Regionalliga

RWE gegen RWO: Ex-Kleeblatt Julian Lüttmann tippt das Derby

Die Spuren des Erfolgs: Julian Lüttmann (vorne) mit seinem Kollegen Markus Kaya und Dimi Pappas nach dem 1:0-Derbysieg.

Die Spuren des Erfolgs: Julian Lüttmann (vorne) mit seinem Kollegen Markus Kaya und Dimi Pappas nach dem 1:0-Derbysieg.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.  In der Aufstiegssaison 2007/08 schaffte RWO den Doppel-Derbysieg gegen RWE. Stürmer Julian Lüttmann hatte daran großen Anteil und erinnert sich.

2. Dezember 2007, RWO hat RWE zu Gast: Im nicht enden wollenden Dauerregen läuft die 54. Spielminute, als Markus Kaya den wieselflinken Marcel Landers mit einem Steilpass auf die Reise schickt. Der flankt und der Ball senkt sich über den Essener Torhüter Daniel Masuch an den Pfosten – und von dort aus vor die Füße des einschussbereiten Julian Lüttmann. Der setzt im Anschluss zum Jubeln an, bleibt aber im nassen Rasen hängen und landet mit dem Gesicht im Schlamm. Nicht nur mit Blick auf das anstehende Derby am Sonntag ein Moment, der sich bei vielen RWO-Fans ins Gedächtnis gebrannt hat.

Dabei war jener Treffer nicht das erste Mal, dass Julian Lüttmann gegen RWE seinen Torriecher unter Beweis stellte. Bereits im Hinspiel an der Hafenstraße war der heute 37-Jährige mit einem Tor und zwei Vorlagen maßgeblich am 4:1-Erfolg beteiligt. Der erste Doppel-Derbysieg seit 1934 war ein Meilenstein in jener Saison, die RWO mit dem überraschenden Aufstieg in die 2. Bundesliga krönte. Vor der neuerlichen Auflage jenes Duells sprach die Sportredaktion mit „Lütti“ über die besondere Bedeutung des Derbys und die Chancen von RWO im Aufstiegsrennen.

Julian Lüttmann, es wird aktuell viel über das Derby zwischen RWE und RWO diskutiert. In jener Aufstiegssaison 2007/08 haben Sie zwei Siege miterlebt. Sind solche Duelle wirklich das Salz in der Suppe oder wird da oft zu viel hineininterpretiert?

Nein, wenn Oberhausen auf Essen trifft, ist es nie ein normales Spiel. Und als Spieler war uns die Bedeutung dieses Derbys, besonders für die Fans, jederzeit bewusst. Das sind die Momente, wo man nochmal über die 100 Prozent geht. Genau das hat uns als Truppe damals auch ausgezeichnet, dass wir genau in diesen Spielen, wo es um die Wurst ging, präsent waren und gezeigt haben, dass wir mit dem Druck umgehen können.

Ihr erstes Pflichtspiel für RWO als Spieler fand gleich an der Hafenstraße statt. RWO gewann 4:1 und holte auch im Rückspiel die drei Punkte durch ihren Siegtreffer.

Das waren zwei fantastische Spiele, die ein stückweit die ganze Saison mitgeprägt haben und auf die ich bis heute oft angesprochen werde. Der Doppelderbysieg war für uns als Team wichtig. Wir sind damals als Aufsteiger gestartet und mussten gleich nach Essen bei einem Zweitligaabsteiger antreten. RWE hatte natürlich eine ganz andere Vorstellung von der Saison als wir, geschweige denn, was den Etat angeht. Unser Ziel war es, sich für die eingleisige 3. Liga zu qualifizieren. Von der 2. Liga hat keiner geträumt. Aber gerade in diesem ersten Spiel hat man gespürt, was möglich sein kann. Wir haben uns in einen kleinen Rausch gespielt und daraus viel Mut geschöpft.

Obwohl Ihr Team nach dem 4:1 ergebnismäßig erst einmal ins Stocken geriet.

Stimmt. Im Anschluss haben wir aus den nächsten sechs Spielen nur zwei Punkte geholt. Es klingt zwar wie eine dumme Floskel, aber man fängt jede Woche von vorne an. Jede Partie ist anders. Und wenn dann der Einsatz nicht so da ist wie im Derby, verliert man eben. Das war schon ernüchternd. Aber wir hatten zum Glück jemanden wie Hans-Günter Bruns (damaliger RWO-Trainer/Anm. d. Red.), der die Ruhe bewahrte und klare Ansprachen hielt. So haben wir wieder in die Spur gefunden. Als Team.

RWO hat zuletzt mit dem 2:1 gegen den SV Bergisch Gladbach den neunten Heimsieg in Folge geholt. RWE dagegen hat bereits vier Heimpleiten auf dem Konto. Eine reine Kopfsache?

Die RWO-Spieler kennen zu Hause jeden Quadratzentimeter, jede Wurzel auf dem Platz. Aktuell scheint das zu beflügeln. Genauso kann das aber auch in die andere Richtung gehen. Das hat schon eine gewisse Aussagekraft und setzt sich im Kopf fest. Das werden auch die Oberhausener wissen, wenn sie nach Essen fahren. Je länger es dort nicht für RWE läuft, desto schneller kann die Stimmung kippen. Und natürlich kann das belastend für RWE sein. Gerade weil Essen eine große Fanbasis hat, die danach lechzt, wieder in den bezahlten Fußball zurück zukommen.

Das ist aber kein Essener Problem allein, wenn man sich andere Traditionsteams wie Eintracht Braunschweig oder den 1. FC Kaiserslautern anschaut. Wenn die Fans pfeifen, wenn es nicht läuft, dann ist das nicht förderlich für eine Mannschaft und du wirst ein stückweit unsicher.

Wie wichtig ist die Partie am Sonntag mit Blick auf den weiteren Saisonverlauf?

Wenn Essen verliert, ist es so gut wie gelaufen. Und da muss RWO den Hebel ansetzen. Das 0:3 im Hinspiel steckt sicherlich auch noch in den Köpfen der Oberhausener Spieler, aber positiv. Die wollen das Ergebnis jetzt umdrehen. Die Qualität dafür haben die Jungs.

RWO steckt seit mittlerweile neun Jahren in der Regionalliga West fest.

Es ist schwierig, aus dieser gut besetzten Liga rauszukommen. Besonders in dieser Saison ist die Konkurrenz unheimlich stark und konstant in ihren Leistungen. Am Ende des Tages wird es darauf ankommen, die direkten Duelle zu gewinnen und so wenig Punkte gegen die Kleineren liegen zulassen.

Man kann die Arbeit, die in Oberhausen geleistet wird, aber nicht hoch genug bewerten. Seitens des kompletten Trainerteams mit Ex-Spielern wie Mike Terranova, Dimi Pappas, Benjamin Schüßler und Benjamin Weigelt, die das rot-weiße Blut in sich haben, wird ein großartiger Job gemacht.

Was erwarten sie für ein Spiel?

Ich erwarte schon ein enges Spiel und kein großes Torfestival. Es steht für beide Mannschaften extrem viel auf dem Spiel. Der größere Druck liegt ohne Frage bei Essen. Aber auch RWO muss solche Duelle gewinnen, was ich Mike und seiner Truppe aber absolut zutraue.

Ihr Tipp?

0:1. Das reicht.

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