Leichtathletik

In Düsseldorf ist kein DM-Heimspiel mehr möglich

Das für Leichtathletik bestens geeignete Rheinstadion wurde Mitte 2002 abgerissen.

Das für Leichtathletik bestens geeignete Rheinstadion wurde Mitte 2002 abgerissen.

Bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren in Rostock holten die Düsseldorfer mit vier Titeln die beste Bilanz seit 30 Jahren. Doch DM-Heimspiele im Rheinstadion wie 1984 vor den Olympischen Spielen oder letztmalig 1990 gehören der Vergangenheit an.

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Düsseldorf. Die Super-Erfolge mit viermal Gold und zweimal Silber sowie einmal Bronze bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften in Rostock weckt bei vielen Düsseldorfer Leichtathleten die Sehnsucht nach einem Heimspiel. Doch in Düsseldorf gibt es kein Stadion dafür.

Es war 1990 im August, da hatten die letzten Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im damaligen Rheinstadion stattgefunden – die letzten überhaupt für die damalige „alte“ Bundesrepublik.

Bei diesem finalen „Heimspiel“ glänzte Düsseldorf mit seinen damaligen Top-800-Meter-Läufern wie Imram Sillah oder Frank van Thiel vom ART als Lokalmatadoren. Mit der Leichtathletik in Düsseldorf ging es von da an langsam aber stetig abwärts.

Die seit 1976 im Rheinstadion installierte Kunststoffbahn wurde ein Opfer der Witterungseinflüsse und vergammelte zusehends. 2001 entschloss man sich bei der Stadt dann zum kompletten Abbruch des alten Stadions und zum Bau der neuen Arena – ohne Rundlaufbahn natürlich. Den Leichtathleten wurde ihr Stadion einfach genommen. Ohne sie überhaupt zu fragen.

Stadion im Süden im Hinterkopf

Der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin war anfangs als ehemaliger erfolgreicher 400-Meter-Hürdenläufer auch kein Freund des Verschwindens der Laufbahn und hatte als Alternativen unter anderem ein reines Leichtathletik-Stadion im Süden mit 25 000 Zuschauern Fassungsvermögen im Hinterkopf.

Doch der OB verstarb im Mai 2008 und nahm die Pläne mit ins Grab. Zuvor hatte er noch die Modernisierung der Leichtatketik-Halle im Arena-Park mit zwölf Millionen Euro aus städtischen Mitteln geschafft. Dort passen maximal 2000 Zuschauer beim jährlichen Top-Hallenmeeting rein, das inzwischen zu den drei besten Veranstaltungen weltweit gehört.

Zu gern hätte man mal auch wieder eine Deutsche Meisterschaft wie 1928, 1951, 1957, 1961, 1969, 1984 und zuletzt 1990 in Düsseldorf gesehen. Aber wo?

Das im Jahr 2005 modernisierte Rather Waldstadion ist von der Infrastruktur wegen der lediglich maximal 200 Parkplätze in unmittelbarer Umgebung dafür ebenso nicht geeignet wie das Benrather Stadion an der Karl-Hohmann-Straße, das auch von den Panther-Footballern genutzt wird, allerdings nicht über acht Rundbahnen verfügt. Auch die übrigen Leichtathletikbahnen der Stadt könnten keine Deutsche Meisterschaft mit bis zu 2000 Teilnehmern verkraften.

Das schmerzt viele, gerade weil die Leichtathletik in Düsseldorf derzeit einen enormen Aufschwung erfährt – mit dem Ziel, im Jahr 2016 auch wieder Olympia-Starter für Rio de Janeiro zu stellen. Da sollte man den Schmerz der Leichtathleten schon verstehen, dass in Düsseldorf keine DM mehr möglich ist.

Begeisterung vor Olympia 1984

Das war 1984 bei der DM im Rheinstadion ganz anders. Allein zum Dreisprung-Wettbewerb an einem Juni-Samstag-Nachmittag waren damals 20 000 Zuschauer ins Rheinstadion gekommen. Der damals 17-jährige Ralf Jaros (heute Bundestrainer und Trainer beim ART) von DJK Agon gewann den Dreisprung mit 16,81 Meter, genau einen Zentimeter vor seinem Klubkollegen Peter Bouschen. Und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele in Los Angeles. Wie auch die beiden Siebenkämpferinnen Sabine Everts (Bronze in Los Angeles) und Sabine Braun, die an den Titelkämpfen im Rheinstadion ebenfalls erfolgreich teilnahmen. Und viel Begeisterung beim „Heimspiel“ hervorriefen.

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