Merklinder Trainer reiste zur Fußball-WM 2014

Ulf Schwemin war als Schlachtenbummler in Brasilien

Ulf Schwemin reiste 2014 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Der ehemalige Trainer des SuS Merklinde sah sich mehrere Spiele an, wie hier beispielsweise das Duell zwischen den Niederlanden und Spanien (5:1) in Salvador.schwemin

Ulf Schwemin reiste 2014 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Der ehemalige Trainer des SuS Merklinde sah sich mehrere Spiele an, wie hier beispielsweise das Duell zwischen den Niederlanden und Spanien (5:1) in Salvador.schwemin

Foto: Ulf Schwemin

Castrop-Rauxel.  Ulf Schwemin ist fußballverrückt. Und diese Verrücktheit führte ihn im Jahr 2014 zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Auf seiner Reise lernte der 42-jährige Fußballtrainer viele Leute kennen – und einen Ex-Nationalspieler.

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Zürich im Oktober 2007. Die Fifa trifft dort keine überraschende Entscheidung. Brasilien darf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 austragen, war letztlich dafür aber auch der einzige Bewerber. „Fußball ist Brasilien“, frohlockte Fifa-Präsident Sepp Blatter bereits im Vorfeld.

Das dachte sich auch Ulf Schwemin, der acht Jahre später als Trainer beim SuS Merklinde anheuern wird und den Klub fast wieder zurück in die Bezirksliga führt. Also fing Schwemin, in Castrop-Rauxel nicht erst seit seinem Engagement am Fuchsweg bekannt und gut vernetzt, an zu sparen. Fußball, Sonne, Strand und das legendäre Stadion Maracana in Rio de Janeiro. Ein Kindheitstraum, den sich der Herner gerne erfüllen wollte. Vier Spiele sah er in Südamerika, unter anderem die erste Partie der DFB-Elf gegen Portugal. Später, als es historisch wurde beim 7:1 gegen den Gastgeber im Halbfinale und im Endspiel gegen Argentinien, war Ulf Schwemin schon wieder zurück in der Heimat.

14-tägiges Hauptquartier in Salvador

Seine Reise begann gut vier Wochen zuvor mit der Ankunft in Salvador, das im tropischen Nordosten des Landes liegt. „Hier war für die 14 Tage unser Hauptquartier“, so der 42-Jährige. Im Vorfeld hatte er sich mit seinen Mitfahrern zunächst über das offizielle Verfahren auf Tickets in den Spielorten beworben. Und er hatte Glück. Nicht nur mit dem deutschen Spiel. Im Duell zwischen den Niederlanden und Spanien, der Wiederauflage des Finales 2010, hatten sie Plätze direkt hinter dem Tor. Dann besuchte Schwemin noch das Duell Frankreich gegen die Schweiz. „Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die ganze Reise schon gelohnt“, so der ehemalige Merklinde-Coach.

Es wurde noch besser, denn er sah auch noch das zweite Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana. Dafür ging es mit dem Flieger nach Fortaleza, anschließend direkt in den Bus und zum Stadion. „Das ist eigentlich nicht mein Ding. Ich plane die Fahrten lieber selbst“, erklärt Ulf Schwemin. „Wie wir später erfahren haben, war die Sicherheitslage vor Ort nicht gut, weshalb die auswärtigen Touristen direkt zum Spielort gebracht worden sind.“

Die Reise ging noch eine Station weiter: nach Rio de Janeiro. Auf dem Weg dahin traf Ulf Schwemin den ehemaligen Nationalspieler Arne Friedrich am Flughafen und ließ ein gemeinsames Bild schießen. „Leider“, sagt Schwemin, „war das Programm sehr straff.“ Hinfahren, Spiel gucken und weiter ging es. Und auch das Wetter spielte nicht wirklich mit. „Die Christus-Statue lag fast komplett im Nebel. Das war ärgerlich, aber immerhin ein guter Grund, noch einmal hinzufahren.“

Im Maracana sahen sie Belgien gegen Russland. „Dieses Stadion hat einfach einen gewissen Reiz für mich, wie das Bernabeu in Madrid oder die Liverpooler Anfield Road“, so der durch und durch fußballbegeisterte Ex-Merklinder. Nicht nur im Maracana war die Stimmung gut. Viele verkleidete Fans bevölkerten die Straßen rund um die Stadien. Für die Brasilianer waren die Eintrittspreise im Vorfeld extra gesenkt worden. Auch, weil die Sicherheitsvorkehrungen während der Weltmeisterschaft enorm verstärkt worden sind. „Trotzdem hatten wir immer ein wenig Kleingeld in der Tasche, um es bei möglichen Überfällen einfach herausgeben zu können.“

Partys in den engen Gassen der Städte

Das WM-Erlebnis ließen sie sich dabei nicht kaputtmachen, zum Beispiel an Ulf Schwemins Geburtstag, als sie in den engen Gassen einer Stadt die Nacht zum Tag machten. „Die Menschen dort waren so fröhlich, eine richtige Siesta.“

Die Freude im Land über die Gastgeberrolle sei dennoch zweigeteilt gewesen, irgendwo zwischen Stolz und Unverständnis, weil die ohnehin klammen Staatskassen weiter auf Kosten der einfachen Leute belastet wurden. Der Tenor der Einheimischen: Brasilien hat größere Probleme als Fußball.

Die WM in Russland und Katar reizt Schwemin nicht

Zur WM nach Russland, die am Donnerstag, 14. Juni, beginnt, fährt Schwemin nicht. Aus mehreren Gründen: hohe Eintrittspreise, kritische politische Lage im Land. Es reize ihn nicht, genauso wie Katar 2022. Schon eher das Jahr 2026. Dann wird das Turnier entweder in Marokko oder in Nordamerika (USA, Mexiko und Kanada) stattfinden. Entschieden wird das am Mittwoch, 13. Juni.

Welche Tipps hat Ulf Schwemin, der zuletzt wieder über den Jakobsweg pilgerte, für künftige Schlachtenbummler? „Gut planen und sich nicht zu viel zumuten“, sagt er. Und vielleicht trifft man sich dann 2026 – in Nordafrika oder Nord- und Mittelamerika.

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