Duisburg. Nach dem 0:0 gegen Preußen Münster steht Sportchef Ralf Heskamp beim MSV Duisburg vor dem Aus. Wie groß die Probleme sind, zeigte sich Samstag.

Ralf Heskamp, der Geschäftsführer Sport beim Fußball-Drittligisten MSV Duisburg, steht offenbar vor dem Aus. Nach dem enttäuschenden 0:0 im Heimspiel vor 12.829 Zuschauern gegen Aufsteiger Preußen Münster ließ MSV-Präsident Ingo Wald ein klares Bekenntnis zu seinem Sportchef vermissen. Auf die Frage, ob Ralf Heskamp (58) zur Diskussion stehe, sagte Wald: „Wir werden darüber nachdenken, wie wir uns sportlich ausrichten werden.“ Zuvor hatte der Präsident erklärt: „Moritz Stoppelkamp zum Ende der vergangenen Saison gehen zu lassen, war aus meiner Sicht ein Fehler.“

Heskamp gehört beim MSV Duisburg nicht mehr zum Kreis der Entscheider

Dass der Geschäftsführer Sport bereits entmachtet ist, ließ sich aus einer Aussage von Trainer Engin Vural heraushören. Wie es mit ihm weitergehe, war eine der Fragen in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Ich bin mit Herrn Wald und Herrn Schott im ständigen Austausch“, so Vural, der aus drei Spielen als Chef einen Punkt geholt hatte. Ulf Schott ist Vorstandsmitglied beim MSV. Offenbar gehört Heskamp nicht zum Kreis der Entscheider. Der Geschäftsführer Sport zeigte sich verärgert: „Ich habe gerade gehört, wie Entscheidungen hier getroffen werden.“ Damit spielte er auf Ingo Wald und Ulf Schott an. Heskamp fügte hinzu: „Das ist nicht zum ersten Mal. Immer hinten rum, das ist nicht fair.“ Damit scheint das Tischtuch einen kaum mehr zu nähenden Riss bekommen zu haben.

Sportchef Ralf Heskamp steht in der Kritik und beim MSV Duisburg vor der Ablösung.
Sportchef Ralf Heskamp steht in der Kritik und beim MSV Duisburg vor der Ablösung. © Firo

Ob Engin Vural, der zuvor die U19 beim MSV trainiert hatte, weiter im Amt bleibt, ist ebenfalls ungewiss. Allerdings scheint da die Zündschnur länger zu sein. Vural glaubt weiter, „der Mannschaft helfen zu können.“ Immerhin, nach vier Niederlagen in Folge holte das Team einen Punkt und bliebt zum ersten Mal ohne Gegentor. Den gewünschten Push löste Vural aber nicht aus. Ingo Wald ließ wissen, dass eine „Findungskommission“ tätig ist. „Ich denke nicht, dass wir überstürzt handeln werden. Wir haben sicherlich zwei Kandidaten, bei denen alle überzeugt sind, dass sie gute sind.“

Bereits vor zwei Wochen hatten sich die Zebras von Trainer Torsten Ziegner getrennt. Der MSV steht mit vier Punkten am Tabellenende. In den neun Spielen bisher gelang kein Sieg. Die Fans machen Torsten Ziegner und Ralf Heskamp für die Talfahrt verantwortlich. Ziegner und Heskamp hatten entschieden, dass Moritz Stoppelkamp der beste Torschütze und Vorbereiter der Meidericher, nach der vergangenen Saison kein neues Vertragsangebot bekommt. Die Neuverpflichtungen in der Offensive erwiesen sich bislang als Enttäuschung. Nur sechs Tore gelangen dem MSV. Keines schoss ein Stürmer oder ein offensiver Mittelfeldspieler. Heskamp entschied den Vertrag mit Benjamin Girth zu verlängern und holte Pascal Köpke und Alexander Esswein als Angreifer. Keiner von ihnen strahlt derzeit irgendeine Torgefahr aus. Pech war, dass sich ein weiterer offensiver Neuzugang, Thomas Pledl, gleich am zweiten Spieltag dauerhaft verletzte.

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Ingo Wald: „Uns fehlt die Durchschlagskraft vor dem Tor.“ Das galt auch für das torlose Remis gegen Münster. Torhüter Vincent Müller sagte nachher: „Wir müssen uns nur einen Vorwurf machen: Die Ausbeute bei den Torchancen.“ Die Meidericher erspielten sich ein halbes Dutzend klare Gelegenheiten, scheiterten aber am überragenden Preußen-Torhüter Max Schulze Nienhues, an mangelnder Zielgenauigkeit oder wie der eingewechselte Phillip König in der Nachspielt am Aluminium. Der überragende Caspar Jander lobte die Leistung seiner Mannschaft, musste aber zugeben: „Das Spiel beschreibt unsere Lage. Wir sind glücklos geblieben.“ Die Fans honorierten Einsatz und Leistung. Applaus gab es nach dem Schlusspfiff. Deutlich zu hören waren aber auch „Heskamp raus“-Rufe.

Ralf Heskamp steht beim MSV Duisburg vor dem Aus

Für den MSV geht es am kommenden Samstag mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Unterhaching weiter. Ob Vural dann noch auf der Bank sitzt, ist nicht völlig ausgeschlossen. Dass Ralf Heskamp dann in seiner Nähe einen Bankplatz findet, scheint dagegen mehr als fraglich. Er hatte im April 2022 die Nachfolge von Ivica Grlic angetreten. Sein Vertrag läuft bis zum Saisonende.