Dinslakener Ultraläufer

Jens Werbonat läuft, so weit ihn die Beine tragen

Der Dinslakener Jens Werbonat startete beim Burginsellauf 2019 in Delmenhorst.

Der Dinslakener Jens Werbonat startete beim Burginsellauf 2019 in Delmenhorst.

Foto: Werbonat

Dinslaken.  Der Dinslakener Jens Werbonat liebt sportliche Herausforderungen. Er startete zum wiederholten Mal beim 24-Stunden-Burginsellauf in Delmenhorst.

Der kleine Junge meinte es bestimmt nicht böse. Er wusste ja nicht, von wem die Plastikdose stammte, die da auf dem Weg lag. Dass sie Jens Werbonat gehörte. Dem Mann, der gerade den 24 Stunden langen Burginsellauf in Delmenhorst absolviert hatte und nun für einen Moment erschöpft am Streckenrand ausruhte. Die kleine Dose im Blick, auf der seine Startnummer stand, die er augenblicklich nach der Schlussfanfare fallen gelassen hatte. Denn mit Hilfe der Dose wurde die genaue Laufleistung der Teilnehmer vermessen. Das alles wusste der Junge nicht, der eben kurz nach dem Lauf mit seinem Vater an dem Dinslakener Werbonat vorbeikam und dessen Plastikdose einfach mal mit Schwung ins Gebüsch kickte. Der 46-Jährige war zu entkräftet, um das wichtige Utensil zurück zu holen, hatte aber Glück, dass Helfer ihm wenig später die Arbeit abnahmen, so dass der Ultraläufer doch noch sein Ergebnis bekam: Von 12 Uhr mittags bis zum nächsten Tag um die gleiche Zeit lief Werbonat 211,615 Kilometer.

Den vierten Rang belegte der Hiesfelder Architekt damit in der Gesamtwertung, in der Altersklasse M45 wurde er sogar Zweiter. Doch die Platzierung hat für ihn gar nicht mal Priorität, es ist die besondere Herausforderung für Körper und Geist, die ihn antreibt. Seit Jahren nimmt Jens Werbonat an Läufen teil, deren Länge manch andere nicht einmal mit dem Auto gerne am Stück zurücklegen. In diesem Jahr steht wieder einmal ein außergewöhnlicher Höhepunkt auf dem Plan: Der Spartathlon Ende September, ein 246 Kilometer langer Ultramarathon von Athen nach Sparta. Darauf arbeitet er hin, und der Burginsellauf gehörte wie schon im Jahr 2015 zur Vorbereitung.

Mehr Landschafts- als Kreis-Läufer

Dabei ist die Veranstaltung in einer Delmenhorster Parkanlage für den Dinslakener eher untypisch, da sie über eine 1205 Meter lange Runde führt, die immer wieder durchlaufen wird. „Eigentlich bin ich kein Kreis-Läufer, mehr ein Landschaftsläufer“, sagt Jens Werbonat. Aber die Atmosphäre und die Streckenführung gefällt ihm: Es geht über ein kurzes waldähnliches Stück an einem Spielplatz vorbei, ein längeres Stück an der eigentlichen Burginsel am Wasser entlang, schließlich bis zu einer Hauptstraße und wieder Richtung Start und Ziel über gepflasterte Wege, einen befestigten Waldweg, feinsten, festen Schotter und Asphalt. Am Streckenrand sorgen Bands, Sambagruppen, Lagerfeuermusik und optische Elemente wie eine Feuershow für Abwechslung, die variantenreiche Verpflegung mit Nahrung und Getränken am Streckenrand setzt zudem Maßstäbe. „Es gab allein elf verschiedene Säfte“, staunte der Dinslakener, der sich aber lieber an Wasser, Cola, elektrolythaltigen Getränken und alkoholfreiem Bier bediente.

220 Kilometer waren das Traumziel

Sportlich hatte sich Werbonat vorgenommen, die 220-Kilometer-Distanz anzugreifen. Dazu hatte er sich eine Taktik zurechtgelegt: 110 Kilometer im Schnitt von 6 Minuten pro Kilometer, anschließend 55 Kilometer in 6:30 Minuten und dann 55 Kilometer in 7:30 Minuten pro Kilometer, wobei die Erholungspausen zwischendurch immer etwas verlängert werden sollten. „Bis Kilometer 130 ging die Taktik auf“, sagt der 46-Jährige. Dann musste er der Belastung Tribut zollen: „In den Oberschenkeln war schon früh der Wurm drin“, so Werbonat. Bereits am Anfang bemerkte er seine Beine ähnlich stark wie normalerweise erst nach 60 oder 70 Kilometern. „Insofern bin ich fast 24 Stunden gegen meine Beine angerannt“, blickt der Läufer zurück.

Trotzdem übertraf er seine angesetzte Mindestdistanz von 200 Kilometern am Ende deutlich. „Ich bin mit 211,615 Kilometern ziemlich genau in der Mitte zwischen Minimalziel und Traumziel und damit mehr als nur zufrieden“, meint Jens Werbonat. Zumal die Temperaturen bei tagsüber 22 bis 23 und nachts bis 13 Grad Celsius für ihn nicht ganz optimal, aber doch „gut“ waren: „Ich komme generell mit Wärme oder sogar Hitze gut zurecht.“

Alle 25 Kilometer eine Flagge

In der Endabrechnung kamen lediglich drei Läufer auf eine größere Gesamtstrecke, davon zwei Jüngere und in seiner Altersklasse M45 nur Gesamtsieger Patrick Hösl, der 243,045 Kilometer absolvierte; das entspricht 26 Runden mehr als Werbonat. Der bekam wie alle Läufer, die mehr als 100 Kilometer zurücklegten, ab dieser Marke in 25-Kilometer-Schritten kleine Flaggen mit auf die Runde, anhand derer die Zuschauer sehen konnten, welche Distanz die Starter bereits geschafft hatten. „Diese Runden liefen wie von selbst“, sagt der Ultraläufer, „besonders die mit der 200-Kilometer-Flagge in der Hand“.

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