Fußball

Kein Militärgruß: Kaan Ayhan wird beleidigt und gefeiert

Jubellauf in Paris: Kaan Ayhan (li.) feiert sein Tor zum 1:1, Mitspieler Merih Demiral (von Juventus Turin) zeigt den militärischen Gruß.

Jubellauf in Paris: Kaan Ayhan (li.) feiert sein Tor zum 1:1, Mitspieler Merih Demiral (von Juventus Turin) zeigt den militärischen Gruß.

Foto: Julien Mattia / imago

Düsseldorf.  Beim 1:1 der türkischen Nationalmannschaft in Frankreich erzielt der Fortune den Ausgleich. Anschließend verweigert er einen militärischen Gruß.

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Ein wichtiges Tor für seine Nationalmannschaft schießen – wer träumt als Jugendfußballer nicht davon? Kaan Ayhan ist das am Montagabend gelungen. Der Innenverteidiger von Fortuna Düsseldorf erzielte per Kopf das 1:1 für die Türkei in Frankreich. Der Treffer könnte für das Team von Trainer Senol Günes entscheidend auf dem Weg zur Europameisterschaft im kommenden Jahr sein. Doch der Treffer könnte dem 24-Jährigen auch noch Nachteile bringen.

Nachdem Ayhan in der 82. Minute trifft, rennt er in die Kurve zu den türkischen Anhängern. Direkt hinter ihm sprintet Merih Demiral von Juventus Turin und setzt zum Salut-Jubel an. Wenige Sekunden später ist auf den TV-Bildern zu sehen, wie sich Ayhan und Demiral auf dem Weg zur Mittellinie ein heftiges Wortgefecht mit leichten Handgreiflichkeiten liefern. Allem Anschein nach verweigert Ayhan den Militärgruß. Demiral ist wütend und geht mit einigen Spielern zurück in die Kurve und salutiert. Nach dem Abpfiff der Partie wiederholen einige Spieler und Betreuer das Ritual mit den Anhängern.

UEFA ermittelt

Grund hierfür ist die international verurteilte Militäroffensive der Türkei gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien. Bereits am Freitag hatten die Türken nach dem 1:0-Siegtreffer gegen Albanien auf dem Platz salutiert. Der Europäische Fußball-Verband (UEFA) ermittelt seither. „Politische Äußerungen sind in den Regularien verboten. Deshalb werden wir dem Verdacht definitiv nachgehen“, sagte UEFA-Sprecher Philip Townsend. Der türkische Fußball-Verband hatte zudem im Internet ein Foto aus der Kabine verbreitet, auf dem die gesamte Mannschaft den Militärgruß vollzieht. Mit dabei: die Fortunen Ayhan und Kenan Karaman. Untertitel des Bildes: „Den Sieg widmen wir den tapferen Soldaten und Märtyrern.“

Daraufhin gab es viel Kritik aus der Fanszene in Düsseldorf. Fortuna verteidigte ihre Spieler in einer Stellungnahme und erklärte, dass es sich lediglich um eine Solidaritätsbekundung für Soldaten und ihre Angehörigen handelte, verbunden mit dem Wunsch, dass sie wieder gesund zu ihren Familien zurückkehren können. „Wir kennen Kaan Ayhan und Kenan Karaman seit langer Zeit. Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben. Beide Spieler stehen für die Werte, die unser Verein lebt“, ließ Lutz Pfannenstiel mitteilen. Der Sportvorstand hatte zuvor mit beiden mehr als eine Stunde telefoniert.

Klares Statement

Nun verzichteten sowohl Karaman als auch Ayhan auf den Salut. Ein klares Statement. Im Internet erntet vor allem Ayhan viel Lob dafür. Es gibt aber auch schlimme Beleidigungen – mehrheitlich wohl durch Türken und Deutsch-Türken. Der gebürtige Gelsenkirchener wird unter anderem als „Bastard“ und „Vaterlandsverräter“ beschimpft.

Nun stellt sich die Frage, ob die Verweigerung des Saluts für Ayhan, Karaman und weitere Spieler (darunter auch die Ex-Bundesligaspieler Hakan Calhanoglu und Caglar Söyüncü) Folgen haben wird. Es wird bereits spekuliert, ob der türkische Fußball-Verband die Verweigerung als Geste gegen das Regime von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan wertet und die betroffenen Spieler in Zukunft nicht mehr einladen wird.

Fest steht: Ayhan hat in einer Situation, in der jede Entscheidung Nachteile mit sich gebracht hätte, viele Freunde gewonnen, sich aber auch Feinde gemacht. (erer)

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