Regionalliga

Rot-Weiss Essen: Remis gegen Haltern sorgt für Ratlosigkeit

RWE-Keeper Jakob Golz ist entsetzt. Schiedsrichter Timo Gansloweit hat gerade einen Elfmeter gepfiffen.

RWE-Keeper Jakob Golz ist entsetzt. Schiedsrichter Timo Gansloweit hat gerade einen Elfmeter gepfiffen.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Der Essener Aufstiegsaspirant lässt gegen Kellerkind TuS Haltern zwei Punkte liegen. Schwache Leistung der Rot-Weissen hinterlässt Ratlosigkeit.

Wer war an diesem Abend Sieger und wer Verlierer? An den Gesichtern konnte es jeder ablesen. Dabei war das Duell im Wattenscheider Lohrheidestadion zwischen TuS Haltern und Rot-Weiss Essen 1:1 (1:0) ausgegangen. Aber die Bewertung dieses Zählers, den sich beide Parteien gutschreiben dürfen, fällt naturgemäß sehr unterschiedlich aus. Der Abstiegskandidat ist unterm Strich zufrieden, weil er mit diesem Teilerfolg nicht rechnen konnte, der Aufstiegsanwärter wiederum ist tief enttäuscht, weil man als Favorit insgeheim schon einen Sieg einkalkuliert hatte.

Als Halterns Trainer Magnus Niemöller den Presseraum betrat, gab’s Applaus. Der Aufsteiger war durchaus stolz, den prominenten Widersacher an den Rand einer Niederlage gebracht zu haben. Und RWE zutiefst frustriert, dass man sich durch eine indiskutable Leistung an den Rand einer Niederlage drängen ließ. „Wir haben heute nicht gut gespielt”, fasste RWE-Trainer Christian Titz das in Worte, was die 3500 Zuschauer ohnehin gesehen hatten.

Über das 0:2 hätte sich RWE nicht zu beschweren dürfen

Fakten: „Wir haben uns im Defensivverhalten Böcke erlaubt.” „Wir haben uns auskontern lassen und viele einfache Bälle dem Gegner in den Fuß gespielt.” „Wir haben teilweise im Umschaltverhalten nicht die Bereitschaft gehabt, nachzugehen.” „Wenn wir das 2:0 bekommen, hätten wir uns nicht beschweren dürfen.” Auszüge aus dem Armutszeugnis. Das Kapitän Marco Kehl-Gomez ergänzte: „Ein Unentschieden ist brutal enttäuschend für uns. Darüber müssen wir reden und das Ganze analysieren. So geht das nicht.”

TuS Haltern hätte sich ebenfalls ärgern müssen, dass man die Ernte nicht komplett eingefahren hatte, was auch verdient gewesen wäre. Aber als Nobody der Liga ist man da eher bescheiden. Die Halterner blieben also entspannt, selbst als sie sich auf Video die Szene, die zum Strafstoß führte, noch einmal ansahen. Jonas Hildebrandt war Emre Yesilov von seitlich hinten in die Parade gerauscht, klärte den Ball und fällte gleichzeitig seinen Gegenspieler.

Elfmeter-Entscheidung nach gut drei Minuten zurückgenommen

„War wohl keiner“, musste die Halterner Fraktion zugeben. Aber für Diskussion sorgte diese Aktion allemal. Es war schon eine skurrile Szene. Schiedsrichter Timo Gansloweit (Dortmund) zeigte auf den Punkt, Schütze Julian Büscher legte sich den Ball zurecht und wartete auf die Chance zum möglichen 2:0. Gansloweit aber redete mit seinem Assistenten und revidierte schließlich seine Entscheidung.

“Es hat den ersten Videobeweis der Regionalliga West gegeben”, sagte anschließend TuS-Trainer Magnus Niemöller. “Wenn man drei Minuten braucht, alles ist bereit, der Schütze steht bereit und dann fällt irgendwann dem Herrn Assistenten ein, es war doch keiner”, führte Niemöller die kuriose Szene aus. “Wenn es keiner war, ist das in Ordnung, aber wir sind uns doch wohl alle einig, dass man diese Spielsituation komplett anders lösen kann. Wenn es keiner war, zeige ich es an und hebe die Fahne und erspare mir auch Ärger auf beiden Seiten.” Der Applaus war Niemöller erneut sicher.

„Ganz Haltern kann heute stolz sein“

„Ich bin stolz auf die Jungs, ganz Haltern kann heute stolz sein“, sagte Niemöller auch noch. „Wir haben an der Leistungsgrenze gespielt, das war auch notwendig.” Leistungsgrenze? So mancher RWE-Fan wird sich gefragt haben, was da abgeht auf dem Rasen. Die Vorstellung der Essener gehörte sicher zu den schwächsten in dieser Saison. Von der Qualität des Kaders war nichts zu erkennen. Wo war sie die Souveränität eines Spitzenteams? Am Ende des Tages bleibt Ratlosigkeit.

Es war an Trainer Niemöller, den moralischen Sieger, noch ein wenig Optimismus zu schüren. „Ich hoffe, dass dieser Punkt euch und uns weiterbringt. Wir sehen uns am 16. Mai zum Saisonfinale bei euch und ich hoffe, dass nach Abpfiff beide Mannschaften was Großartiges zu feiern haben.” Nimmt man das Spiel als Maßstab, könnte es auf sein Team durchaus zutreffen.

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