Schalke 04

Rot für Schalke-Trainer: Jochen Schneider fordert Freispruch für Wagner

Schalke-Trainer David Wagner versucht Jordan Torunarigha aufzuhelfen - und sieht danach Rot.

Schalke-Trainer David Wagner versucht Jordan Torunarigha aufzuhelfen - und sieht danach Rot.

Foto: imago images/Jan Huebner

Gelsenkirchen  S04-Sportvorstand Schneider zeigt kein Verständnis für die Rot-Entscheidung des Schiedsrichters im Pokal und äußert sich zum Rassismus-Vorfall.

Schalke kämpft sich in die Verlängerung und steht nach einem 3:2 gegen Hertha BSC im Viertelfinale des DFB-Pokals.

Jochen Schneider: "In der zweiten Halbzeit waren wir auf jeden Fall besser im Spiel als in der ersten. Man braucht dann halt diese eine Aktion, die das Spiel kippen lässt. Das Stadion kommt zurück. Die Mannschaft glaubt daran. Die Berliner verlieren ein bisschen die Selbstsicherheit, die sie vorher hatten. Am Ende war es eine Willensleistung von uns."

Wer war der Schlüsselspieler für diese Leistung?

Schneider: "Natürlich hat Daniel Caligiuri mit seinem Tor zum 1:2 großen Anteil. Ohne sein Tor kommen wir nicht zurück und es geht hier vielleicht 0:3 aus. Aber viele Spieler haben sich in der zweiten Halbzeit gut eingebracht. Es ist immer schwierig, einen herauszuheben. Aber es ist bitter für Daniel, dass er sich verletzt hat. Am Mittwoch wird ein MRT gemacht und dann sehen wir weiter."

Wie albern fanden sie die Rote Karte für Trainer David Wagner?

Schneider: "Überaus. Man kann sich das noch einmal angucken: Wenn man es in der achten Zeitlupe von irgendeinem Winkel anschaut, sieht es vielleicht komisch aus wie die Hand da oben ist. Aber wenn man David Wagner kennt und das noch einmal in Originalgeschwindigkeit betrachtet, sieht man, dass er ihn eigentlich beruhigen wollte. Albern, ganz ehrlich. Ich weiß, wir haben ein Schreiben vom DFB bekommen, dass wir uns zurückhalten sollen wegen der Videoschiedsrichter. Ich bin ein Befürworter des Videobeweises, doch in diesem Fall hat man das Ganze nicht gut ausgelegt."

Auch Torunarigha sieht in dieser Szene Gelb-Rot.

Schneider: "Ganz ehrlich: Man muss den Spieler in der Situation außen vor lassen. Die krachen da zusammen. Und es war unnötig, dem Spieler da noch eine Gelbe Karte zu geben. Egal, ob es die erste oder zweite gewesen wäre. Wir sind in der Verlängerung. Es ist ein hitziges Spiel. Die sollen sich die Hand geben - das hätten sie auch gemacht. Und dann geht es elf gegen elf weiter."

Seit der Rückrunde fahren die Schiedsrichter eine härtere Linie.

Schneider: "Ich finde auch, dass in den letzten Jahren in der Bundesliga zu viel passiert ist in Sachen Abwinken und so. Den Schiedsrichtern muss mehr Respekt entgegengebracht werden - wie es in anderen Sportarten üblich ist. Die Brücke, dass dieses Verhalten ursächlich sein soll für Ausschreitungen im Amateurbereich, finde ich jedoch mehr als konstruiert. Den Schiedsrichtern muss man mehr Respekt entgegenzubringen - das sieht jedes kleine Kind. Und da haben wir wirklich eine Vorbildfunktion. Den jetzigen Versuch, im Fußball einen anderen Maßstab anzuwenden, finde ich okay."

Welche Konsequenzen fürchten sie nun für David Wagner? Rechnen sie mit einer Sperre?

Schneider: "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, welche Konsequenzen das jetzt für den Trainer bedeuten. Aber ich gehe davon aus, dass er freigesprochen wird. Alles andere wäre nicht nachvollziehbar."

Der Spieler Torunarigha hat in dieser Szene vielleicht so heftig reagiert, weil es eine Vorgeschichte gab. Er erhebt schwere Vorwürfe: Es soll rassistische Äußerungen von der Tribüne gegeben haben.

Schneider: "Ich habe mit Michael Preetz darüber gesprochen, er hat mich informiert. Da kann ich mich im Namen von Schalke 04 nur bei dem Jungen entschuldigen. Da gibt es null Toleranz. Das ist nicht akzeptabel. Da fehlt mir jegliches Verständnis für Vollidioten dieser Art."

Haben sie etwas mitbekommen davon?

Schneider: "Ich war nicht dabei, habe es nicht gehört. Ich gehe aber nicht davon aus, dass der Spieler das erfunden hat. Da bin ich bei dem Spieler. Warum soll er das in die Welt setzen, wenn da überhaupt nichts dran ist? Wir können jetzt nur alles dafür tun, dass wir diejenigen identifizieren, die dafür verantwortlich sind und mit Konsequenzen belegen."

Solche Meldungen passen gar nicht zu Schalke, wo so viele Kulturen unterwegs sind...

Schneider: "Das passt gar nicht hierher. Ich habe auch noch nie gehört, das es vorher so etwas hier im Stadion geben haben soll."

Überschattet dieses Ereignis dieses Pokalspiel?

Schneider: "Ich finde ja."

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