Schalke-Interview

Schalke 04: Profis signalisieren den Willen zum Gehaltsverzicht

Sie führen Schalke gemeinsam durch die schweren Zeiten der Corona-Krise: Die Vorstände Alexander Jobst (links), Peter Peters (Mitte) und Jochen Schneider (rechts).

Sie führen Schalke gemeinsam durch die schweren Zeiten der Corona-Krise: Die Vorstände Alexander Jobst (links), Peter Peters (Mitte) und Jochen Schneider (rechts).

Foto: firo Sportphoto/Fabian Simons / firo Sportphoto

Gelsenkirchen.  Schalke plant ein Maßnahmen-Paket: Spieler, Trainer und Vorstand scheinen zum Verzicht bereit. Dennoch droht auch Kurzarbeit. Ein Interview.

Schalke 04 beschäftigt sich intensiv mit Einsparmaßnahmen im Zuge der Corona-Krise. „In der Frage der Gehälter kam schon vor einigen Tagen das erste Signal von unserer Profimannschaft“, erklärt Vorstand Alexander Jobst (46) im WAZ-Interview. Jobst kündigt ein Maßnahmen-Paket an, bei dem auch das Trainerteam und der Vorstand ihren Beitrag leisten werden. Bei den 650 Mitarbeitern will Schalke alles tun, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Allerdings: „Es ist eine konkrete Überlegung, Kurzarbeit zu beantragen.“

Die Spieler von Borussia Mönchengladbach haben einen Gehaltsverzicht angekündigt, Leon Goretzka und Joshua Kimmich haben die Spendenaktion WeKickCorona ins Leben gerufen – von Schalke und allen anderen Vereinen hat man zu diesen Themen bislang wenig gehört. Wie stehen Sie dazu?

Alexander Jobst In dieser sehr schwierigen Lage für Schalke 04 beschäftigen wir uns mit allen relevanten wirtschaftlichen Fragestellungen. Dazu gehören sowohl kurzfristige Einsparungen als auch Themen, die wir zeitlich verlagern können. Aktualität und Sichtweite – im Sinne der Liquiditätssicherung für die Zukunft muss unser Augenmerk auf diesen Merkmalen liegen. Bei derart existenziellen Fragestellungen lassen wir uns nicht öffentlich treiben, sondern handeln geschlossen im Vorstand mit Augenmaß.

Konkret gefragt: Spricht Schalke mit den Spielern auch über einen teilweisen Gehaltsverzicht?

Wichtig ist zunächst, sämtliche Themen strukturiert zu analysieren, um anschließend Gespräche zu führen und ganzheitliche Maßnahmen zu treffen. Ich halte überhaupt nichts davon, aufgrund von öffentlichem Interesse vorschnell Einzelmaßnahmen zu platzieren. Natürlich arbeiten wir mit ganzer Kraft an den Themen, aber aufgrund der immensen Bedeutung nehmen wir uns folgerichtig auch die entsprechende Zeit, um Entscheidungen zu durchdenken und das optimale Ergebnis für Schalke zu erzielen. Schnellschüsse helfen niemandem!

Schalke: Impuls von Spielern und Trainern

Haben sich die Spieler schon intern dazu ausgetauscht?

Mannschaft und Trainerteam haben intern bereits einen starken Impuls gegeben, dass sie bereit sind, zu unterstützen. Gleiches gilt natürlich auch für meine beiden Vorstandskollegen und mich.

Beschränkt sich das allein auf die Profi-Mannschaft oder beteiligen sich auch andere im Verein daran?

Wir sprechen in unserem Verständnis stets von der Schalker Familie und der großen Solidarität untereinander, insbesondere in schwierigen Zeiten. Und wir handeln tatsächlich auch danach: In der Frage der Gehälter kam schon vor einigen Tagen das erste Signal von unserer Profimannschaft. Das zeigt genau dieses Selbstverständnis, auf das wir intern zählen. Da ein Haus aber von vielen Säulen – und Kräften – getragen wird, ist es vorstellbar, dass sich neben den Profis und uns Vorständen weitere Verantwortungsträger einbringen könnten.

Schalke hat rund 650 Mitarbeiter: Werden die Einsparungen im Profibetrieb genutzt, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter auf anderen Ebenen zu erhalten?

