VfL Bochum

Dank Soares und Blum: VfL Bochum ist links auf der Überholspur

Seinen ersten VfL-Treffer im 69. Zweitliga-Spiel feierte Bochums Danilo Soares gegen Nürnberg.

Seinen ersten VfL-Treffer im 69. Zweitliga-Spiel feierte Bochums Danilo Soares gegen Nürnberg.

Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool

Bochum.  Der VfL Bochum kann sich derzeit auf seine starke linke Seite verlassen. Doch im Jubel über das 3:1 gegen Nürnberg gab es auch mahnende Worte.

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Am späten Montagabend noch gratulierte er dem VfL Bochum höflich und gefasst zum verdienten 3:1-Sieg, eine Rückfahrt nach Nürnberg später war er seinen Job los. Damir Canadi ist nicht mehr Trainer des FCN, ein Sinnbild für die Krise des Clubs, der doch den Aufstieg zur (Fast-)Pflicht erklärt hatte.

Zwei Punkte liegt Nürnberg nur noch vor dem VfL, der aber immer noch Sechzehnter ist. Daher durfte der Verweis auf den ersten, mit Pokalspiel gegen die Bayern gerne auch zweiten Schritt in die richtige Richtung nicht fehlen - dem eben weitere folgen müssen. Das 1:2 in Kiel ist ja, überlagert vom beherzten Auftritt gegen den FC Bayern, erst zwei Liga-Spiele alt. Danach gab es klare Ansagen von Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz, das Team hatte sich schon zuvor und noch einmal danach zusammengerauft – und Trainer Thomas Reis die richtigen Konsequenzen gezogen. Auch in der Aufstellung.

Umbruch und Verjüngung spielen derzeit keine Rolle mehr

Es waren erneut die Routiniers, die für Stabilität sorgten im bisher so wankelmütigen Spiel des VfL und damit die Worte Umbruch und Verjüngung ad absurdum führen. Dass die jungen Innenverteidiger Simon Lorenz und Armel Bella-Kotchap zwar in der Druckphase der Nürnberger ins Wanken gerieten, unterm Strich aber vor allem in der ersten Halbzeit überzeugten, hatte auch viel mit ihren Neben- und Vorderleuten zu tun.

Manuel Riemann im Tor, Stefano Celozzi rechts und vor allem Danilo Soares links sorgten für Sicherheit, und im Zentrum ist Robert Tesche wieder ein wichtiger Faktor. Vitaly Janelt, bis zum Kiel-Spiel praktisch gesetzt, muss sich erst einmal hinten anstellen, das gilt für Thomas Eisfeld erst Recht.

Bochum kauft Nürnberg den Schneid ab

Wie 2017/18 zeigt Tesche mit dem unersetzlichen Anthony Losilla an seiner Seite, wie wichtig neben Einsatz auch Spielverständnis und Erfahrung sind in heiklen Phasen. Das Duo ging voran, die Kollegen folgten. Wer einen Ball verlor in der ersten Halbzeit, erhielt umgehend Unterstützung. So eroberte Bochum oft die Bälle zurück und kaufte Nürnberg den Schneid ab.

Eine Reihe vor Tesche und Losilla bewies Chung-Yong Lee, warum er so lange so schmerzlich vermisst wurde. Hätte der Südkoreaner noch einen besseren Abschluss, würde die Schaltfigur im offensiven Zentrum vermutlich längst woanders spielen. Oder wäre nie gekommen ins Revier.

Starke linke Seite setzt offensiv die Akzente

Auffallend ist die starke linke Seite des VfL, derzeit das Herzstück der Offensivbemühungen. Danilo Soares krönte eines seiner besten VfL-Spiele im immerhin schon 69. Einsatz mit seinem ersten Treffer für Bochum. „Das ist schön“, sagte er, „aber wichtig waren heute die drei Punkte.“ Der VfL kann nur hoffen, dass der Brasilianer seinen Lauf fortsetzt - und keine Gelbe Karte kassiert. Vier hat er schon, bei der nächsten wäre er gesperrt.

Gemeinsam mit Danny Blum, der sein Tempo immer besser zur Geltung bringt, sorgt Soares für Druck auf der linken Seite, während über die rechte Flanke mit Celozzi und Simon Zoller, der allerdings viel nach hinten arbeitet, Steigerungsbedarf offensichtlich ist. Blum bereitete zwei Treffer vor, das 3:0 von Manuel Wintzheimer entsprang dabei einer perfekten Kombination von hinten heraus: So läuft der Ball, wenn es mal läuft. Zudem zeigte Linksfuß Blum einmal mehr, dass er scharf flanken und schießen kann, das war ein großes Defizit der Vorsaison. Sein Freistoß ans Lattenkreuz wäre ein Treffer wert gewesen.

Decarli und Ganvoula könnten in St. Pauli wieder spielen

Auch Wintzheimer in seiner Lieblingsrolle als zentraler Stürmer überzeugte mit seinem Einsatz, seiner Ballbehauptung, seinem ersten VfL-Treffer. Gemeinsam, als Einheit, wie Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz zufrieden anmerkte, zeigte das Team, dass es auch ohne zwei Schlüsselspieler gewinnen kann: ohne Abwehrchef Saulo Decarli, ohne Silvere Ganvoula. Der Torjäger war gesperrt und könnte in St. Pauli wieder den Platz von Wintzheimer einnehmen. Decarli war angeschlagen. Ist er fit, kehrt er vermutlich für Simon Lorenz als weiterer Stabilisator im Abwehrzentrum in die Startelf zurück.

Die Lage bleibt ja ernst. „Wir sind in einer schwierigen Situation“, sagte Soares mitten im Jubel über den ersehnten Heimsieg, dem ersten seit dem 4. Mai, seit dem 4:2 gegen Magdeburg. „Wir wollen jetzt in St. Pauli wieder Vollgas geben.“ Mit drei weiteren Punkten könnte der dritte Schritt in die richtige Richtung tabellarisch ein ganz großer werden: Zumindest für eine Nacht würde er den Sprung von Rang 16 auf Rang acht bedeuten. Bei einer Niederlage indes droht Rang 17, je nach Ergebnis im Freitagabend-Kellerduell zwischen Schlusslicht Dresden und dem Vorletzten Wehen-Wiesbaden.

Nürnberg-Spiel soll keine Eintagsfliege sein

„Wir haben gezeigt, dass das Bayern-Spiel keine Eintagsfliege war“, sagte Trainer Thomas Reis zufrieden. Doch auch das Nürnberg-Spiel darf in Liga zwei kein Ausrutscher nach oben sein. „Das soll keine Eintagsfliege sein, das ist unser Anspruch“, sagte Manuel Riemann, der Fairplay-Mann des Abends. „In St. Pauli müssen wir wieder alles in die Waagschale werfen. Man muss kämpfen und rackern, dann wird man auch belohnt.“

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