RWE-Reportage

Die RWE-Insolvenz rettete Detlev Jaritz das Leben

Als Detlev Jaritz (Mitte) im Dezember 2014 in die Altersteilzeit geschickt wurde, weinte sogar der Himmel an der Hafenstraße bittere Tränen.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Als Detlev Jaritz (Mitte) im Dezember 2014 in die Altersteilzeit geschickt wurde, weinte sogar der Himmel an der Hafenstraße bittere Tränen. Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen.   Der ehemalige RWE-Geschäftsstellenleiter Detlev Jaritz wollte Punkte für den Arbeitskampf sammeln, heraus kam eine lebensnotwendige Operation.

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„Seit wir zwei uns gefunden, oh RWE“ – diese Liedzeile scheint Detlev Jaritz auf den Leib geschrieben worden zu sein, sind untrennbar miteinander verbunden. Tradition hochhalten, sie zu pflegen, das Credo für den gebürtigen Vogelheimer. Umso erstaunlicher, dass er im Jahre 1999 nicht unmaßgeblich daran beteiligt war, den Kult-Song mit Siw Malmquist neu aufnehmen zu lassen, ihm ein moderneres Klangbild zu verpassen und das ursprüngliche „Adiole“ in „Oh RWE“ umzuändern.

Zu diesem Zeitpunkt leitete Detlev Jaritz bereits fünf Jahre die Geschicke auf der Geschäftsstelle an der Hafenstraße 97A. „Es war nicht nur ein Job, um Geld zu verdienen. Ich wollte RWE helfen, wo ich nur konnte“, blickt er ein wenig melancholisch auf seine berufliche Laufbahn zurück. Rot-Weiss Essen war in den Jahren seiner Kindheit (Jahrgang 1953) immer ein Thema. Ein Nachbar nahm ihn eines Tages mit ins Georg-Melches-Stadion. Von daher hat der Begriff „Nachbarschaftshilfe“ für ihn eine besondere Bedeutung. Die große Liebe entfachte allerdings erst beim Regionalliga-West-Meisterschaftsspiel im Oktober 1972 gegen den 1.FC Mülheim-Styrum. Mit 10:1 fegten die Essener den Konkurrenten aus der Nachbarstadt förmlich vom Platz. „Es herrschte eine bombastische Stimmung im Stadion.“

Vom Ticketmanager bis Sicherheitsbeauftragten

Nach diesem Kantersieg war es um ihn endgültig geschehen. Sein Leben drehte sich von nun an um diesen Club. 1977 wurde er Mitglied bei den „Roten Teufel“, aus dem zwei Jahre später die bekannten Fan-Clubs „Crazy Boys“ sowie der „1.SC Fan-Club Rot-Weiss Essen e.V.“ (mit Detlev Jaritz als Vorsitzendem) hervorgingen. 1994 gab er den Vorsitz an den „Schreck vom Niederrhein“, Lothar Dohr, weiter.

„Das Arbeitsaufkommen auf der Geschäftsstelle war einfach zu groß“, begründet er diesen Schritt. Befragt, um welche Aufgaben er sich kümmern musste, hält er kurz inne, überlegt, um dann ungläubig loszulegen, als ob ihm in diesem Moment erst klar wird, wie viele Posten und Tätigkeiten er im Laufe der Jahre ausgeübt hat: Geschäftsstellenleiter, Ticketmanager bis 2003, Merchandising, Sicherheitsbeauftragter, Stadionverbotsbeauftragter, Ehrenratsmitglied, zweiter Stadionsprecher, Mitglied im AWO-Fan-Beirat, … die Liste ließe sich beliebig weiterführen.

Merchandising waren ein Paar Schals und Käppies

„Merchandising“, wirft er lächelnd ein, „das bedeutete damals ein paar Fan-Schals, ein paar Tassen und wenige Käppis, übersichtlich lagernd hinter einem umklappbaren Durchgang“. Erst nach und nach wurde das Sortiment erweitert. Stephanie Jockschies, jetzige (erfolgreiche) Leiterin Merchandising bei RWE: „Detlev war mein Lehrmeister, keine Frage“.

Mit Anekdoten kann Detlev Jaritz reichlich dienen. „Als das Ticketing in den Kinderschuhen steckte, musste ich mir anfangs noch innerhalb der Woche Computer von der SG Wattenscheid ausleihen und pünktlich zum Wochenende wieder dort abliefern“. Datenträger to go, würde man heute sagen. Trotz der intensiven Beziehung zu Rot-Weiss Essen, seine mittlerweile 37 glücklichen Ehejahre bedeuten ihm noch einen Tick mehr. „Als Rentner habe ich endlich auch mehr Zeit für meine Enkelin Lina“, die wie Tochter Nina natürlich RWE-Mitglied ist.

In all den Jahren an der Hafenstraße lernte er eine Menge netter Menschen kennen, von denen er besonders das Ehepaar Zimmert hervorhebt. Auch der leider verstorbene ehemalige Präsident von RWE, Paul Nikelski, besitzt einen besonderen Stellenwert. Ihm gab er seinerzeit das Versprechen, das Erbe von Georg Melches zu bewahren. Von daher ist sein Engagement in der von Jörg Lawrence gegründeten Initiative gleichen Namens ein Muss, eine Selbstverständlichkeit.

Ob sein Wunsch, eine Straße mit dem Namen des Vereinsgründers in Erfüllung gehen wird? Demütig und dankbar blickt der Abba-Fan an die Zeit der Insolvenz zurück. „Die Insolvenz rettete nicht nur RWE das Leben, sondern auch meines.“ Den drohenden Arbeitsplatzverlust vor Augen, suchte er einen Arzt auf. Es wurde eine schwere Herzerkrankung diagnostiziert, die eine Fünf-fach Bypass-OP nach sich zog. Eine harte Zeit, aber der Kampf hat sich gelohnt. Noch heute ist er vor Dankbarkeit den Tränen nahe, vor allen Dingen, wenn er an die Worte denkt, die auf einem extra für ihn angefertigten Banner standen und im Georg-Melches-Stadion hochgehalten wurden: „Rot-Weisse Kämpfer geben niemals auf – Alles Gute Detlev Jaritz“.

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