Motocross

Spektakuläre Sprünge bei den Dirt Diggers in Lohberg

Dinslaken.  Die besten FMX-Fahrer der Welt trafen sich auf der Halde Lohberg in Dinslaken, um den ersten „Red Bull Dirt Diggers“-Champion auszufahren.

Es ist eine eigene Welt, die sich den Zuschauern auftürmt, nachdem man über einen staubig schottrigen Weg mit Bussen auf die Halde Lohberg gebracht wird. Hohe erdige Rampen, gespickt mit bunten Emblemen, gelbe schwere Bagger, Walzen und Raupen und eine kleine in den Farben blau und weiß gehaltene Zeltstadt zeichnen die Umgebung des ersten „Red Bull Dirt Diggers“-Events. Elektronische Musik beschallt das gesamte Gelände, zwischendurch durchfährt der Schatten der Rotorblätter der Windkraftanlagen die sonnengeflutete Haldenplattform.

Selfies mit den Zuschauern

Die Hauptakteure des Tages zeigen sich das erste Mal, als schon eine gute Menge der gut 3000 Zuschauern das Gelände erkundet haben. Einige der besten Freestyle-Motocross-, kurz FMX, Fahrer der Welt geben Autogramme neben ihren Maschinen und lächeln in die Smartphone-Linsen der Fans. Der Fahrer mit der längsten Schlange ist dabei definitiv Luc Ackermann. Der 21-jährige Thüringer aus Mühlhausen gilt als Favorit und will an diesem Tag ein weiteres Kapitel in das Buch seiner Sportlerkarriere schreiben.

Red Bull Dirt Diggers auf der Halde Lohberg
Red Bull Dirt Diggers auf der Halde Lohberg

Neben ihm steht der Berliner Kai Haase, auch er ist bei den deutschen Fans gefragt. „Eigentlich ist das immer so vor den Events. Ich habe mich schon daran gewöhnt, Selfies zu geben“, erklärt Ackermann routiniert. Nicht mit dabei ist der Spanier und ehemalige Weltmeister Meikel Melero, der verletzt abreisen musste. Die weiteren Fahrer kommen vom ganzen Globus: Pat Bowden und Jarryd McNeil aus Australien. Colby Raha und Brody Wilson aus den USA. Jamie Squibb aus England, David Rinaldo aus Frankreich und Gilles Dejong aus Belgien.

Die Anspannung ist bei den Fahrern zu spüren, denn das Dirt-Digger-Event kombiniert drei Kategorien der FMX-Welt in einem Wettbewerb. In der ersten Sektion, dem „Snake Run“, ist die fahrerische Kreativität gefragt mit Sprüngen bis zu 20 Metern Höhe. Im zweiten Abschnitt, dem „Compound“, gibt es eine Kombination aus riesigen Erd- und Metallrampen. Die dritte Herausforderung sind die „Big Dogs“, hier fahren die Athleten in zwei Gruppen gemeinsam.

„Es ist die Größe und Menge an Rampen und Disziplinen, die auch für uns etwas Neues sind. Viele sehen mich beim „Snake Run“ mit vorne, weil ich eine Race-Vergangenheit habe. Dadurch entwickelt sich schon auch bei mir ein gewisser Druck“, erklärt Haase.

Von Druck ist dann aber nichts mehr zu erkennen, als Haase im „Snake Run“ kreativ jede Rampe nach seinem eigenen System anfährt und sich bei einem sogenannten „Lazy boy“-Trick im Flug auf sein Motorrad legt, zur Freude der Fans. Haase wird zwischenzeitlich von den Wertungsrichtern an die Spitze gewählt.

Harte Landung

Für einen Moment scheint es so, als ob die Schwerkraft kurz Pause macht, wenn die Fahrer sich über die Rampen in die Luft schleudern, um dann noch Figuren oder Saltos vollführen. Dass diese Sportart aber nicht ungefährlich ist, zeigt die Fahrt von Pat Bowden, der an der höchsten Rampe des „Snake Run“ stürzt. Doch der Daumen geht schnell wieder nach oben und Bowden arbeitet sich weiter über den staubigen Untergrund. Auch Favorit Ackermann hält nicht hinter dem Berg und versucht direkt in seiner ersten Runde seinen Lieblingstrick, den „Double Backflip“, zu vollführen. Der doppelte Salto gelingt ihm noch, doch bei der Landung ist zu viel Druck auf dem Hinterrad und auch Ackermann steigt von seinem Bike.

Angst kennt der Deutsche aber nicht, in der nächsten Runde zieht er den Trick nochmal durch, die Menge jubelt und Ackermann winkt siegessicher von einem Hügel und spielt mit dem Gas . „Wenn ich stürze und ich merke, alles ist okay, will ich einfach nur zurück auf die Strecke“, erklärt er.

Auch in der zweiten Disziplin, dem „Compound“, geht es wieder hoch hinaus. Hier fährt sich der Franzose David Rinaldo in die Herzen der Zuschauer. Erst muss Rinaldo noch seinen Start verschieben, weil er technische Probleme mit seiner Maschine hat. Dann stürzt er bei einem „Tsunami“, einem Trick, bei dem der Fahrer sein Gefährt nur noch am Lenker festhält, während sein gesamter Oberkörper nach oben ausgestreckt ist. Doch auch Rinaldo zeigt sich unbeeindruckt, rappelt sich auf und fährt denselben Trick noch einmal. Luc Ackermann ist als Gesamtführender der letzte Fahrer und wird wieder durch einen Sturz aus dem Konzept gebracht. Kämpft sich aber in seine Runde und kann erneut mit einem „Double Backflip“ für Begeisterungsstürme am Ende seiner Performance sorgen.

In der dritten Sektion, den „Big Dogs“, fliegen die Athleten dann mit Abstand am weitesten, dabei fahren sie in zwei Gruppen zusammen. Luc Ackermanns Manager Oliver Franke blickt vor der Fahrt angespannt auf die zwei großen Hügel der dritten Strecke. „Ich hoffe, dass diesmal nichts passiert. Bis jetzt ist er in jeder Disziplin vom Bike gestürzt, das braucht kein Mensch“, meint Franke. Ackermann bleibt diesmal sturzfrei, zeigt mit seinen internationalen Kollegen, warum sie zur Weltspitze gehören. Die Physik wird noch einmal auf den Kopf gestellt, ganze dreißig Minuten fliegen sie nochmal über die Dinslakener Halde. Aktion nonstop ohne Angst und scheinbar mit viel Freude.

Haase überholt Vorbilder

Etwas ramponiert sieht Luc Ackermann dann doch aus, als er die goldene Siegerschaufel, in die die Initialen „Dinslaken 2019“ eingestanzt sind, in Empfang nimmt. Zweiter wird der Franzose David Rinaldo und Dritter der Mann aus Berlin, Kai Haase. „Für mich ist der dritte Platz ein super Erfolg. Ich habe Fahrer hinter mir gelassen, die eigentlich meine Vorbilder sind“, erklärt Haase stolz mit seiner bronzenen Schaufel in der Hand. Auch Ackermann ist überwältigt von seinem Sieg: „Ich kann einfach nur danke sagen, den ganzen Zuschauern den Veranstaltern. So etwas Großes wie diesen Dirt-Diggers-Parcours heute gibt es auch für uns nur ganz selten. Ich hoffe, dass wir jetzt häufiger auf solchen Geländen fahren werden.“ Vielleicht also kommen sie wieder nach Dinslaken, die furchtlosen Männer auf ihren knatternden Gefährten, die für einen Moment die physikalischen Gesetze für einen kurzen Moment außer Kraft setzen können.

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