Wrestling

Dinslaken: Toby Blunt macht Wrestler für Ringkämpfe fit

Trainer Tobias Schumacher alias Toby Blunt bereitet Wrestling-Champion Lexa Valo (Alexandra Lippmann) auf künftige Titelkämpfe vor.

Trainer Tobias Schumacher alias Toby Blunt bereitet Wrestling-Champion Lexa Valo (Alexandra Lippmann) auf künftige Titelkämpfe vor.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Der Dinslakener hatte die aktive Karriere schon beendet und nur noch den Nachwuchs trainiert. Dann entfachte eine Wrestlerin wieder sein Feuer.

Die schwere Langhantel ruht auf ihren Schultern, die Hände umschließen das Eisengewicht fester. Jetzt beginnt die junge Frau mit tiefen Kniebeugen. Tobias Schumacher sichert Alexandra Lippmann dabei und treibt sie an, das Gewicht hoch zu wuchten. Zurück in die Hocke, wieder hoch. Einmal, zweimal, zehnmal. Der Dinslakener ist Wrestling-Trainer und sein Schützling ein amtierender Champion. Seit der Coronakrise besuchen die beiden natürlich kein Fitnessstudio mit solchen Gewichten mehr. Zuhause müssen sie nun mit Kettleballs und dem eigenen Körpergewicht trainieren. Denn der nächste Titelkampf kommt bestimmt.

„Ich liebe Wrestling“, sagt Schumacher, den Fans unter seinem Ringnamen Toby Blunt kennen. Begonnen hat die Leidenschaft des 32-jährigen, als er in den 90ern die Sportart auf der Spielekonsole kennenlernte. Dann schaute er vorm Fernseher die Liga WCW und fieberte für Goldberg und Rey Mysterio. Jedoch erst 2007 erfuhr er auf einer Party, was sein Leben verändern sollte: „Es gab tatsächlich Wrestling in meiner Nachbarschaft“, beim Bottroper Verein FCW. „Ich war beim Probetraining und bin nie wieder gegangen.“

Wrestler bieten Schaukämpfe mit spektakulären Aktionen

Für sein Debüt schuf er 2009 die Kunstfigur Toby Blunt. Denn Wrestler sollen überlebensgroß sein und den Kampf Gut gegen Böse ausfechten – mit spektakulären Würfen, Tritten, Sprüngen und Aufgabegriffen. „Der Zuschauer darf nie glauben, dass er selber könnte, was er im Ring sieht.“ Um dies zu erreichen, unterstützen sich die Gegner insgeheim. Auch der Sieger steht vorab fest, denn Wrestling ist kein Wettstreit, sondern Schaukampf.

„Anders als beim Kickboxen ist bei uns nicht derjenige der Beste, der die härtesten Tritte austeilt“, erläutert Schumacher. Vielmehr gehe es um sichere Aktionen, die atemberaubend wirken sollen. Wrestler müssen sie aber glaubwürdig ausführen und auch einstecken können – und dabei ihren Gegner gut aussehen lassen.

„Unsere blauen Flecken und der Muskelkater sind aber echt“, betont Schumacher. Daher sei er sehr pingelig bei den Grundlagen, beim Abrollen oder Fallen. „Ich bin sehr auf Sicherheit bedacht und möchte, dass meine Leute heil bleiben.“ Denn er selbst stieg oft verletzt in den Ring. Ist ein Nerv im Nacken eingeklemmt? Dann setzt der Gegner eben keinen Schwitzkasten an. Das Knie oder der Arm sind lädiert? „Da kann man drumherumarbeiten“, weiß er – und rät als Trainer zur Vorsicht.

