Schalke

Fichtel ist Schalker – für Werder-Mitleid ist kein Platz

Er spielte für Schalke und Werder Bremen, doch sein Herz schlägt für Königsblau: Klaus Fichtel.

Er spielte für Schalke und Werder Bremen, doch sein Herz schlägt für Königsblau: Klaus Fichtel.

Foto: David Mache / WAZ

Gelsenkirchen.  Klaus Fichtel bestritt als Profi 552 Bundesliga-Partien für Schalke 04 (477) und Werder Bremen (75). Aktuell sorgt sich „Tanne“ um beide Klubs.

Eines ist für Klaus Fichtel klar: „Wenn Schalke gegen Bremen nicht gewinnt, dann ist der Zug nach Europa endgültig abgefahren.“ Für Mitleid mit den abstiegsbedrohten Werderanern bleibt da kein Platz: „Mein Herz schlägt eindeutig für Königsblau“, stellt der 75-Jährige klar.

Doch allzu optimistisch gibt sich Fichtel nicht: „Die Mannschaft hat zuletzt kaum Tore erzielt, so ist es natürlich schwierig, drei Punkte zu holen. Schalke hat arge Probleme – besonders, wenn man selbst das Spiel machen muss. Andererseits agiert Werder meist etwas offensiver als andere Teams aus der unteren Tabellenhälfte, genau das könnte Schalkes Chance sein. Mit einem 1:0 wäre ich hochzufrieden.“

Eigentlich wollte Fichtel gar nicht weg aus Schalke

Natürlich ist die Partie an diesem Samstag (15.30 Uhr/ Sky) zwischen S04 und Werder kein Spiel wie jedes andere für Fichtel, der in 23 Profi-Jahren ausschließlich für diese beiden Klubs auflief. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er sich auch den Transfer zum damaligen Absteiger Bremen im Sommer 1980 erspart: „Doch auf Schalke war Fahrudin Jusufi Cheftrainer geworden, er wollte die Mannschaft wohl verjüngen.“ Und der bereits 35-jährige Fichtel bekam keinen neuen Vertrag mehr. „So verließ ich, als äußerst heimatverbundener Mensch, schweren Herzens das Ruhrgebiet. Ich hätte schon zehn Jahre eher wechseln können, als Gladbach und Bayern interessiert waren. Aber ich wollte nicht weg, zumal 1970 auf Schalke eine hochtalentierte Truppe heranwuchs.“

Rudi Assauer holte „Tanne“ als Co-Trainer zurück

In der Saison 1980/81 hingegen war S04 auf dem absteigenden Ast: Jusufi blieb nicht mal bis Saisonende im Amt, und die Knappen stiegen ab. Fichtels Bremer traten derweil den umgekehrten Weg an und kehrten zurück in Liga 1. „Letztlich hatte ich vier schöne Jahre bei Werder“, sagt „Tanne“ rückblickend. 1984 war dann endgültig Schluss für den inzwischen 39-Jährigen – dachten alle … „Rudi Assauer bot mir an, dass ich als Co-Trainer nach Schalke zurückkommen kann. Der Verein war gerade zum zweiten Mal wieder aufgestiegen, und Trainer Didi Ferner, mit dem ich bis heute privat in Kontakt bin, hieß mich willkommen.“ Im Laufe der Hinrunde aber schlug das Verletzungspech zu, und Ferner hatte plötzlich andere Pläne mit Fichtel: „Ich war noch topfit, machte alle Laufeinheiten mit. Eines Tages fragte er, ob ich nochmal aushelfen könnte.“ Letztlich kickte Fichtel noch vier Jahre in Königsblau, absolvierte 40 weitere Bundesliga-Partien und trat erst mit 43 ab – nach Schalkes drittem Abstieg (1988).

Das fehlt Schalke – und so bedrohlich ist Werders Lage

Klaus Fichtel hat in seiner langen Karriere so viel erlebt, dass er die aktuelle Formkrise der Knappen (zehn Spiele ohne Sieg, 3:24 Tore) sachlich einordnen kann: „Nach einem überraschend starken Saisonstart nahm das Verletzungspech ziemlich Überhand, weshalb die Ergebnisse ausblieben. Zuletzt kam das Selbstvertrauen komplett abhanden, das schlug sich in den jüngsten Partien deutlich nieder“, urteilt der Fußballrentner, der die jüngsten S04-Pleiten vor dem Fernseher im heimischen Waltrop verfolgte. Für die Zukunft will Fichtel dennoch nicht schwarzmalen: „Im Kader fehlen vielleicht ein, zwei spielstarke Mittelfeldspieler, die den Angriff mit guten Pässen aus der Tiefe versorgen. Da könnte man ansetzen.“

Wesentlich bedrohlicher sieht Fichtel die Lage bei Werder: „Vielleicht muss man sich dort mit dem Gedanken anvertrauen, dass man absteigen könnte.“ Die Probleme in Grün-Weiß ähneln durchaus denen auf Schalke, findet der gelernte Bergmann. „Bremen war vergangene Saison nah an Europa, und genau dort wollte man auch diese Saison hin. Doch dann kam das Verletzungspech, und zwar in einem Umfang, wie es der Kader nicht kompensieren kann. Das Resultat ist Abstiegskampf, auch wenn die Bremer Auftritte zuletzt besser wurden. Beim 0:0 gegen Gladbach hätten sie den Sieg verdient gehabt.“

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