Eishockey

DEG beklagt fehlende Unterstützung der Politik

Ein Zweikampf zwischen Haie-Spieler Colby Genoway (l.) und dem Düsseldorfer Marc-Athony Zanetti aus dem Oktober des vergangenen Jahres. Bald sollen Fans solche Szenen wieder im Stadion erleben können.

Ein Zweikampf zwischen Haie-Spieler Colby Genoway (l.) und dem Düsseldorfer Marc-Athony Zanetti aus dem Oktober des vergangenen Jahres. Bald sollen Fans solche Szenen wieder im Stadion erleben können.

Foto: Roberto Pfeil / dpa

„20 Prozent Zuschauer und keine Mittel, die Situation ist für uns natürlich desaströs“, sagt DEG-Geschäftsführer Stefan Adam

Harold Kreis hat am Mittwoch die kleine Eishalle an der Brehmstraße besucht. Das ist jetzt keine Sensation, immerhin ist Kreis Trainer der Düsseldorfer EG. Aber dieses Jahr ist eben alles anders. Erst recht in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), in der Kurzarbeit gilt.

Mannschaftstraining ist bis zum Start der Vorbereitung verboten, den Spielern bleibt nur, durch Wälder zu laufen, Gewichte zu stemmen und in kleinen Gruppen privat aufs Eis zu gehen.

Training nur privat möglich

Die Betonung liegt auf privat, sonst ist das Kurzarbeitergeld in Gefahr. Also geht es nur darum, nach einem halben Jahr ohne Eis Schlittschuh zu laufen und ein Gefühl für Schläger und Puck zu bekommen. Weder ist die DEG involviert noch ist das Training im eigentlichen Sinne – Trainer Kreis muss gar außerhalb des Plexiglases stehen, ohne Ansagen, ohne vorher Übungen zu besprechen. „Gewöhnungsbedürftig“ sei das, sagt Kreis, „aber es ist, wie es ist“. Seit Monaten kann der 61-Jährige seinem Beruf nicht nachgehen, ist meist zu Hause in Mannheim, kümmert sich um den Hund. Mit Eishockey habe er sich lange „nicht vertieft beschäftigt“.

Erst vor einigen Wochen änderte sich das, Kreis nahm online am Trainer-Symposium der Eliteliga NHL teil, schaut nun jeden Morgen deren Höhepunkte und macht sich ernstere Gedanken um die DEG. Derzeit beschäftige er sich „mit der Offensive, mit Aufbau, mit Wegen“. Die Frage ist, wann er die Ideen umsetzen darf?

„Wir müssen die Entscheidung erst mal sacken lassen“

Eigentlich sollte diese Woche der Durchbruch für den Saisonstart am 13. November kommen. Monatelang hatten Eishockeyvertreter dafür Hygienekonzepte erstellt und mit Behörden oder Politikern verhandelt. Am Dienstag gab die NRW-Staatskanzlei bekannt, dass sich die Länder auf eine Rückkehr der Zuschauer in Stadien und Hallen geeinigt hätten. Für Sektlaune sorgte das aber weniger in der Szene. Denn während des „sechswöchigen Probebetriebs“ dürfen nur 20 Prozent der Plätze besetzt werden. Die DEG dürfte knapp 2500 Fans reinlassen. Und wenn im Dome erst mal alle Steh- in Sitzplätze umgewandelt sind, würden 20 Prozent nur noch rund 2300 bedeuten – womit der Spielbetrieb nicht zu finanzieren wäre. Nicht in einer Liga, die zwei Drittel am Spieltag verdient.

„Wir müssen die Entscheidung erst mal sacken lassen“, sagte DEL-Chef Gernot Tripcke, die Liga habe sich „deutlich mehr Unterstützung“ erhofft. Auch DEG-Geschäftsführer Stefan Adam reagierte reserviert. „Grundsätzlich ist die Zulassung von Zuschauern ein wichtiger Schritt, aber dann kommt ein großgeschriebenes, unterstrichenes und fettgedrucktes Aber.“ Denn natürlich seien 20 Prozent zu wenig, die Kosten blieben im Vergleich zu einer vollen Halle nahezu konstant, wenn man alle Tribünen und Wege öffnen müsse.

Zudem sei nicht klar, ob die kürzlich beschlossenen Staatshilfen für Profivereine fließen. Was unter anderem an einer EU-Richtlinie liegt, wonach Antragsteller Ende 2019 ihr Stammkapital nicht um mehr als 50 Prozent aufgebraucht haben dürfen. Das trifft aber auf mehrere Eishockeyklubs zu. „Wenn das also der Status Quo ist: 20 Prozent Zuschauer und keine Mittel, dann ist die Situation für uns natürlich desaströs“, sagt Adam.

Armin Laschets „passgenaues Konzept“ passt nicht

Was der Branche besonders sauer aufstößt: NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sprach in der vergangenen Woche von „passgenauen Konzepten für alle Sportarten“. Doch die Pauschallösung ist eben nicht: passgenau. „Es fehlt jegliche Individualisierung“, sagt Adam, „ob man eine große Arena mit leistungsstarker Belüftungslage hat oder eine kleine, findet keine Berücksichtigung.“

Nun sollen die 20 Prozent nur während einer Testphase gelten. Geht bis zum DEL-Start am 13. November mehr? Unklar. Also steht die Liga weiter vor dem Problem, nicht seriös planen zu können. „Wir wollen und müssen aber unbedingt starten“, sagt der DEG-Chef, die Zeit wird knapp.

Schon wenn alles glatt läuft, müssen rund 70 Spieltage in Hauptrunde und Play-offs in sechs Monaten passen. Wird der Start abermals verschoben, muss die Saison verkürzt werden. Am Montag treffen sich die 14 DEL-Klubs in Frankfurt. Es gibt viel zu besprechen.

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