Interview mit Alexander Barta

„Die DEG hat einen Riesenschritt gemacht“

DEG-Kapitän Alexander Barta ist zuversichtlich für die neue Saison. Den Verlust seiner Sturmpartner bedauert er dennoch.

DEG-Kapitän Alexander Barta ist zuversichtlich für die neue Saison. Den Verlust seiner Sturmpartner bedauert er dennoch.

Foto: HORSTMüLLER

Düsseldorf.  Der DEG-Kapitän der spricht im Interview über den personellen Umbruch, das Klima in der Mannschaft und die jetzt anstehende Schweiz-Reise.

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Alexander Barta spielt seit 2016 bei der DEG und ist seit der Vorsaison ihr Kapitän. Am Dienstag reist der 36-jährige Stürmer mit dem achtmaligen deutschen Eishockey-Meister zu drei Testspielen in die Schweiz. Für die am 13. September beginnende neue DEL-Saison ist er zuversichtlich.

Wie beurteilen Sie den Vorbereitungsstand?

Barta: Wir sind natürlich noch ein gutes Stück davon entfernt, wirklich eingespielt zu sein. Wir haben schon gute Dinge gemacht, wir haben aber auch noch viele, an denen wir arbeiten müssen. Insgesamt sind wir auf einem guten Weg. Da muss man aber auch vorsichtig sein: Ich hatte schon Vorbereitungen, in denen alles optimal lief, und dann ist der Saisonstart voll in die Hose gegangen.

Sie haben mit Philip Gogulla und Jaedon Descheneau die erfolgreichste Sturmreihe der DEG gebildet. Wie schwer wiegt der Weggang dieser beiden?

Sehr schwer, weil es beide ganz tolle Eishockeyspieler sind, die auch noch gemeinsam mit mir funktioniert haben. Überhaupt war der Umbruch bei uns nach einer erfolgreichen Saison ungewöhnlich groß. Aber wenn Spieler unbedingt gehen wollen, kann man sie nicht halten. Und die Jungs, die aufhören wollten, kannst du irgendwann auch nicht mehr beeinflussen.

Kann man solche Spieler eins zu eins ersetzen?

Nein, das geht nicht. Unser sportlicher Leiter Niki Mondt und das Trainerteam haben jedoch einen sehr guten Job gemacht. Ich bin da guter Dinge. Aber wenn man gemeinsam so eine tolle Saison gespielt hat wie wir, dann tut es einem natürlich ein Stück weit weh, wenn die Jungs nicht mehr da sind.

Sie haben in der Vorbereitung meist mit Max Kammerer und Reid Gardiner in einer Reihe gespielt. Wie schätzen Sie Gardiner ein, der ganz neu in Europa ist?

Wir drei haben schon gute Aktionen zusammen gehabt, aber auch wir haben noch mehr Potential. Man muss auf jeden Fall davon wegkommen, Reid mit Descheneau zu vergleichen, das wäre unfair. Es gibt einfach keine zwei gleichen Spieler, das gilt auch für Max und Philip.

Und unabhängig davon?

Reid ist ein sehr guter Schlittschuhläufer und ein hervorragender Rechtsschütze. Ich kannte ihn vorher auch nicht, aber er macht einen guten Eindruck.

Sie haben einige Skandinavier hinzubekommen. Ändert das den Charakter des DEG-Spiels?

Eher nicht. Wir spielen immer schon schnell mit dem Schwerpunkt auf Technik, das ähnelte dem skandinavischen Stil ohnehin. In der ganzen Liga wird ja nicht mehr das typisch nordamerikanische Eishockey gespielt.

Wie sieht es außerhalb des Eises aus? Wie stark ist Ihr Schwedisch und Norwegisch?

Ganz stark (lacht)! Nein, die Jungs sprechen alle Englisch, Deutsch verstehen sie in der Regel auch ein bisschen. Es ist keinesfalls so, dass die Skandinavier immer nur zusammenhocken und auch die Deutschen und Kanadier unter sich sind. Gruppenbildung gibt es bei uns nicht.

Jetzt geht es für eine knappe Woche in die Schweiz. Wie wichtig ist so eine Reise für das Team?

Wir freuen uns alle drauf. Ich persönlich besonders, weil ich sehr gerne gegen Mannschaften aus anderen, starken Ligen spiele. Das Schweizer Eishockey ist ein schönes und vor allem technisch sehr versiertes Eishockey. Das ist genau die richtige Vorbereitung auf den Ligastart, weil wir da so richtig gefordert werden.

Und außersportlich?

Auch dafür ist die Tour sehr wichtig. Wir sind fast eine Woche zusammen. Es tut der Mannschaft gut, mal ein bisschen länger zusammenzusein, dass man sich nicht nur die paar Stunden in der Kabine sieht, sondern zusammen wohnt und isst.

Ihre Kollegen Johannes Johannesen und Michael Fomin sind wegen Gehirnerschütterungen nicht dabei. Wie geht es den beiden aktuell?

Bei Mike ist es nicht ganz so schlimm zum Glück. Aber JJ war ja eine Zeitlang bewusstlos, und heutzutage passt man da ja wirklich auf und gibt den Spielern eher einen Tag länger Pause. Und gerade wenn man da vorbelastet ist, ist das ja auch absolut richtig.

Bei Johannesen war es im Spiel gegen Iserlohn eine unglückliche Szene, in der selben Partie war es gegen Fomin aber ein böses Foul. Muss das in einem Testspiel sein?

So etwas ist komplett unnötig. In einem Test sowieso, aber solche Checks gegen Kopf und Nacken, zudem noch von hinten, haben auch im Ligabetrieb nichts zu suchen. Zumindest hatten die Iserlohner den Anstand, sich hinterher bei JJ und Harry (DEG-Trainer Harold Kreis, d. Red.) zu entschuldigen.

Ein Wort zu Nachwuchstorwart Hendrik Hane: Er bekommt jetzt die Chance, die Nummer zwei hinter Mathias Niederberger zu sein. Packt er das schon mit knapp 19?

Hendrik hat alle Voraussetzungen dazu. Er ist ein sehr talentierter Torwart, der schon erstaunlich weit für sein Alter ist. Und er ist ein feiner Kerl. Sehr lernfähig, er saugt alles auf. Ich glaube, dass er definitiv seinen Weg machen wird.

Sie sind jetzt schon eine ganze Weile bei der DEG. Wie würden Sie die Entwicklung des Klubs in dieser Zeit einschätzen, gerade in der öffentlichen Wahrnehmung?

Die DEG war schon immer ein Name, auch deutschlandweit. Was zuletzt fehlte, war der Erfolg, und da haben wir in der vergangenen Saison einen Riesenschritt in die richtige Richtung gemacht. Und das merkt man. Wenn man zum Essen rausgeht, wird man eher erkannt und vor allem positiv wahrgenommen. Den Erfolg müssen wir in dieser Saison bestätigen und versuchen, noch einen Schritt weiterzugehen. Das wird schwer genug, aber wir haben die Mannschaft dafür. (jol)

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