Trainerwechsel

Der VfL Bochum geht mit Thomas Reis ein Wagnis ein

Thomas Reis (l.) saß beim VfL Bochum bereits als Co-Trainer auf der Bank. Nun nimmt er die Chefrolle ein.

Thomas Reis (l.) saß beim VfL Bochum bereits als Co-Trainer auf der Bank. Nun nimmt er die Chefrolle ein.

Foto: firo

Bochum.  Der frühere VfL-Profi Thomas Reis wird als Trainer erstmals eine Profimannschaft übernehmen. Ihm droht mit dem VfL Bochum eine harte Saison.

Dariusz Wosz hat mit ihm das Zimmer geteilt, als der VfL Bochum noch international unterwegs war. Freunde sind sie geblieben. Dariusz Wosz, der einstige Mittelfeld-Star, und Thomas Reis, der damalige linke Verteidiger des Europacup-Teilnehmers. Jetzt begegnen sie sich wieder häufiger. Wosz ist mittlerweile Markenbotschafter des seit Jahren in der 2. Liga versunkenen VfL – und Thomas Reis wird der neue Cheftrainer des Tabellensiebzehnten. „Thomas ist seinen Weg gegangen“, sagte Wosz dieser Zeitung.

Der 45-jährige Reis folgt damit Robin Dutt, von dem sich der Verein vor anderthalb Wochen getrennt hatte. Interimstrainer Heiko Butscher bleibt als Co-Trainer an Bord.

Reis trainierte in den vergangenen drei Jahren erfolgreich die U19 des VfL Wolfsburg, führte sie zweimal ins DM-Halbfinale. Sein Vertrag beim Bundesligisten lief noch bis 2022, er wurde zuvor aufgelöst. „Thomas Reis hat den Trainerberuf von der Pike auf gelernt und arbeitet seit zwölf Jahren erfolgreich in dem Job. Sowohl in Bochum als auch in Wolfsburg zeichnen sich seine Mannschaften durch Disziplin, einen klaren Plan und Mut zur Offensive aus“, erklärte Bochums Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz. Und: „Thomas Reis bringt aufgrund seiner VfL-DNA, seiner langjährigen Erfahrungen in Bochum die absolute Identifikation für den Verein mit. Er brennt förmlich für die Herausforderung hier.“

176 Pflichtspiele für den VfL

2016 hatte sich Reis, der 176 Pflichtspiele für den VfL bestritten hat, Richtung Wolfsburg verabschiedet, zuvor war er sieben Jahre lang eine Art Mann für alles. Er trainierte die U19 und U23 und war immer wieder mal Co-Trainer bei den Profis. Jetzt wagt der Fußball-Lehrer den nächsten Schritt: Erstmals übernimmt Reis ein Profi-Team.

Ein Wagnis, das der VfL Bochum bereit ist zu gehen bei seinem „Neuanfang“ und Verjüngungsprozess. Dabei ist die Lage vertrackt: Bochum ist Tabellensiebzehnter mit erst zwei Punkten aus fünf Partien, es droht ein Abstiegskampf bis zum Saisonende. Reis muss die nicht geschlossen auftretende Mannschaft einen, ihr Selbstvertrauen geben. Seine Pluspunkte, die auch das Präsidium des VfL überzeugten: Reis hat bewiesen, dass er junge Spieler entwickeln kann, er denkt offensiv. Zudem ist er ein umgänglicher Typ, er kennt Verein und Umfeld bestens, und er ist sicherlich nicht die teuerste Lösung. Und: Auch mit Bochums Geschäftsführer Sport, Sebastian Schindzielorz (40), spielte Reis einst beim VfL in der 1. und 2. Liga zusammen, man hielt stets Kontakt.

Nach Informationen dieser Redaktion hat es keine Gespräche mit anderen Trainerkandidaten gegeben. Viele Klubs in der 2. Liga arbeiten mit jüngeren, unerfahrenen Trainern. Auch der VfL Bochum hat in den letzten Jahren seiner Zweitklassigkeit Erfahrungen gesammelt – allerdings keine erfolgreichen. Karsten Neitzel, Ismail Atalan und Jens Rasiejewski scheiterten jeweils binnen weniger Monate.

Jetzt soll es Reis richten in Bochum, wo er mit Dariusz Wosz und anderen „Legenden“ des Klubs 1997 Vereinsgeschichte schrieb: Erstmals qualifizierte sich der VfL unter Trainer Klaus Toppmöller für den Uefa-Cup, schaffte es bis in die dritte Runde. Ob schöne Erinnerungen an bessere Zeiten in der derzeit düsteren Gegenwart helfen, muss sich jetzt zeigen: Am Montag wird Thomas Reis das Training beim VfL übernehmen. Am Sonntag nächster Woche steigt seine Premiere: beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden.

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