Vor 20 Jahren

Als RWO im Pokal-Halbfinale gegen Bayern spielte

Das erfolgreiche RWO-Team 98/99 nach dem Sieg gegen den HSV im Elfmeterschießen.

Das erfolgreiche RWO-Team 98/99 nach dem Sieg gegen den HSV im Elfmeterschießen.

Oberhausen.   In der Saison 98/999 legten die Rot-Weißen eine prima Pokalrunde hin. HSV und Gladbach wurden ausgeschaltet, dann ging es gegen die Bayern.

An Niederlagen denkt kein Fußball-Fan gerne zurück, egal wie sie letztlich zu Stande kommen. Doch wenn es gegen den großen FC Bayern München geht, stehen die Chancen für einen Sieg, in der Regel sowieso nicht allzugut. Besonders nicht für einen klassentieferen Verein wie Rot-Weiß Oberhausen. Aktuell sind es zwar drei Ligen, die die zwei Clubs trennen. Doch 1999 war es ein Duell zwischen Bundesligist und Zweitligist, das am 9. März im DFB-Pokal-Halbfinale im Gelsenkirchener Parkstadion vor 47.300 Zuschauern angepfiffen wurde.

„Bayern ist mein Lieblingsgegner. Die Chancen stehen 50:50“, hatte Trainer Aleksandar Ristić, der RWO im Oktober 1998 von Aufstiegstrainer Gerd vom Bruch übernahm und zum Klassenerhalt führte, das Hammerlos kommentiert. Sicherlich nicht ohne ein Augenzwinkern, stand das Starensemble aus München rund zweieinhalb Monate später doch im Champions-League-Finale, das auf dramatische Weise 1:2 gegen Manchester United verloren ging.

Doch der Respekt des Rekordmeisters mit Coach Ottmar Hitzfeld war sicherlich, wie es sich für ein Pokalspiel mit seinen eigenen Gesetzen gehört, durchaus groß.

RWO gleich zweimal als Favoritenschreck

Denn in jener Pokalsaison hatten die Kleeblätter schon anderen Favoriten ein Beinchen gestellt. Los ging es allerdings in Runde eins gegen Werder Bremens Amateure. Eine Partie, die aus sportlicher Sicht schnell erzählt ist: Stürmer Achim Weber sorgte mit seinem Treffer für den ungefährdeten 1:0-Erfolg. Spannend wurde es erst nach dem Abpfiff: Manager Manfred Rummel hatte Verteidiger Peter Quallo nicht auf dem offiziellen Spielberichtsbogen vermerkt. Zwar kam dieser erst in der 87. Minute zum Einsatz, doch laut DFB-Statuten drohte nun der nachträgliche Ausschluss. Doch zum Glück für RWO verzichteten die Bremer auf einen Einspruch.

Nachdem in der zweiten Runde bei den Sportfreunden Eisbachtal mit 4:1 gewonnen wurde, stand im Stadion Niederrhein gegen den Hamburger SV das erste Pokal-Achtelfinale seit 20 Jahren an.

Und es sollte ein unvergesslicher Abend für die rund 7000 Zuschauer bei ungemütlichem Dauerregen werden. Die 1:0-Führung für den HSV drehte RWO durch zweimal Achim Weber und Carsten Pröpper zum zwischenzeitlichen 3:1. Doch der HSV rettete sich in die Verlängerung, wo kein weiterer Treffer fiel. Im Elfmeterschießen sorgte dann Libero Daniel Romeo Ciuca gegen Hans Jörg Butt für den 7:6-Erfolg. Der Rest war ein einziger Jubelsturm.

Weniger dramatisch, dafür aber ebenfalls erfolgreich verlief das Viertelfinale gegen Borussia Mönchengladbach. Dank der Tore von Lars Toborg und Achim Weber, der mit seinem sechsten Treffer der erfolgreichste Schütze des gesamten Wettbewerbs wurde, löste RWO das Ticket für das Halbfinale. Dort standen mit Werder Bremen, dem VfL Wolfsburg und eben den Bayern drei Bundesligisten zur Auswahl.

Letztlich wurden es die Münchener, die RWO im Gelsenkirchener Parkstadion empfingen. Aus wirtschaftlichen Gründen hatten sich die Verantwortlichen gegen das Stadion Niederrhein entschieden.

Stau und Verspätung rund ums Parkstadion

Viele der 48.300 Zuschauer kamen allerdings mit reichlich Verspätung zum ungewohnten Heimspiel, als eine Straßenbahn auf dem Weg zum Stadion wegen eines Oberleitungsschadens ausfiel und damit auch alle weiteren Bahnen behinderte. Hinzu kam ein dicker Stau auf der A2, weshalb viele Fans erst 30 Minuten nach Anpfiff ankamen.

Da stand es bereits durch Carsten Jancker 1:0 für den Rekordmeister (25.). Zuvor hatte Jürgen Luginger die beste Chance für RWO per Flachschuss an der 16-Meter-Marke nicht nutzen können. Kurz vor der Pause war es dann Stefan Effenberg, der das 2:0 markierte. Doch trotz des Rückstands gaben sich die Kleeblätter nicht auf: Lars Toborg ließ gleich zweimal den möglichen Anschlusstreffer liegen. Die dickste Gelegenheit hatte er, als er halbrechts allein auf Oliver Kahn zulief, den Ball aber hauchzart am langen Eck vorbei setzte. „Das hätte nochmal spannend werden können“, wusste auch ZDF-Kommentator Rolf Töpperwien.

Für die Entscheidung sorgte schließlich Thomas Linke, nachdem Christoph Müller im RWO-Gehäuse den Ball unbedrängt fallen ließ (79.). Den verdienten Ehrentreffer markierte Daniel Scheinhardt fünf Minuten vor dem Ende per Strafstoß. Für die Bayern-Fans, deren Team übrigens das Finale gegen Werder Bremen mit 4:5 nach Elfmeterschießen verlor, war das Weiterkommen wohl einer von vielen Siegen, der nicht groß in Erinnerung geblieben ist.

Für die RWO-Anhänger dagegen war es eine Niederlage, die wie nur wenige vor ihr oder nach ihr in die Vereinsgeschichte einging.

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