an die Meisterschaft denken – und fertig.“

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