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Schalke hofft weiter auf Raman – jetzt gegen Fortuna

Vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf: Schalkes Stürmer Benito Raman.

Vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf: Schalkes Stürmer Benito Raman.

Foto: firo Sportphoto/Marcel Engelbrecht / firo Sportphoto

Gelsenkirchen.  Benito Raman wurde in seiner Heimat Belgien lange als hoffnungsloser Fall bezeichnet. Auf Schalke gilt er nach wie vor als Hoffnungsträger.

Benito Raman (24) hat viele Tattoos – zu viele, um sie zu zählen, wie er selbst sagt. Und: Nicht alle Hautgemälde hätten wirklich eine Bedeutung. Eine Tätowierung jedoch offenbart Ramans persönlichen Leitspruch: „Only God can judge me“ (Nur Gott kann mich beurteilen). Diese leicht trotzige Haltung resultiert womöglich aus früheren Jahren, als dem Belgier mit spanischen Wurzeln der Ruf des notorischen „Bad Guys“ vorauseilte. Als Raman im Juli offiziell in Gelsenkirchen vorgestellt wurde, war auch ein Journalist aus seiner Heimat zugegen. „Ihr könnt ja ihn fragen, was früher in Belgien über mich in der Presse stand“, sagte Schalkes neue Nummer 9 damals mit vielsagendem Gesichtsausdruck.

Skandal-Storys aus der Vergangenheit

In Flandern und Wallonien gab es immer wieder großgetitelte Skandal-Storys über Raman zu lesen – nicht nur jene, die vor zwei Wochen vor dem Revierderby wieder hochgekocht war, weil irgendjemand ein altes Video hervorgekramt hatte: Darin zu sehen und zu hören ist, wie der 1,72 Meter kleine Torjäger auf Flämisch in die Kamera grölt: „Alle Bauern sind schwul.“ Eine mehr als dümmliche Verbalattacke gegen die Fans des FC Brügge aus Ramans Zeit bei KAA Gent, wo er von 2011 bis 2016 mit einigen Unterbrechungen unter Vertrag stand.

Schalke reagierte mit der gebotenen Gelassenheit

Schalke reagierte prompt auf die virale Auferstehung des Vorfalls – mit der gebotenen Gelassenheit: „Bei dem im Web kursierenden Video von Benito Raman handelt es sich um eine alte Aufnahme aus Zeiten, als er in Belgien spielte. Er hatte damals die Verantwortung für sein Handeln übernommen, sich entschuldigt und die entsprechenden Sanktionen vollumfänglich akzeptiert.“ Raman war damals übrigens 20 Jahre jung und musste einen landesweiten Shitstorm über sich ergehen lassen, der phasenweise völlig außer Kontrolle geriet: Ein renommierter belgischer Kolumnist forderte gar eine lebenslange Sperre gegen den Übeltäter.

Gut möglich, dass demnächst weitere alte „Skandale“ aus der Karriere des Benito Raman an die Oberfläche gespült werden. 2013 etwa schrieben belgische Gazetten, dass der damalige belgische Junioren-Nationalspieler seinen Vornamen in Anlehnung an den früheren italienischen Diktator Benito Mussolini erhalten habe. „Wie meine Eltern darauf gekommen sind, weiß ich nicht. Und es interessiert mich auch nicht“, sagte der damals 18-Jährige der Zeitschrift „Sport/Voetbalmagazine“. Im selben Interview verriet Raman auch, warum er einst das Sportgymnasium seiner Heimatstadt Gent verlassen musste: Er hatte einem Radsportler eine Kopfnuss verpasst.

Mit der Zeit in Düsseldorf begann der Wandel

Erst mit seinem Wechsel von Standard Lüttich zum damaligen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf (2017) setzte ein Wandel im Wesen des einstigen Enfant Terribles ein: „Der Schritt nach Deutschland war perfekt für mich, hier wurde ich ruhiger und professioneller. Die deutsche Mentalität hat mir dabei sehr geholfen“, sagt Raman über Raman. Und noch ein Faktor gibt dem frisch verheirateten Profi Halt: „Am Ende tut ihm auch seine Frau sehr, sehr gut“, findet Schalkes Chefcoach David Wagner, der im Vorfeld der Raman-Verpflichtung ausführliche Gespräche mit dem Spieler und dessen Gattin Charline geführt hatte. Wagner ist sich sicher: „Benito ist ein ganz, ganz feiner Junge – ein richtig guter Charakter.

Die allermeisten Fans seines früheren Arbeitgebers KAA Gent sehen das genauso, wie diese alte Geschichte belegt: Im Oktober 2016 gastierte Benito Raman (Spitzname: „Speedy Gonzales“) mit Standard Lüttich in Gent. Als der verlorene Sohn nach dem Spiel von den Heimfans mit Sprechchören gefeiert wurde, flossen bei ihm Tränen der Rührung. „Gent ist doch mein Verein gewesen“, erklärte er vor laufenden TV-Kameras und fügte sichtlich erleichtert hinzu: „Ich bin froh, dass die Fans hier immer noch hinter mir stehen.“

Bei seinem letzten Klub Fortuna Düsseldorf sind die Anhänger nicht ganz so gut auf den Abtrünnigen zu sprechen. Als der Neu-Schalker Raman im ersten Vorbereitungsspiel des Sommers (3:1 bei Rot-Weiß Oberhausen) eine tausendprozentige Torchance verbaselte, hagelte es im Internet Spott aus der Landeshauptstadt. Auch Ramans schwieriger Start in der Liga wird in Düsseldorf immer wieder mit Hohn begleitet. Selbst seine einstige Vaterfigur Friedhelm Funkel hatte im Sommer gestichelt: „Ich habe Benito gesagt, dass ich nicht daran glaube, dass er sich auf Schalke verbessert – die standen ja hinter uns in der Tabelle. Warten wir mal ab, wie es nächste Saison wird.“

Am Samstag das Wiedersehen mit Fortuna Düsseldorf

In der zurückliegenden Spielzeit hatte Raman mit zehn Toren und vier Assists maßgeblich dazu beigetragen, dass Funkel und die Fortuna frühzeitig aller Abstiegssorgen ledig waren. Zudem legte der Offensiv-Allrounder eine beeindruckende Malocher-Mentalität an den Tag. Nach einer Ligapartie gegen Eintracht Frankfurt standen für Raman 55 Sprint-Laufwege zu Buche – ein absoluter Ausnahmewert, der sich offenbar bis in die temporeiche englische Premier League herumgesprochen hatte: Im April berichtete das britische Boulevardblatt „The Sun“ sogar von einem Interesse des FC Arsenal an Raman.

Einen Wechsel zu den „Gunners“ hätte man ihm in Düsseldorf womöglich eher verziehen als den Transfer zum West-Rivalen Schalke für kolportierte zehn Millionen Euro Ablöse. In Gelsenkirchen aber sind sie froh, einen wie Benito Raman zu haben: einen Stürmer mit fraglos großem Zukunftspotenzial – mit seinen beiden Toren beim Pokalsieg in Bielefeld (3:2) stellte er das mit Nachdruck unter Beweis. Am Samstag kommt Fortuna Düsseldorf in die Schalker Arena: Dann trifft der Stürmer mit Schalke auf den Klub, bei dem er sein Bad-Boy-Image ablegen konnte.

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