Fußball

Landgraf: „Fortuna ist jetzt der FC Bayern der Zweiten Liga“

Willi Landgraf im Trikot von Alemannia Aachen.

Willi Landgraf im Trikot von Alemannia Aachen.

Foto: imago

Düsseldorf.  Zweitliga-Rekordspieler Willi Landgraf über die Besonderheiten im Unterhaus und die neue Rolle von Fortuna Düsseldorf.

Fortuna ist nach zwei Jahren im Oberhaus zurück in der Zweiten Liga. Prognosen für den Saisonverlauf fallen schwer, dazu sind noch zu viele unbekannte Variablen in der Gleichung. Was aber klar ist: Die Zweite Liga hat ihre Besonderheiten. Und wer dient besser als Kronzeuge, um diese aufzuzeigen, als der Rekordspieler? Willi Landgraf lief in 481 Zweitliga-Spielen für Rot-Weiss Essen, den FC Homburg, den FC Gütersloh und Alemannia Aachen auf – keiner absolvierte mehr Partien im Unterhaus.

Heute ist der 51-Jährige Jugendtrainer beim FC Schalke 04. Jeweils über zwei Jahre betreut er die U15 und die U16 der Gelsenkirchener. „Das macht mir unheimlich Spaß“, sagt er. „Gerade in diesem Alter ist die Entwicklung der Jungs sehr spannend.“

Folgen Sie den Sportredaktionen der NRZ am Niederrhein!Die Zweite Liga verfolgt er natürlich immer noch genau.

Willi Landgraf über...

...den Vergleich zur Bundesliga: „Klar, ist die Bundesliga etwas anders, aber mittlerweile wird in der Zweiten Liga auch richtig guter Fußball gespielt. Früher ging es dort oft nur um Kampf und hohe Einsatzbereitschaft. Die braucht es heute natürlich auch noch, trotzdem gibt es jetzt viele Zweitliga-Teams, die guten Fußball spielen und nicht nur über die Zweikämpfe kommen. Es wird sauber von hinten heraus gespielt und es ist auch ein gutes Umschaltspiel in beide Richtungen zu sehen.“

...die Gefahr für einen Absteiger: „Als Absteiger ist es immer schwer. Jeder Gegner will gegen dich das Bestmögliche rausholen. Gerade am Anfang einer Saison kann es Anlaufschwierigkeiten geben, wenn du unterschätzt, was da auf dich zukommt.“

...Fortunas neue Rolle: „In der Bundesliga war Fortuna eigentlich immer Außenseiter in den Spielen. Jetzt sind sie immer der Top-Favorit und die Gegner hauen sich zu hundert Prozent gegen dich rein. Egal, wie die Mannschaft dann zusammengestellt ist, sie zählen immer zu den Aufstiegskandidaten – da kann der Trainer erzählen, was er möchte: Man gehört zum Favoritenkreis. Das wird immer so bleiben. Und danach wird man auch benotet werden. Heißt: Der Druck ist da, die Erwartungshaltung im gesamten Umfeld wird hoch sein. Ob sie es wollen oder nicht: Fortuna ist jetzt der FC Bayern der Zweiten Liga.“

...Fortunas Möglichkeiten: „Ich habe einige Spiele in der vergangenen Saison gesehen. Sie haben toll gespielt – mit viel Willenskraft und Leidenschaft. Es ist schade, dass sie abgestiegen sind. Sie haben viele Spieler im Kader, die schon in der Zweiten Liga gespielt haben. Da sind viele Mentalitätsspieler dabei, die wissen, was auf sie zukommen wird. Das ist ein Vorteil. Sie müssen den Zugängen klarmachen, worauf es in der Liga ankommt. Die Jungs müssen dann auf den Platz gehen, dem Spiel ihren Stempel aufdrücken und zeigen, dass sie sich von keinem etwas gefallen lassen.“

...die Auswirkungen der Corona-Pandemie: „Es ist natürlich etwas anderes, ob du in Aue vor vollen Rängen spielen musst oder vor leeren. Das kann ein Vorteil sein. Aber: Der Fortuna werden ihre Fans natürlich auch in den Heimspielen fehlen. In Aachen haben wir auch davon gelebt, noch in der 93. Minute das entscheidende Tor zu machen, weil die Zuschauer uns nach vorne getrieben haben. Mit Fans sind natürlich ganz andere Emotionen im Spiel als derzeit.“

...seine Prognose: „Ich sehe Fortuna auf jeden Fall unter den ersten drei Teams. Ich glaube, sie haben eine gute Mischung im Kader. Hamburg und Hannover muss man natürlich auf dem Zettel haben. Und mein alter Freund ,Schmidti’ mit Heidenheim wird auch eine Rolle spielen. Dazu kommt – wie immer – ein Überraschungsteam. Ich würde da mal Würzburg nennen. Es wird auf jeden Fall eine Mannschaft sein, die einfach unbekümmert aufspielen wird.“

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