2. Fußball-Bundesliga

Edgar Prib: „Ich war in Hannover noch nicht fertig“

Sofort ein wichtiger Ansprechpartner für Trainer Uwe Rösler: Edgar Prib (links) soll bei Fortuna schnell ein Führungsspieler werden.

Sofort ein wichtiger Ansprechpartner für Trainer Uwe Rösler: Edgar Prib (links) soll bei Fortuna schnell ein Führungsspieler werden.

Foto: HORSTMüLLER / Ja

Düsseldorf.  Edgar Prib hat sich bei seinem neuen Klub Fortuna Düsseldorf viel vorgenommen. Am Klavier schafft er sich die nötige Distanz zum Fußballgeschäft.

Edgar Prib passt nicht in die Schablone, die sich viele Menschen für Berufsfußballer zurechtgeschustert haben. Sicher, auch er spricht über sportliche Ziele, über Standardsituationen und Verantwortung auf dem Platz. Doch ein Gespräch mit Fortunas aktuellstem Zugang führt einen wie selbstverständlich in ganz andere Bereiche. Dann spricht der 30-Jährige von tiefen Freundschaften, von seiner ungewöhnlichen Art, lange Verletzungspausen zu nutzen, und von seinem Hobby, das für ihn viel mehr ist als ein Zeitvertreib.

„Wenn ich Klavier spiele, bin ich in Gedanken nicht mehr auf dieser Welt“, sagt Prib. Seit vier Jahren spielt er erst, ein Spätberufener auf seinem E-Piano. Doch er träumt von mehr. „Ich wollte zunächst nur ein Instrument lernen, weil ich das zuvor immer versäumt hatte. Dann aber hat mich meine Verlobte ermuntert, hat ein Talent in mir gesehen. Von dann an habe ich immer intensiver gespielt, und irgendwann möchte ich mir gern einen richtigen Konzertflügel zulegen.“ Ein italienischer Musiker hat es dem Neu-Fortunen besonders angetan. Ludovico Einaudi, ein zeitgenössischer Pianist und Komponist aus Turin, klassisch, aber mit Interesse am modernen Pop. Wenn Prib über ihn spricht, leuchten seine Augen: „Einige Stücke von ihm spiele ich schon fehlerfrei, aber ich möchte irgendwann alles von ihm spielen können.“

Das Beste: am Klavier und auf dem Platz

Der Ehrgeiz, der aus diesen Worten herausklingt, ist typisch für Edgar Prib. Er möchte stets das Beste erreichen, am Klavier wie auf dem Fußballplatz. Und folgerichtig hat er sich an seinem neuen Arbeitsplatz auch viel vorgenommen. „Ich war in Hannover noch nicht fertig“, sagt der Mittelfeldspieler über seine Motivationslage, „dann mache ich das eben jetzt hier weiter.“

Er hätte noch ein Jahr Vertrag bei den 96ern gehabt, doch Trainer Kenan Kocak plante nicht mehr mit ihm. Doch ein großes Zerwürfnis, das manche daraus konstruiert hatten, ein Mobbing gar habe es gegen ihn nie gegeben. „Alles ist ganz sauber abgelaufen“, betont der Routinier. „Ich wurde mit Respekt behandelt, wir haben uns im Guten getrennt. Und das war auch wichtig, weil wir so Vertragsauflösung und Wechsel zu Fortuna schneller über die Bühne bringen konnten.“

Vertrag bis 2022

Über den Vertrag, der Prib zunächst bis 2022 an die Düsseldorfer bindet, freuten sich nicht nur die direkt Betroffenen. „Da braucht es keine Worte“, kommentierte Charlie Benschop, von 2013 bis 2015 Torjäger bei Fortuna und später Pribs Teamkollege in Hannover, bei Instagram und setzte viele rote Herzen dazu. Der in Fürth aufgewachsene Prib lächelt, als er auf den Niederländer angesprochen wird. „Charlie ist ein besonderer Mensch“, sagt er. „Unsere Frauen sind sehr enge Freundinnen geworden, wir haben immer Kontakt gehalten. Aber auch sonst hatte ich wirklich genug Informanten, die mich dazu brachten, mich für Fortuna zu entscheiden: meine früheren Mitspieler Heinrich Schmidtgal und Andre Hoffmann, mein Ex-Trainer Mike Büskens und natürlich Thomas Kleine, der zu gemeinsamen Zeiten in Fürth wie ein Ziehvater für mich war.“

Der heutige Co-Trainer Fortunas war ein weiteres Argument für seinen Transfer – dabei hätte es eigentlich dessen gar nicht mehr bedurft. „Ich habe oft genug hier in Düsseldorf gegen Fortuna gespielt“, berichtet er. „Ich weiß, was hier losgehen kann, auch wenn gerade leider die fantastischen Fans nicht kommen dürfen. Dieses Stadion hat eine gewisse Magie.“ Ein sehr wichtiger Anreiz sei für ihn zudem das Teamgefühl bei Fortuna gewesen; dies habe sich „schon immer“ deutschlandweit herumgesprochen.

Viel Potenzial

Sportlich hat er sich über seinen neuen Klub natürlich ebenfalls gründlich informiert, sieht in ihm eine Menge Potential. Er wolle helfen, es voll auszuschöpfen, betont Prib, und auch an sich selbst immer weiter arbeiten. Die Zwangspausen, die ihm seine beiden Kreuzbandrisse verordnet hätten, habe er auch dafür genutzt, intensiv Fußballspiele aus allen möglichen Ligen zu schauen. „Ich habe das Zweikampfverhalten anderer Spieler studiert, wie sie Standards schlagen, ihr Passspiel. Und als ich wieder fit war, habe ich versucht, die Erkenntnisse daraus in mein Spiel einfließen zu lassen, mich zu verbessern.“ Zumindest brachte es ihm in seinem letzten Jahr bei 96 eine neue Saisonbestmarke von fünf Treffern. Der beste Prib, den es je gab – womöglich sieht man ihn ja erst im Fortuna-Trikot. (jol)

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben