Schalke 04

Schalke-Torwart Nübel über das 1:1 gegen Köln: "Das tut weh"

Auch eine überragende Leistung von Torwart Alexander Nübel reichte Schalke nicht zum Sieg.

Auch eine überragende Leistung von Torwart Alexander Nübel reichte Schalke nicht zum Sieg.

Foto: firo

Gelsenkirchen.  Zwei Minuten fehlten Schalke 04, um Platz eins in der Fußball-Bundesliga zu erobern. Nach dem 1:1 gegen Köln gibt es dennoch Applaus.

Schalkes Torwart Alexander Nübel hatte es geahnt. Es lief die 91. Minute im Fußball-Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln, sein Team führte noch mit 1:0, als der Kölner Florian Kainz zur Ecke schritt. „Ich war in Sorge, weil die Zuteilung nicht gepasst hat“, sagte Nübel. Der Torwart griff ein, sortierte die Spieler im Fünfmeterraum um. Doch es half nichts: Kainz flankte den Ball auf Jonas Hector - und der köpfte das Tor zum 1:1-Endstand.

Ein Treffer, der ganz Schalke verstummen ließ. Dabei waren die Fans zuvor elektrisiert von einem Wort, das sie seit dem 28. März 2010 nicht mehr benutzt hatten: Tabellenführer! Nach den Bundesliga-Ergebnissen des Nachmittags, die Spitzenteams blieben alle sieglos, hätte Schalke den Tabellenvorletzten Köln einfach nur besiegen müssen, um die Spitze zu übernehmen.

Wie ein möglicher Tabellenführer spielte Schalke aber erst einmal nicht. „Die erste Halbzeit war nicht gut“, sagte Trainer David Wagner. Und das hatte mehrere Gründe: Das Spiel der Königsblauen hatte nicht die nötige Intensität, es gab viele vermeidbare Fehler. Nicht nur einmal führte Innenverteidiger Salif Sané den Ball am Fuß, hob verzweifelt die Arme und beschwerte sich über fehlende Anspielstationen.

Schwache erste Halbzeit von Schalke 04

Zudem waren die Kölner gut eingestellt. FC-Trainer Achim Beierlorzer hatte seine Startelf auf sechs Positionen verändert. „Wir haben das Spiel kompakt gestaltet und mit einem sehr, sehr guten Miteinander. Und wir hätten in Führung gehen müssen“, sagte Beierlorzer. Damit meinte er die einzige Chance der ersten Hälfte in der 20. Minute. Nach einer Flanke von Kainz köpfte Kingsley Ehizibue Nübel an. Es blieb beim 0:0, die S04-Fans grummelten beim Pausenpfiff etwas.

Trainer Wagner zog die richtigen Schlüsse aus der ersten Hälfte und veränderte die Taktik. Er stellte Amine Harit von der linken Seite ins Mittelfeld-Zentrum. Das ging auf. „Es war vor allem in der zweiten Halbzeit ein guter Auftritt von uns“, sagte Nübel. Und auch Wagner befand: „Wir nehmen mit, dass es möglich ist, eine schlechte erste Halbzeit zu spielen, aber dafür eine gute zweite.“

Und nun gab es auch Chancen. Zwischen der 55. und 57. Minute waren beide Teams der Führung ganz nahe: Zunächst schoss Schalkes Guido Burgstaller nach einer Vorlage von Daniel Caligiuri vorbei, dann scheiterte Kölns Simon Terodde an Nübel. Danach wurde der Druck der Königsblauen größer - und in der 72. Minute fiel das umjubelte 1:0. Salif Sané stieg im Kölner Strafraum hoch, köpfte den Ball zu Suat Serdar und Schalkes bester Feldspieler erzielte das 1:0.

Nun griffen die Kölner wütend an und Schalke kam zu etlichen Konterchancen. Die beste hatte Burgstaller, doch in der 89. Minute traf er freistehend nur den Pfosten. „Wir hatten viel Glück, dass Schalke den Deckel nicht zumacht“, gestand Kölns Torwart Timo Horn.

Der niemals aufsteckende Aufsteiger kam aber auch noch zu zwei Möglichkeiten. Zunächst scheiterte in der 90. Minute Stürmer Anthony Modeste mit einem Flachschuss am herausragenden Torwart Nübel. Die folgende Ecke aber führte zum 1:1. „Das tut weh“, sagte Nübel. Wagner analysierte sachlich: „Wenn man beide Halbzeiten sieht, kann man von einem gerechten Ergebnis sprechen.“

Schalke-Fans applaudieren nach dem Abpfiff

Das sah auch Kölns Trainer Achim Beierlorzer so: „Für uns war das ein außerordentlich wichtiger, hochverdienter Punkt.“ Timo Horn sagte, die Kölner hätten gezeigt, dass sie mit einer solchen Einstellung auch gegen die „großen Mannschaften“ der Liga bestehen könnten.

Horn bezeichnete Schalke wirklich als „große Mannschaft“. Für Trainer Wagner ist das ein großes Kompliment. Zwölf der 13 am Samstagabend eingesetzten Spieler zählten schon in der verkorksten vergangenen Saison zum Kader. Nun zählen sie nach sieben Spieltagen zur Liga-Spitze. Das honorierten nach dem Abpfiff auch die Schalke-Fans. Nachdem die erste Enttäuschung gewichen war, verabschiedeten sie die Profis mit viel Applaus.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben