Kommentar

Uli Hoeneß - ein Mann zwischen Leidenschaft und Besessenheit

Eine Legende hört auf: Uli Hoeneß, langjähriger Manager und Präsident des FC Bayern München.

Eine Legende hört auf: Uli Hoeneß, langjähriger Manager und Präsident des FC Bayern München.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Essen.  An diesem Freitag verabschiedet sich Uli Hoeneß als Präsident des FC Bayern München. Aber eigentlich hören zwei Personen auf. Ein Kommentar.

Wie wir ja alle wissen, gibt es nur ein’ Rudi Völler. Aber es gibt zwei Uli Hoeneß.

Der eine Uli Hoeneß, das ist der, von dem ehemalige FC-Bayern-Spieler sagen: Auf sein Wort war immer Verlass. Uli Hoeneß kann, wenn er will, ausgesprochen nett, herzlich und zuvorkommend sein. Vor allem in der großen Bayern-Familie wird er auch für seine Leidenschaft geschätzt, sogar geliebt. Wir hier drin, ihr da draußen: Wie man Zusammenhalt schafft, darin hat Uli Hoeneß kaum jemand etwas vormachen können.

Der andere Uli Hoeneß, das ist der, über den Außenstehende häufig so urteilen: Der Kerl ist in seinem FC-Bayern-Wahn nicht zu ertragen. Wenn er Gefahr für den Klub wittert und auf Angriff umschaltet, verlässt er die Anstandsregeln. In seiner Besessenheit nimmt er wenig Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer, er steckt ungern ein, teilt aber umso verbissener aus.

Die Gefängnisstrafe war ein persönliches Debakel

Der eine Uli Hoeneß ist ein hilfsbereiter Mensch. Häufig unterstützte er in Not geratene Traditionsvereine, indem der FC Bayern kostenlos zu Freundschaftsspielen anreiste. Menschen, die ihn näher kennen, versichern, er habe ein großes Herz.

Der andere Uli Hoeneß hat im Gefängnis gesessen. In Talkshows spielte er sich als großer Moralist auf, er maßregelte die Politik und die Gesellschaft – mit Recht war deshalb die Wucht der öffentlichen Empörung gewaltig, als herauskam, was er häufig mit dem verharmlosenden Wort „Fehler“ herunterzuspielen versuchte: Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro, das war unentschuldbar. Eine Schande, ein persönliches Debakel.

Dass er zurückkam, weil er so nicht in Erinnerung bleiben wollte, entsprach seinem Charakter. Uli Hoeneß war nicht selten von Ehrgeiz zerfressen. Sein letztes berufliches Ziel war, durch erneute Hingabe für seinen Verein seine eigene Reputation wiederherzustellen.

Eine der größten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs

Uli Hoeneß, der Polarisierende, ist zweifellos eine der größten Persönlichkeiten des deutschen Fußballs. Als Spieler war er Weltmeister, Europameister, Europapokalsieger. Vor 40 Jahren wurde er Manager, als 27-Jähriger. Die seitdem immer länger gewordene Liste der Erfolge des FC Bayern ist maßgeblich seinem Wirken zu verdanken.

Jetzt hört er auf. Es ist Uli Hoeneß zu wünschen, dass er zu Ruhe und Ausgeglichenheit findet. Dass er den neuen Lebensabschnitt ohne Spitzenämter genießen kann. Und dass er, wenn er sich wieder mal aufregt, im richtigen Moment zu der Erkenntnis gelangt, wie sinnvoll es sein kann, einfach mal die Klappe zu halten.

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