Interview

Hoffenheims Nico Schulz: "Man darf nie den Spaß verlieren"

Hat in Hoffenheim einen Vertrag bis 2021: Linksverteidiger Nico Schulz.

Hat in Hoffenheim einen Vertrag bis 2021: Linksverteidiger Nico Schulz.

Foto: firo

Zuzenhausen.  Nico Schulz trifft mit der TSG Hoffenheim am Samstag in Mönchengladbach auf seinen Ex-Klub. Der Nationalspieler spricht vor dem Duell im Borussia-Park über Vertrauen, seinen Trainer Julian Nagelsmann und das BVB-Interesse.

Als 15-Jähriger lehnte Nico Schulz ein Angebot des FC Liverpool ab. Der gebürtige Berliner blieb in der Jugend von Hertha BSC, um dort seine Profikarriere zu beginnen. Als 26-Jähriger zählt er nun zu den besten Außenverteidigern der Bundesliga. Am Samstag (15.30 Uhr/Sky) tritt der Nationalspieler mit der TSG Hoffenheim bei seinem ehemaligen Klub Borussia Mönchengladbach an.

Herr Schulz, was ist für Hoffenheim in dieser Saison noch drin? Ein Platz für die Europa League oder sogar für die Champions League?

Nico Schulz: Ich hoffe noch auf die Champions League. Dafür müssten wir alle drei Spiele gewinnen. Und damit fangen wir hoffentlich am Samstag an.

Was lief am vergangenen Sonntag beim 1:4 gegen den VfL Wolfsburg falsch?

Schulz: Relativ viel. Wir haben nicht das gemacht, was uns zuvor stark gemacht hat. Vielleicht liefen die vergangenen Wochen auch ein bisschen zu gut. Nach unserem 1:0 haben wir dann eventuell gedacht, das läuft so weiter. Aber das haben wir abgehakt, aufgearbeitet. Wir wissen also, was wir falsch gemacht haben.

Welchen Anteil hat Ihr Trainer Julian Nagelsmann an der Entwicklung Ihrer Karriere?

Schulz: Er hat einen großen Anteil. Aber nicht nur er, sondern der ganze Verein. Julian ist dennoch der, der mich am Ende aufstellt, der mir intern erklärt, was ich an meinem Spiel besser machen muss. Das hat er gerade am Anfang meiner Zeit hier getan.

Julian Nagelsmann wird den Verein nach dieser Saison verlassen, um zu RB Leipzig zu wechseln. Was wird Hoffenheim dann fehlen?

Schulz: Ein exzellenter Trainer wird nicht mehr da sein, der den ganzen Verein mitgeprägt hat, der mit dem Klub Einmaliges durch die Teilnahme an der Champions League geschafft hat. Er wird auf jeden Fall fehlen.

Sie treten am Samstag bei Borussia Mönchengladbach an, ihrem Ex-Klub. Dort hatten Sie keine einfache Zeit, zogen sich auch einen Kreuzbandriss zu. Haben Sie dennoch auch Positives aus Gladbach mitnehmen können?

Schulz: Ich hatte dort eine gute Zeit. Auch privat, ich war zum ersten Mal raus aus Berlin. Mit einigen Jungs wie Ibrahima Traoré und Tobias Strobl bin ich auch immer noch in Kontakt. Nur fußballerisch lief es nicht so gut, man hatte leider nicht so auf mich gesetzt.

Sie haben ein halbes Jahr unter Trainer Dieter Hecking in Gladbach gespielt. Wie beurteilen Sie seine Arbeit bei der Borussia insgesamt?

Schulz: Gut, obwohl die letzte Saison nicht so zufriedenstellend war für alle Beteiligten. Wie Gladbach aber danach vor allem in der Hinrunde gespielt hat, war sehr gut und sehr ansehnlich. Hecking ist in meinen Augen ein guter Trainer. Die Gründe, warum es momentan nicht so gut läuft, kenne ich nicht.

Nun trennt sich die Borussia von Hecking nach dieser Saison, obwohl sein Vertrag im vergangenen Jahr noch bis 2020 verlängert worden war. Ist diese Entscheidung für Sie nachvollziehbar?

Schulz: Das ist für mich sehr schwer zu beantworten, weil ich dafür dann doch einen Tick zu weit weg bin. Es ist also schwer für mich zu sagen, ob das der richtige oder falsche Schritt ist. Aber Sportdirektor Max Eberl wird schon das Richtige tun.

Vor knapp zwei Monaten haben Sie in der deutschen Nationalelf den 3:2-Siegtreffer beim EM-Qualifikationsspiel in den Niederlanden erzielt. Was bedeutet Ihnen dieses Spiel?

Schulz: Das war bis jetzt das wichtigste Tor, das ich erzielt habe. So viele Tore schieße ich ja nicht (lacht). Gerade nach dem Umbau der Mannschaft direkt mit drei Punkten in die Qualifikation zu starten, tat nicht nur mir, sondern dem ganzen DFB-Team gut. An dieses Spiel erinnere ich mich sehr gerne zurück.

Gute Linksverteidiger sind mitunter schwer zu finden und deshalb begehrt. Warum ist Nico Schulz für die Nationalmannschaft auch dauerhaft die richtige Besetzung auf dieser Position?

Schulz: Ich glaube, dass ich der Mannschaft mit meinem Tempo, meinen Läufen und meiner Dynamik in die Tiefe viel geben kann, auch Räume schaffen kann für die anderen Jungs. Deshalb denke ich, dass ich da ganz gut reinpasse.

Fühlen Sie sich in der Nationalmannschaft schon wohl?

Schulz: Ja, das war vom ersten Tag an so. Viele in der Nationalmannschaft waren für mich ja keine Unbekannten, man kennt sich aus der Bundesliga. Deshalb war es nicht so schwer, mich da einzufinden.

Hätten Sie jemals gedacht, dass Sie derart in den Fokus rücken würden?

Schulz: Ich habe immer an mich geglaubt. Ich wusste, was ich kann, dass ich ein richtig guter Bundesliga-Spieler sein kann, wenn alles passt, wenn ich Vertrauen bekomme, wenn ich gesund bin. Das alles habe ich mir schon so erhofft und mir auch zugetraut.

Was würden Sie jungen Talenten raten, die einmal Profifußballer werden wollen?

Schulz: Dass sie den Spaß nicht verlieren sollen. Denn das ist am Ende das Wichtigste, sowohl im Training als auch im Spiel: dass man Spaß an dem hat, was man tut.

Ist Fußball für Sie das Wichtigste im Leben?

Schulz: Das Wichtigste im Leben für mich sind meine beiden Kinder. Dann kommt die Familie insgesamt. Und dann irgendwann der Fußball.

Haben Sie genug Zeit für Ihre Kinder und die Familie?

Schulz: Schon, der Fußballberuf bringt ja mit sich, dass man Gott sei Dank nicht zehn Stunden pro Tag im Büro sitzt, sondern auch noch genügend Freizeit hat.

Wer wird eigentlich Meister in dieser Saison? Bayern München oder Borussia Dortmund? Haben Sie einen Tipp?

Schulz: Puh, nein, habe ich nicht, das ist zu eng.

Borussia Dortmund soll an Ihnen sehr interessiert sein und will Sie laut Medienberichten im Sommer verpflichten. Werden Sie zum BVB wechseln?

Schulz: Prinzipiell ist Borussia Dortmund ein toller Verein, gut geführt, immer oben mit dabei in der Bundesliga. Aber ich weiß nicht, was im Sommer passiert. Erst mal haben wir noch drei wichtige Spiele zu absolvieren, darauf liegt mein Fokus. Alles Weitere sehen wir dann.

Können Sie sich vorstellen, für Dortmund zu spielen?

Schulz: Ich könnte mir vorstellen, mal für einen großen Klub zu spielen. Das habe ich immer gesagt. Das will schließlich jeder Fußballer mal.

Für Gladbach und Hoffenheim geht es am Samstag um viel: Beide Klubs kämpfen um Europapokal-Plätze. Was für Spiel erwarten Sie?

Schulz: Es wird ein Duell auf Augenhöhe, weil Borussia viele gute Spieler mit viel Qualität hat, genauso wie wir. Es wird ein sehr enges Spiel.

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