Darts

Castrop-Rauxeler Dartclub wartet auf den Hype

Dominik Feigel, der früher Fußball und American Football gespielt hat, schätzt den Respekt der Dartsspieler untereinander. „So einen Respekt habe ich aber noch nirgends erlebt“, sagt er.

Dominik Feigel, der früher Fußball und American Football gespielt hat, schätzt den Respekt der Dartsspieler untereinander. „So einen Respekt habe ich aber noch nirgends erlebt“, sagt er.

Foto: Christian Woop

Habinghorst..  In Deutschland ist der Darts-Hype ausgebrochen. Beim 1. DC Castrop-Rauxel haben sich sechs Männer zusammengefunden, um Pfeile auf die Scheibe zu werfen. Für die als Kneipensport verpönte Sportart ist eine besondere Tugend notwendig.

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Der Raum im Tanzpalast Mythos an der Borghagener Straße ist riesig, das Relevante eigentlich nur ungefähr so groß wie eine Pizza. Eine Welt, die wirklich noch eine Scheibe ist – und weg will vom Kneipenimage. Willkommen bei den Dartsspielern des 1. DC Castrop-Rauxel.

Peter Reicherseder spricht gerne über seine Sportart. Er trägt das auch zur Schau, mit einem Ohrstecker, der einen Dartspfeil darstellt. Und einem Trikot seines Dartsvereins, das er trägt, wenn er aus 2,37 Meter Entfernung auf die Scheibe wirft. Darts ist ein facettenreicher Sport. Man benötigt Technik, Konzentration, mentale Stärke und vor allem ganz viel Übung. Und es ist viel schwieriger, als es häufig im Fernsehen ausschaut.

Eine Parallelwelt im Alexandra Palace

Einmal im Jahr existiert eine Parallelwelt, die ebenfalls eine Scheibe ist. Und zwar im Alexandra Palace in London, wenn zum Jahreswechsel auf der großen Bühne die Stars der Szene ihren Weltmeister ermitteln. Dahinter stehen tausende Fans, die statt drei Pfeilen eher ein Bierglas in der Hand halten und dazu noch verkleidet sind. Ballermann in der Leicht-Version. Einfach ein perfekt vermarktetes Produkt, das so auch vom Fernsehen gerne angenommen wird. Viele sprechen von einem wahren Darts-Hype, der aktuell durch Deutschland geht.

Aber kommt dabei etwas an der Basis an? Kaum, meint Reicherseder. „Die Leute sehen das im Fernsehen und denken sich: Das kann ich auch“, so der DC-Kassierer. „Dann kommen sie mal zum Training, die Pfeile landen verteilt auf der Scheibe und der Gegner spielt seine Partie in 20 Pfeilen herunter.“ Klar sei so, dass viele danach schnell Interesse und Lust daran verlieren. Dabei sei vor allem eine Sache entscheidend: Training. Ob man die Pfeile mit zwei, drei oder vier Fingern greift, einen Zentimeter höher oder tiefer, sei letztlich egal. Wichtiger: ein gerader, stabiler Oberarm, aber ein lockerer Wurf aus dem Unterarm, ohne dass sich der Körper großartig bewegt – so beschreiben es die Dartsspieler.

Großer Respekt unter den Spielern

Neben Peter Reicherseder steht Dominik Feigel, dem eine Seite des Dartssports besonders gefällt. „Vor der Scheibe sind alle Leute gleich“, sagt er. In der Tat werfen Spieler aller Altersklassen, jedes Berufs und jeder sozialen Schicht gegen- und miteinander. Sie unterscheiden sich auch optisch nicht, denn ab einer bestimmten Spielklasse sind eine schwarze Hose sowie schwarze Schuhe Pflicht. Selbst in den niedrigen Ligen des NWDV, in der der 1. DC Castrop-Rauxel mitspielt, achten einige Teamkapitäne darauf. Dominik Feigel hat viele Jahre Fußball gespielt, auch zwei Jahre American Football. „So einen Respekt untereinander habe ich aber noch nirgends erlebt.“ Strengstens verboten: Trikots anderer Sportarten.

Neben den Scheiben, die an einer selbst gebauten Konstellation aus Metall besteht und durch Lampen beleuchtet werden, sitzt Reinhard Abram an einem Tisch. Ein Darts-Veteran, der in seinem Spielerpass eine zweistellige Registrierungsnummer stehen hat. Mittlerweile liegt die Zahl bei über 10.000. Auch für ihn steht das Gemeinschaftsgefühl im Mittelpunkt, das er nicht nur in Deutschland erlebt hat. „In den 80er-Jahren habe ich oft in England Urlaub gemacht“, sagt Abram. Damals habe es noch einige Vorurteile über Deutschland im Ausland gegeben. Im Pub, als er seine Darts-Pfeile ausgepackt hat, waren diese aber aus der Welt. „Das Spiel verbindet. Obwohl mein Englisch nicht das beste war, kam ich mit den Leuten vor Ort über Darts ins Gespräch“, sagt er.

Kooperation mit Schulen angedacht

Dass Darts anders ist, darauf wollen sie beim 1. DC Castrop-Rauxel aufmerksam machen. Eventuell könnte das über die Nachwuchsförderung gelingen. Vielleicht gemeinsam mit Schulen. Denn es geht auch ums Rechnen. Dreifach 19, Doppel 18, einmal die Neun. Abziehen im Kopf von 367. Wie lautet die Lösung? Zu spät. Der nächste Spieler hat wieder geworfen.

„Das könnte ein Weg sein“, glaubt Peter Reicherseder, der bald in Rente geht und danach etwas in dieser Richtung aufbauen möchte. Ambitionierte Hobby-Sportler, die die lokale Darts-Szene auf Vordermann bringen wollen. Wie heißt es so schön im Fernsehen, wenn die wohl ernährten Pfeile-Könner werfen: Game on.

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