Fußball

Als Fortuna Düsseldorf Abschied von Europa nahm

Wimpeltausch im Hinspiel am 4. März 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion: Fortunas Kapitän Gerd Zewe (li.) und Benficas Humberto Coelho mit Schiedsrichter Eduard Sostaric aus dem damaligen Jugoslawien.

Wimpeltausch im Hinspiel am 4. März 1981 im Düsseldorfer Rheinstadion: Fortunas Kapitän Gerd Zewe (li.) und Benficas Humberto Coelho mit Schiedsrichter Eduard Sostaric aus dem damaligen Jugoslawien.

Foto: imago

Düsseldorf.  Ein Blick in die Vereinsgeschichte: Am 18. März 1981 bestritt Fortuna Düsseldorf ihr bis heute letztes Europapokalspiel.

In der Bundesliga ruht auf absehbare Zeit der Ball, nicht nur für Fortuna. Was die europäische Ebene betrifft, ruht er aus Düsseldorfer Sicht allerdings schon sehr lange – auf den Tag genau 39 Jahre lang. Am 18. März 1981 liefen Fortunas Profis zum Rückspiel des Viertelfinales im Europapokal der Pokalsieger ins Estadio da Luz von Lissabon ein. Ihr Gegner war eine große Hausnummer im Weltfußball: Benfica, der Verein der portugiesischen Fußball-Legende Eusebio und zum Zeitpunkt der Partie bereits zweimaliger Gewinner des Europapokals der Landesmeister. An jenem Mittwochabend ahnte wahrscheinlich niemand im Düsseldorfer Tross, dass es der letzte Auftritt einer Fortuna-Mannschaft auf europäischer Ebene für mindestens vier Jahrzehnte sein sollte.

Die Vorgeschichte zum Gastspiel der Rheinländer bei Benfica ließ eher vermuten, dass Fortuna ein häufigerer Gast in den UEFA-Wettbewerben bleiben könnte. Von 1973 an hatte sie immerhin 29 Partien im UEFA-Pokal und dem Europapokal der Pokalsieger, die gemeinsam die Vorläufer der heutigen Europa League bildeten, bestritten. Darunter waren ganz besondere Momente wie der deutsch-deutsche Vergleich mit Lokomotive Leipzig aus der damaligen DDR 1974 (2:1 und 0:3) und natürlich als unumstrittener Höhepunkt das Europacup-Finale am 16. Mai 1979 in Basel gegen den FC Barcelona (3:4 nach Verlängerung).

Klare Sache gegen Salzburg

Mit dieser jüngeren Geschichte im Rücken war es dann auch alles andere als eine Sensation, dass die von Kapitän Gerd Zewe angeführte Truppe auch knapp zwei Jahre nach Basel wieder unter die letzten acht Mannschaften des Wettbewerbs vorgestoßen war. In der ersten Runde des Pokalsieger-Cups 1980/81 hatte Fortuna Österreichs Vertreter Austria Salzburg mühelos mit 5:0 und 3:0 eliminiert, und auch in Runde zwei, zugleich schon das Achtelfinale, war die von Heinz Höher trainierte Mannschaft ohne Gegentreffer geblieben: 0:0 und 1:0 gegen Thor Waterschei aus Belgien.

Nun also das große Benfica. Zum Viertelfinal-Hinspiel am 4. März 1981 kamen immerhin 32.000 Zuschauer ins Rheinstadion, was für damalige Verhältnisse eine sehr beachtliche Zahl war. Zum Vergleich: Das Halbfinale zwei Jahre zuvor gegen den tschechoslowakischen Klub Banik Ostrau hatten gerade 18.000 Menschen besucht. Benfica war eben eine andere Hausnummer – nicht allein wegen der vielen in Deutschland lebenden Portugiesen, die das Spitzenteam ihres Landes live erleben wollten.

Ungewöhnliches Trikot

Im ungewohnten und historisch letztlich einmaligen gelb-blauen Dress ging Fortuna durch Rüdiger Wenzel (2.) und Ralf Dusend (39.) zwar zweimal in Führung, musste sich dann aber mit einem 2:2 zufriedengeben. Keine gute Ausgangsposition für das Rückspiel an jenem 18. März 1981 in Lissabon, denn aufgrund der Auswärtstor-Regel mussten die Düsseldorfer dort gewinnen oder ein Unentschieden von 3:3 aufwärts erreichen, um erneut ins Halbfinale einzuziehen.

Stattdessen gab es eine 0:1-Niederlage. Bis zur 87. Minute hielt Fortuna die Begegnung offen, doch dann schoss Fernando Chalana Benfica ins Semifinale. Düsseldorf spielte in diesem Wettbewerb trotzdem noch eine Rolle, denn im Mai stieg das Finale im Rheinstadion: Den 2:1-Sieg von Dynamo Tiflis (UdSSR) über Carl Zeiss Jena (DDR) wollten allerdings nur 4750 Zuschauer sehen. Die Fortuna wartet seitdem auf ihren nächsten Europapokal-Einsatz – ein volles Haus wäre heute wohl garantiert. (jol)

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