Kommentar

Spielabsage beim MSV: Der DFB muss jetzt Antworten finden

Zum Verzweifeln: Dem MSV Duisburg stehen in der Corona-Krise schwere Zeiten bevor.

Zum Verzweifeln: Dem MSV Duisburg stehen in der Corona-Krise schwere Zeiten bevor.

Foto: Firo

Duisburg.  Dem Antrag des Drittligisten wurde entsprochen. Die Partie gegen Halle findet mangels Spielern nicht statt. Doch Fragen bleiben. Ein Kommentar.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte sich viel Zeit für die Entscheidung genommen, ob das Heimspiel des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC am Sonntag stattfinden soll. Die Nachricht am Freitagmittag dürfte in Duisburg für Erleichterung sorgen: Der MSV muss nicht spielen.

Dass sich diese Frage überhaupt stellte, ist schon kurios. Gleich zehn Spieler sind nach den vier Coronafällen in Quarantäne. Dazu kommen noch einige Verletzte. Trainer Torsten Lieberknecht hätte allenfalls eine Mannschaft aufstellen können. Bilder von einer leeren Ersatzbank hätten dann für Furore gesorgt - und hätten dem Deutschen Fußball-Bund nicht gut zu Gesicht gestanden.

Sicher: Der Betrieb muss am Laufen gehalten werden. Der Spielplan ist aufgrund des verspäteten Saisonstarts ohnehin eng und verschobene Partien müssen auch irgendwann nachgeholt werden. Nach hinten heraus bleibt wenig Platz. Im Sommer steht die ebenfalls verlegte Fußball-Europameisterschaft an. Doch die Sturrheit kann bald ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Sportliche Ambitionen dürften heruntergeschraubt werden

Der MSV wird nicht als Abstiegskandidat gehandelt. Im Gegenteil: Die Meidericher wollten nach dem verpassten Aufstieg wieder oben mitspielen. Der Verein ist alles andere als auf Rosen gebettet, der Aufstieg wäre schon finanziell äußerst wünschenswert. Doch die sportlichen Ambitionen dürften nach diesem Saisonstart heruntergeschraubt werden. Immerhin: Die Spiele, die der MSV nicht austragen konnte, werden nachgeholt.

Die Situation des MSV weckt Erinnerungen an einen Fall, der noch nicht lange zurückliegt. Dynamo Dresden wurde als Corona-Absteiger betitelt, weil der Zweitligist nach zweiwöchiger Quarantäne ein Mammutprogramm abspulen musste. Dresden wackelte schon vorher, doch die Zwangspause sorgte dafür, dass Fragen nach einem fairen Wettbewerb laut wurden.

Weitere Mannschaften könnten in Quarantäne kommen

Diese Fragen hatte man sich vor der Absage des MSV-Spiels erneut gestellt. Vom Tisch sind sie durch die Entscheidung nicht. Angesichts des Infektionsgeschehens ist äußerst zweifelhaft, dass der MSV der letzte Klub bleiben wird, der in dieser Saison in diese Lage kommt. Wenn sich die Nachholpartien stapeln, muss am Ende sogar eine Mannschaft ohne Ersatzspieler antreten - genau das, was der MSV vermeiden wollte.

Der DFB muss deshalb handeln. Dass der Verband so lange mit der Entscheidung gewartet hat, zeigt auch, dass er im Moment keine Antworten hat, obwohl es den Fall Dresden schon gegeben hat. Auf Biegen und Brechen die Saison durchzuziehen, ist jedenfalls keine Option.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben