Militärjubel

Militärgruß im Amateur-Fußball am Niederrhein unerwünscht

Salutieren vor den Fans: die türkischen Fußball-Nationalspieler (v.li.) Burak Yilmaz, Merih Demiral und Umut Meras. Szenen wie diese beschäftigen derzeit auch den Amateurfußball.

Salutieren vor den Fans: die türkischen Fußball-Nationalspieler (v.li.) Burak Yilmaz, Merih Demiral und Umut Meras. Szenen wie diese beschäftigen derzeit auch den Amateurfußball.

Foto: Thibault Camus / dpa

Am Niederrhein.  Der Streit um den Militärgruß schlägt hohe Wellen. So bereitet der Fußballverband Niederrhein seine Schiedsrichter aufs kommende Wochenende vor.

Die Anweisung kam am Donnerstagmittag von höchster Stelle. DFB-Lehrwart Lutz Wagner informierte Andreas Thiemann, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Fußballverband Niederrhein (FVN), darüber, dass es keine persönliche Strafe, sprich Gelbe Karte, für das Zeigen des Militärgrußes geben wird. Aber: Die Unparteiischen sollen solche Vorfälle schriftlich in die Spielberichte eintragen, anschließend sind dann die jeweiligen Sportgerichte für das weitere Vorgehen verantwortlich.

Teile der türkischen Nationalmannschaft hatten in den beiden vergangenen EM-Qualispielen gegen Albanien und in Frankreich während und nach den Partien mit dem Salut gejubelt. Thiemann geht derweil davon aus, dass es solche Vorfälle am Wochenende auf den Sportplätzen am Niederrhein geben wird: „Das wird mit Sicherheit vorkommen.“ Bislang ist das im Verbandsgebiet laut FVN-Sprecher Henrik Lerch noch nicht der Fall gewesen, im Kreis Recklinghausen aber schon.

FVN: „Distanzieren uns von diesem Gruß“

Regeltechnisch sei nach Angaben von Thiemann der Militärgruß ähnlich einer religiösen Botschaft auf einem T-Shirt unter dem Trikot, die ebenfalls nur schriftlich festgehalten wird. „Wir distanzieren uns von diesem Gruß. Diese Aktionen stimmen nicht mit den Werten überein, die der FVN vertritt“, hält Henrik Lerch fest. „Das hat weder in der EM-Quali, noch auf den Sportplätzen in der Kreisliga vor einer Handvoll Zuschauern etwas zu suchen.“

Bevor die offizielle Anweisung kam, waren mehrere Schiedsrichter-Obmänner der Fußballkreise selbst nicht so sicher, wie sie reagieren sollten. Norbert Brunnstein, Chef im Kreis Rees/Bocholt, hatte bereits die richtige Ahnung. „Was sollen die Referees da groß machen? Jeder Schiedsrichter sollte solche Vorfälle schriftlich in den Spielbericht eintragen. Das ist die vernünftigste Lösung.“ Der Verband sah es ebenso.

Brunnstein verwies auf besonderen Jubel von Profis, zum Beispiel Bogenschützen oder nachgestelltes Feuern mit Maschinengewehren. „Hier müssen die Unparteiischen auch bewerten, wie sie das finden.“

Kreis Rees/Bocholt will am Montag Erfahrungswerte zusammentragen

Grundsätzlich schreibt das Regelwerk vor, dass Jubelszenen zu keiner übermäßigen Spielverzögerung führen dürfen. Ein Spieler wird verwarnt, wenn er an einem Zaun hochklettert, mit provozierenden oder höhnischen Gesten jubelt, das Gesicht mit einer Maske verdeckt oder das Trikot über den Kopf oder gar ganz auszieht.

Aufgrund der möglichen Nachfragen forderte Brunnstein den Verband auf, schnellstmöglich zu reagieren, „damit ich den Schiedsrichtern etwas an die Hand geben kann“. Dem kam der FVN schließlich wenige Stunden später auch nach. Beisitzer Karl-Jörg de Jong kündigte an, dass der Kreis Rees/Bocholt am kommenden Montag bei der monatlichen Schulung Erfahrungswerte zusammentragen werde.

Florian Weinmann, Beisitzer im Schiedsrichterausschuss für Dinslaken/Mülheim/Duisburg, hielt sich bedeckt mit Vermutungen über mögliche Strafen. Seine Hoffnung, dass der FVN reagieren werde, erfüllte sich später.

Carlos Prada, verantwortlich für den Kreis Oberhausen/Bottrop, riet seinen Unparteiischen, sich ohne genaue Anweisungen an das Regelwerk zu halten. „Darauf sollte man sich stützen“, so Prada. „Ich finde es aber generell schlimm, wenn politische Themen auf die Spielfelder übertragen werden.“

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