Kommentar

Warum Hoeneß' Aussagen zu ter Stegen und Neuer Unsinn sind

Bayern-Präsident Uli Hoeneß poltert wieder einmal - und schießt übers Ziel hinaus.

Bayern-Präsident Uli Hoeneß poltert wieder einmal - und schießt übers Ziel hinaus.

Foto: Getty

München.  Bayern-Präsident Uli Hoeneß verteidigt seinen Torhüter Neuer, poltert gegen den DFB - und schießt deutlich übers Ziel hinaus. Ein Kommentar.

Uli Hoeneß hat sich unbestreitbar gigantische Verdienste um den FC Bayern und auch um den deutschen Fußball erworben. In letzter Zeit aber muss man immer häufiger immer heftiger mit dem Kopf schütteln, wenn sich der Bayern-Präsident zu Wort meldet. Jüngstes Beispiel: seine Aussagen Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen und den Kampf um die Nummer 1 im deutschen Tor.

Nicht zuletzt offenbarte Hoeneß dabei ein merkwürdiges Verständnis von Journalismus: Die westdeutsche Presse unterstütze ter Stegen massiv behauptete er, was an sich schon Unsinn ist. Und damit nicht genug: Hoeneß wünscht sich von der süddeutschen Presse nun Unterstützung für Neuer – was schon ziemlich albern ist. Journalisten mögen viele Aufgaben haben, die Unterstützung eines Bayern-Torwarts gehört sicher nicht dazu. Nein, auch nicht bei Münchener Zeitungen.

Aber die Journalisten waren ja nur untergeordnetes Ziel des Hoeneß’schen Ausbruchs: Ter Stegen, so verkündete es der alte Patriarch, habe doch überhaupt gar keinen Anspruch auf die Nummer 1 im Nationalteam, die Frage stelle sich gar nicht. Nun kann man ja der Meinung sein, dass Neuer der bessere Torwart ist und als sein Vorgesetzter darf man das sicher auch etwas deutlicher vertreten. Ter Stegen aber jeden Anspruch aufs deutsche Tor abzusprechen, ist Blödsinn.

Natürlich darf ter Stegen Ansprüche stellen

Der Ex-Gladbacher ist einer von drei Torhütern, die von der Fifa zur Wahl des Welttorhüters nominiert wurden. Er liefert Woche für Woche Spitzenleistungen für den FC Barcelona, erst zuletzt beim 0:0 in Dortmund. Natürlich hat so einer eine Chance und Einsätze in der deutschen Nationalmannschaft verdient, natürlich darf so einer Ansprüche anmelden. Über die Art und Weise lässt sich selbstverständlich streiten. Aber vielleicht nicht unbedingt durch Uli Hoeneß, der gleichzeitig selbst mit verbalen Brandbomben um sich wirft.

Eine richtete sich deutlich gegen den DFB: „Wir werden den Leuten beim DFB ein bisschen Feuer geben, das können wir." Dabei war Bundestrainer Joachim Löw jahrelang loyal bis an die Schmerzgrenze – und teilweise darüber hinaus. Neuer, wir erinnern uns, stand bei der WM 2018 im deutschen Tor, obwohl er monatelang kein Pflichtspiel absolviert hatte. Daran könnten die DFB-Verantwortlichen Hoeneß jetzt ruhig mal erinnern. Und auch daran, dass der Bundestrainer und niemand sonst für die Aufstellung zuständig ist. Egal wie laut im Süden gepoltert wird.

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