Extremsport

Voerder Extremsportler bewältigen den Mega Marsch

Chantal Homscheid und Benjamin Bose haben es geschafft: 108 Kilometer von München nach Mittenwald.

Chantal Homscheid und Benjamin Bose haben es geschafft: 108 Kilometer von München nach Mittenwald.

Foto: Homscheid/Bose

Voerde.  Innerhalb von 22 Stunden bewältigen die Voerder Chantal Homscheid und Ben Bose 108 Kilometer – zu Fuß. Das Duo äußert Kritik am Veranstalter.

Frisch und erholt sehen Chantal Homscheid und Benjamin Bose aus. An diesem sonnigen Tag in Voerde fällt es fast schwer, an den 11. Mai zurückzudenken. Jener Tag, als die beiden Personaltrainer 100 Kilometer zu Fuß bewältigten. Durch felsige Serpentinen haben sie sich gekämpft, Schnee und jede Menge Regen bekamen sie ab. „Aufgeben ist ein Grundgedanke, der über mehrere Stunden existent ist, aber nicht die Oberhand im Kopf bekommen darf“, sagt Bose.

Die beiden haben es geschafft – 100 Kilometer in unter 24 Stunden. Von München bis Mittenwald. „Wir waren heiß am Start. Ich wäre am liebsten schon vor dem Frühstück losgelaufen“, berichtet Homscheid.

„Wir hatten Lust, aber natürlich auch Respekt vor der Herausforderung“, ergänzt Bose. Im Gespräch mit den anderen der gut 3000 Starter müssen sie im Vorfeld das eine oder andere Mal schlucken. „Da waren Leute, die die Strecke zu 80 Prozent abgelaufen sind und sich ziemlich sicher gefühlt haben“, erzählt Homscheid. Offiziell schafften es nur 600 Teilnehmer ins Ziel, laut Homscheid und Bose waren es aber eigentlich noch viel weniger.

Start trotz Unwetterwarnung

Homscheid und Bose trainierten seit dem vergangenen Oktober 2018, mit viel Demut gehen sie die Herausforderung letztlich an. „Wenn du nicht zu 100 Prozent fit bist, brichst du ab, da kann man auch nichts gegen machen“, beschreibt Homscheid die Ausgangslage.

Trotz einer Unwetterwarnung für den Großraum München startete der Marsch. Ständiger Begleiter: der Regen. Das Blut tropfte irgendwann aus den Schuhen, immer mehr Teilnehmer brachen ab. Homscheid und Bose bissen sich durch. „Wir hatten zwischen ein und drei Uhr eine richtig gute Phase, in der wir viele Leute überholt haben. Wenn du einmal in deinem Rhythmus drin bist, dann läuft es“, erinnert sich Bose.

Pausen sind mit Vorsicht zu genießen. Den müden Körper wieder in Tritt zu bringen, braucht die meiste Kraft. „Wir habe manchmal eine Viertelstunde gebraucht, um überhaupt wieder loszulaufen“, erzählt Homscheid. Die Verpflegung ist für die beiden Extremsportler gewöhnungsbedürftig: Russisch Brot und Salzstangen, aber auch Energieriegel. Aber das viel größere Ärgernis: eine fehlende Proviantstation zwischen den Kilometern 40 und 75. „Du fieberst dem Moment entgegen und dann ist da nichts, obwohl eigentlich etwas vorgesehen war. Sich dann zu sagen, okay jetzt läufst du nochmal sechs Stunden bis zur nächsten Station, ist dann echt schwierig“, sagt Bose.

Unfaire Mitstreiter

Unfair wird es im Gebirge: „Wir mussten ein paar Gipfel hoch, und wenn du dann im Tal Teilnehmer siehst, die sich mit dem Taxi fahren lassen, dann ist das in dem Moment schon ein Schlag ins Gesicht. Wenn man aufgibt okay, aber sich dann auch noch im Ziel eine Finisher-Urkunde zu holen, das finden wir frech“, erklärt Homscheid.

Hinzu kommt, dass die Strecke länger ist – 108 statt der angegebenen 100 Kilometer. Mit Blasen und jeder Menge anderer körperlichen Schmerzen erreichten Chantal Homscheid und Benjamin Bose Mittenwald. Mit Abzügen von Pausen brauchten die beiden 22 Stunden.

Zur Belohnung in den Biergarten

Die verdiente Belohnung: Ein kühles Weizen in einem Biergarten. Auch für den guten Zweck sind die beiden angetreten. Unter dem Motto: „Bärenstark 100 Kilometer“ sammelten sie mit ihrer Laufaktion über 1500 Euro für das Malteser Kinder- und Jugendhospiz in Duisburg. „Wir haben uns kein Ziel gesetzt, sondern haben es einfach laufen lassen. Jetzt wollen wir uns bei allen bedanken, die uns unterstützt haben“, sagt Homscheid.

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