Unsere Mitarbeiter arbeiten mit Herz und Leidenschaft für den Verein. Wir werden alles tun, um sie zu schützen und ihren Arbeitsplatz zu erhalten. Klar ist aber auch: je früher Schalke wieder Bundesliga-Fußball spielt, desto einfacher wird es für uns sein, diese Aufgabe zu erfüllen.

Drohen hier Kündigungen oder Kurzarbeit?

Es ist eine konkrete Überlegung, Kurzarbeit zu beantragen. Wichtig ist uns dabei aber, dass unseren Mitarbeitern dann keine wirtschaftlichen Nachteile entstehen, auch das ist ein Ergebnis unserer ganzheitlichen Herangehensweise.

Sie haben vor einer Woche gesagt: Es geht auch um die Existenz von Schalke 04. Wie bedrohlich ist die Lage wirklich?

Ich bleibe dabei, dass diese Situation für Schalke 04, wie auch für die allermeisten anderen Proficlubs, eine existentielle Bedeutung hat. Wir müssen uns jetzt finanziell so aufstellen, dass wir möglichst lange durchhalten und entsprechend Liquidität gewährleisten. Das wird uns als Verein gelingen, wenn wir möglichst bald wieder Fußballspiele austragen können, wenn auch bis auf weiteres ohne Zuschauer.

Jochen Schneider hat von einem Einstellungs- und Investitionsstopp gesprochen, Transfergespräche seien auf Eis gelegt.

Das ist die einzig wirtschaftlich sinnvolle Herangehensweise.

Werden die Bauarbeiten auf dem Berger Feld unterbrochen?

Auch hier gehen wir sehr sorgfältig vor und müssen viele Fragen in der Analyse beantworten: Wo stellen wir ein „STOP“-Schild auf, wo reicht ein „VORFAHRT ACHTEN“? In anderen Worten: Nicht jeder sofortige Stopp bei diesem so wichtigen Projekt für die Zukunft führt direkt zu Einsparungen, im Gegenteil: Manchmal ist ein Stopp sogar teurer.

Schalke ist der Kumpel- und Malocherclub. Fans übernehmen Einkäufe für Hilfsbedürftige in der Stadt. Wie erleben Sie die interne Solidarität in diesen Tagen?

Dieser Zusammenhalt gibt einen positiven Schub im tagtäglichen Arbeiten. Alle Schalker – Fans, Mitarbeiter und Partner – müssen nun versuchen, kühlen Kopf zu bewahren und mit Leidenschaft und Verstand zu agieren. Zusammenhalt ist kein leeres Wort, sondern hatte lange nicht mehr so viel Bedeutung wie gerade jetzt: Ziehen wir alle an einem Strang, gehen wir gestärkt aus dieser Zeit hervor.

Wie reagieren die Sponsoren auf die Situation?

Wir haben in den letzten Tagen natürlich sehr viele Gespräche geführt, die Vermarktungserlöse sind elementar für unsere wirtschaftliche Basis. Sämtliche Schalke-Partner, ob Klein- oder Großunternehmen, haben ihre eigenen, enormen Sorgen und kämpfen. Doch auch hier spüre ich aus den Telefonaten äußerst positive Signale des Zusammenhalts und der Verlässlichkeit.

Jobst: Fußball wird Solidarität brauchen

Und wie wird es um die Solidarität in der Bundesliga bestellt sein: Werden die großen Vereine den Kleinen helfen?

Solidarität wird der Fußball brauchen und sie auch zeigen, da bin ich sicher. Aber: Die Diskussion ist in meinen Augen aktuell weder angebracht noch zielführend. Wir alle, ob Clubs, nationale oder internationale Verbände, tun gut daran, uns erstmal ein klares Bild zu verschaffen. In der derzeitigen Dynamik der täglichen Entwicklungen wird das noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Wer wie und wem hilft, ergibt sich spätestens dann, wenn das Kulturgut Fußball wieder zum Leben erwacht und die Menschen es kaum erwarten können, sich daran zu erfreuen.

Wird der Fußball nach dieser Krise noch so sein wie zuvor?

Schwere Frage: Ich glaube, er wird eine noch größere gesellschaftliche Bedeutung einnehmen. Und deshalb einfach die Gegenfrage: Wie unermesslich wird die Freude bei allen Fußballbegeisterten sein, wenn wir erstmals wieder in der VELTINS-Arena vor Zuschauern spielen können?

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