100 Jahre VfB Lohberg

Handball stand beim VfB Lohberg auf der Kippe

Handball in Gelb und Schwarz, hier gegen Jahn Hiesfeld, gibt es schon seit 90 Jahren.

Handball in Gelb und Schwarz, hier gegen Jahn Hiesfeld, gibt es schon seit 90 Jahren.

Foto: Markus Joosten

Handball ist beim VfB Lohberg seit langem der kleine Bruder des Fußballs. Einige Jahre vor dem Jubiläum stand die Abteilung aber auf der Kippe.

Ihr 100-jähriges Jubiläum feiern die Handballer in diesem Jahr noch nicht. Aber auf knapp 90 Jahre Handball in Lohberg können sie zurückblicken. Karl Boß war es damals, der für den Sport beim VfB Lohberg warb. Bereits im Gründungsjahr 1930 meldete der Verein zwei Herrenmannschaften für den Spielbetrieb – damals noch auf dem Feld. In den ersten Jahren gelangen der ersten Mannschaft, aus der Kreisklasse kommend, gleich einige Aufstiege. Fünf Jahre später, ab dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, wurde ein Großteil der Mannschaft eingezogen und der Spielbetrieb eingestellt.

Wiederaufbau ab 1950

Nach Kriegsende begann 1950 der Wiederaufbau. Der Aufstieg in die Bezirksliga ließ nur vier Jahre auf sich warten. Aufgrund einer fehlender Jugendarbeit konnten sie die Klasse nicht halten. Eine Jugendabteilung musste her.

„Auf die Jugend wurde von da an besonderer Wert gelegt. Bis zum Wegfall des Nachwuchses 1994 konnten wir jedes Jahr mindestens vier Jugendmannschaften stellen“, erinnert sich Eleonore Lipienski, die das Amt der Jugendwartin ab 1986 bekleidete. Die Jugendarbeit trug Früchte: 1964 konnten die A-Jugendlichen ein Turnier in Berlin für sich entscheiden. Der Nachwuchs unterstützte dann auch beim bis dahin größten Erfolg der Geschichte: Am 10. Mai 1964, um 12.10 Uhr ertönte der Schlusspfiff beim Spiel gegen Essen, und die „Knappen“ standen als Aufsteiger in die Landesliga fest.

Der in Deutschland aufstrebende Hallenhandball rückte den Sport auf dem Rasen immer weiter in den Schatten. Im Jahr 1974 wurde deswegen der Spielbetrieb eingestellt, im gleichen Jahr schafften die Hallensportler den Aufstieg in die Bezirksliga. Von dort an begann eine wilde Achterbahnfahrt zwischen Kreis- und Bezirksliga.

In nahezu jedem Jahr gelang den Handballern entweder der Aufstieg in die Bezirksliga – oder es folgte sogleich der darauffolgende Abstieg. In diesen Jahren wuchs die Jugendabteilung immer stärker, erzählt Eleonore Lipienski: „Wir haben die Jugendlichen immer stark gefördert. Mit der B-Jugend konnten wir sogar ein Jahr in der Oberliga spielen. Ein ganz wichtigen Teil zur Jugendarbeit trug Kurt Mokros bei, der 1986 leider verstorben ist und mein Vorgänger im Amt war.“

Seit 1970 gibt es Damenhandball

In der Saison 1977/78 bestand die gesamte erste Mannschaft aus Spielern der eigenen Jugend. Und das sollte belohnt werden: 1984 stiegen die Männer in die Landesliga auf.

Die Damenabteilung beim VfB Lohberg erblickte am 22. Mai 1970 das Licht der Welt. Die Eheleute Paul und Renate Schmitz trainierten die Mannschaft damals. Im selben Jahr meldete der Verein zwei Damenmannschaften für die Feldhandballsaison an. Mit dem Aufstieg in die Oberliga auf dem Rasen verzeichneten die Damen ihren größten Erfolg – der Spielbetrieb wurde jedoch genau in diesem Jahr vom Verband eingestellt. In derselben Saison gelang den Hallensportlerinnen der Aufstieg in die Verbandsliga. Nach einigen Auf- und Abstiegen in den unteren Ligen meldete sich die Damenabteilung Anfang der 90er-Jahre allerdings vom Spielbetrieb ab.

Noch vor einigen Jahren (2013) stand es schlecht um den Handballsport unter dem Zechenturm. Durch den fehlenden Nachwuchs war sogar die Auflösung der ersten Herrenmannschaft ein Thema. „Auf einmal standen da sieben Spieler vom TV Jahn Hiesfeld in der Halle und wollten geschlossen im Herrenbereich weiterspielen“, erinnert sich Abteilungsleiter und Trainer Thorsten Lipienski. „Ich konnte dann nicht aufhören, als ich gesehen habe, dass die Jungs richtig Bock haben, Handball zu spielen.“ Kurz nach Zusammenschluss der beiden Mannschaften folgte der Aufstieg in die Kreisliga.

Heute kämpft die einzige Lohberger Mannschaft in der Kreisliga für bessere Handballzeiten. In der vorherigen Saison verfehlten die Handballer knapp den Aufstieg. Für Kapitän Alexander Hosters sind die Gründe für den diesjährigen Abstiegskampf klar: „Wir können die Abgänge nicht kompensieren und haben dazu noch einige Verletzte, die die gesamte Saison ausfallen.“ Weniger Spaß macht es dennoch nicht: „Wir haben einen Mannschaftszusammenhalt, wie man ihn sonst kaum findet. Auch außerhalb der Halle unternehmen wir viel zusammen.“

So stand vor einiger Zeit eine gemeinsame Planwagenfahrt an und nach fast allen Spielen ein Besuch in den Dinslakener Kneipen. Eine Mannschaftsfahrt gehört darüber hinaus nach jeder Saison dazu.

Spielbetrieb wird fortgesetzt

„Es gab schon Spieler, die nur wegen den Mannschaftsfahrten den Weg zu uns gefunden haben“, erzählt der 25-jährige Kapitän und lacht. Die letzte Neuverpflichtung war Tobias Lüdecke, der seine Jugendzeit beim MTV Rheinwacht Dinslaken verbrachte. „Die meisten Jungs kenne ich aus meinem Freundeskreis, und es macht seit dem ersten Training richtig Spaß“, erzählt der 22-jährige Neuzugang. „Ich wurde herzlich aufgenommen und komme mit allen super klar.“

„Die Jungs machen Lust auf mehr“, bekräftigt der Abteilungsleiter Thorsten Lipienski. So verwundert es nicht, dass der Spielbetrieb der Handballer fortgeführt werden soll: „Wir werden alles dafür geben, dass wir auch in den kommenden Saisons im schwarz-gelben Dress auflaufen können.“

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