Eishockey

Düsseldorfer EG steht wieder vor einem Neubeginn

Fragende Blicke: DEG-Coach Tobias Abstreiter (links) mit den Assistenten Daniel Kreutzer und Thomas Dolak.

Fragende Blicke: DEG-Coach Tobias Abstreiter (links) mit den Assistenten Daniel Kreutzer und Thomas Dolak.

Foto: Birgit Häfner

Düsseldorf.   DEG verpasst erneut die Play-offs. Trainer Mike Pellegrims, in den die Klubführung so viele Hoffnungen gesetzt hatte, war ein Fehlgriff.

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Der Frust war riesengroß im Rather Dome. So groß, dass Entrüstung und Ärger am späten Freitagabend schon längst Leere und Schockstarre Platz gemacht hatten. Machten die DEG-Fans in der Phase des zweiten Drittels, als ihr Eishockeyteam gegen die Eisbären Berlin mit 1:6 in Rückstand geriet, noch mit „Wir haben die Schnauze voll“ und ähnlichen Sprechchören ihrem Zorn Luft, nahmen sie das Geschehen in den letzten Minuten nur noch teilnahmslos hin. 2:6, sechs Punkte Rückstand auf die zehntplatzierten Schwenninger Wild Wings, wieder keine Play-offs.

Darryl Boyce tat das, was ein echter Kapitän in solchen Situationen tun muss. Er stellte sich, obwohl er sicher eine Million Dinge lieber getan hätte, als sich im Moment des Scheiterns auch noch vor Mikrofone und Diktiergeräte zu stellen. „Deutschland kommt mit einer olympischen Silbermedaille nach Hause“, sagte er mit leerem Blick, „und wir schaffen es nicht einmal in die Play-offs.“

Furios gescheitert

Das Projekt, das die DEG-Führung um Geschäftsführer Stefan Adam und Manager Niki Mondt im vergangenen Sommer mit der Trennung von Cheftrainer Christof Kreutzer und der Installation des neuen Hoffnungsträgers Mike Pellegrims in Gang gebracht hatte, ist furios gescheitert. Das Ergebnis der Saison ist ebenso schlecht wie das der vergangenen – nur mit einer ungleich teureren Mannschaft. Wieder muss es einen Neubeginn geben, ob mit Interimstrainer Tobias Abstreiter als Chef oder einem neuen Mann, ist noch nicht entschieden. Abstreiters Chancen sind durch den desolaten Mittelabschnitt gegen Berlin nicht besser geworden. „Für das, was im zweiten Drittel passiert ist, kann ich mich nur bei den Fans entschuldigen“, sagte der Coach traurig. „Wir haben Fehler gemacht wie eine Nachwuchsmannschaft. Es tut wirklich weh, dass so etwas gerade in einem so wichtigen Spiel geschieht.“

Auch Boyce unterlag nicht der Versuchung, irgendetwas zu beschönigen. „Als Kapitän fühle ich mich verantwortlich“, betonte der Kanadier. „Ich lade so viel wie möglich auf meine Schultern. Ich bin unter meinen Möglichkeiten geblieben, wie zu viele von uns. Es wird ein harter Sommer.“ In der Tat – und nicht nur für Boyce. „Die Leute zahlen eine Menge Geld dafür, ein gutes Team zu sehen“, sagte der 33-Jährige, „und wir werden dafür bezahlt, uns in jedem Spiel voll reinzuhängen. Aber auf die Saison gesehen haben wir viel zu viele Spiele im letzten Drittel und in der Verlängerung verloren.“ Diesen Missstand hatte Abstreiter schon angeprangert, doch er konnte in seiner kurzen Amtszeit nicht mehr alles geradebiegen, was unter Pellegrims schiefgegangen war. Vor allem die Ausländerpositionen waren zu schwach besetzt.

„Es war ein sehr bitteres Spiel“, schloss der Coach, „eine große Enttäuschung. Es war hart mitzuerleben, wie wir ein Spiel so hergeben, so kopflos umherlaufen. Das war schon etwas peinlich.“ Abstreiters Schlusswort sprach vielen aus der Seele: „Wieder keine Saison mit Play-offs – das tut sehr weh.“

7:3-Sieg gegen die Krefeld Pinguine zum Abschluss

In der letzten Hauptrundenpartie der Deutschen Eishockey-Liga bezwang der Tabellenelfte, die DEG, den Tabellenletzten, die Krefeld Pinguine, leicht und locker mit 7:3 (3:1, 2:1, 2:1). Die Vorzeichen waren für beide Teams demotivierend, hatten doch weder die Pinguine noch die DEG Chancen, die Play-Offs zu erreichen. „Es ist immer schwer, sich zu motivieren, wenn es um nichts mehr geht. Es war unser Ziel, uns vernünftig aus der Saison zu verabschieden“, erläutert DEG-Coach Tobias Abstreiter. „Alle haben sich noch mal reingehängt.“

Vor dem Spiel wurde der ewige Kämpfer, Checker und Schussblocker Tim Conboy mit großem Applaus verabschiedet. Nach mehreren Verletzungen muss der Verteidiger seine Karriere nach 107 Spielen für die DEG beenden. Auch die rund 250 Ehrenamtlichen, die den reibungslosen Ablauf der Heimspieltage erst möglich machen, wurden mit Beifall bedacht.

Einseitige Partie, deutliche Schussbilanz

Auf dem Eis entwickelte sich eine einseitige Partie. Die Gastgeber im ISS Dome waren in allen Belangen überlegen, was unter anderem die Schussbilanz von 20:4 im ersten Drittel beweist. Kein Wunder also, dass die ganz in rot gewandeten DEG-Spieler mit 3:1 zur ersten Pause führten. Krefeld kam quasi gar nicht vor.

Es muss in der Pinguin-Kabine gerappelt haben, denn die Gelben zeigten zu Beginn der zweiten 20 Minuten, dass sie doch ein wenig vom Eishockeyspielen verstehen. Doch schnell stellten sich die alten Kräfteverhältnisse wieder ein. Und als Lukas Laub in Unterzahl nach einem Sprint übers halbe Feld Pinguin-Goalie Dimitri Pätzold austanzte und zum 4:1 einnetzte war die Vorentscheidung gefallen. Der Rest war engagierte Ergebnisverwaltung. (jol/tino)

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