Sein Feuer für Ringkämpfe ist wieder neu entfacht

Diesen Rat hat er auch Alexandra Lippmann oft gegeben, seit er sie als Anfängerin vor drei Jahren in der WXW Academy kennenlernte. Diese Wrestlingschule hatte Schumacher mit aufgebaut wie auch deren Vorgänger, das Westside Dojo. Nachdem der Oberlohberger jahrelang fast jedes Wochenende dem Wrestling geopfert hatte, schickte er Toby Blunt nach einer Schulterverletzung in Rente und widmete sich der Nachwuchsförderung. „Aber Alexa hat in mir wieder das Feuer gezündet.“ Sie wollte ihn unbedingt kämpfen sehen, und so nutzte er 2017 spontan eine Gelegenheit für sein Comeback. Danach verwandelte er Toby Blunt von einem Ruhrpott-Proleten in den „Manticore“, ein mysteriöses, maskiertes Wesen. Das Sprechen übernimmt Lippmann in der Rolle seiner Managerin Lexa Valo, aber die beiden treten auch als Duo gegen gemischte Teams an.

Der Dinslakener ist bei den Athleten ebenfalls als Masseur sehr gefragt

Die beiden Freunde unterstützen sich auch privat, umso mehr seit sie die WXW Academy verließen und international in der Szene unterwegs sind. „Wir wohnen, trainieren und reisen zusammen“, sagt Alexandra Lippmann, die aktuell Schumachers einzige Athletin ist. „Er hat sein ganzes Leben meiner Karriere untergeordnet“, schwärmt sie. „Ohne Toby wäre ich nie in einem Ring gelandet und nie in England.“ Dort startet sie als Lexa Valo durch und ist Champion der Liga British Empire Wrestling (BEW). Dagegen bleibt der Dinslakener wegen eines gerissenen Kreuzbands hinter den Kulissen. Seine Tipps, wie man Aktionen sicherer ausführt und kontert, sind dort bei vielen Wrestlern gefragt. Auch sein Talent als Masseur, mit dem er in einer Physiopraxis den Großteil seines Geldes verdient.

Bevor er selbst in den Ring zurückkehrt, muss erst das Kreuzband operiert werden und genesen. Bis dahin konzentriert er sich darauf, Lexa Valo verstärkt fördern – und das vielleicht irgendwann mit eigener Wrestlingschule.

>> Die Coronakrise trifft auch die Wrestling-Szene hart

Die Coronakrise trifft Wrestler hart, aber auch Tobias Schumacher als Wrestlingtrainer. So ist der Dinslakener eigentlich fünfmal pro Woche zusammen mit Alexandra Lippmann im Fitnessstudio. Denn die Athletin möchte fitter werden und noch einige Kilos an Muskelmasse aufbauen. „Je stärker ich bin, umso weniger verletze ich meine Gegner und mich selbst“, sagt die 30-Jährige.

Weil die Studios geschlossen sind, trainiert Schumacher die Wrestlerin jetzt zuhause mit Kettleballs, dem eigenen Körpergewicht oder lässt sie Übungen machen, über deren Reihenfolge ein Kartenspiel entscheidet. Möglich ist dies, weil die beiden inzwischen als Mitbewohner in Duisburg leben. „Einen Ersatz für Ringtraining gibt es aber nicht“, betont der Trainer, der statt dessen nun Theoriestunden vorm Bildschirm verordnet.

Ohnehin seien viele Wrestler jetzt sehr in den Sozialen Medien aktiv, um ihren Fans etwas zurückzugeben. Denn während die Muckis zu schrumpfen drohen, sind alle Kämpfe längst abgesagt – und das merken die Athleten auch auf dem Konto. „Die meisten von uns sind Tagelöhner“, erklärt Schumacher. Bezahlt werde man von Kampf zu Kampf und die Gagen seien nicht gerade üppig. Daher arbeiten fast alle noch in einem weiteren Beruf. Jetzt können Fans ihnen jedoch helfen, indem sie T-Shirts, Autogrammkarten oder Poster der Wrestler in deren Online-Shops kaufen – und später dann endlich wieder Eintrittskarten für Wrestling-Shows.

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