Fußball

Lutz Pfannenstiel will ein RB Leipzig im US-Style aufbauen

Lutz Pfannenstiel bei seiner Vorstellung in St. Louis.

Lutz Pfannenstiel bei seiner Vorstellung in St. Louis.

Foto: St. Louis City SC

Düsseldorf.  Lutz Pfannenstiel, der frühere Sportvorstand von Fortuna Düsseldorf, hat beim neu gegründeten St. Louis City SC in den USA angeheuert.

30 Sekunden dauert das Video, das allem Anschein nach einen sehr guten ersten Eindruck von der neuen Welt von Lutz Pfannenstiel vermittelt: Ein Mann steigt in einen knallig rosarot gefärbten Sportwagen, drückt den Startknopf und gibt Gas. Auf der Seite des Wagens ist ein Schriftzug aufgeklebt: St. Louis City SC. „Direct from Germany“ wird zur schrillen Musik eingeblendet. Schnitt. Pfannenstiel läuft auf die Kamera zu, guckt in die Linse und sagt: „Lutz Pfannenstiel, Sporting Director, STL City.“ Anschließend posiert er im Polohemd mit verschränkten Armen und aufgesetzter Sonnenbrille vor dem flotten Gefährt.

Mehr Amerika-Klischee als in diesem Clip geht nicht. Seit Montag ist der 47-Jährige sportlicher Leiter eines Klubs, den es so richtig noch gar nicht gibt, der aber schon die Zusage hat, in mittelfristiger Zukunft in der besten US-Fußballliga mitspielen zu dürfen. Die neue Franchise ist in die Major League Soccer aufgenommen worden.

Doch was passiert in St. Louis eigentlich genau? Der Wunsch nach einem großen Fußballteam existiert in der Stadt am westlichen Ufer des Mississippi schon lange. Immer wieder gab es Pläne für ein so genanntes Expansionsteam, also ein Team, das einfach zu einer der großen Sportligen der USA – in diesem Fall der MLS – hinzugefügt wird. Immer wieder sind die Pläne gescheitert. Nun hat es geklappt. Mitte 2019 bekam St. Louis den Zuschlag, der MLS beizutreten. Eintrittstermin sollte eigentlich 2022 sein, die Corona-Pandemie sorgt aber für eine Verschiebung auf 2023.

Details sind nun bekannt

Vor wenigen Tagen wurden Details zum neuen Verein vorgestellt: Der Name ist St. Louis City SC, kurz St. Louis City. Das Logo wurde enthüllt und die Klubfarben Rot-Blau-Gelb-Grau veröffentlicht. Der Verein gehört einem Konsortium, das in der Wirtschaft von St. Louis und dem Bundesstaat Missouri tief verwurzelt ist. Ein Gremium aus vielen Dietmar Hopps sozusagen. Geführt wird der Klub von Carolyn Kindle Betz, Enkelin von Jack Taylor, der durch die Gründung der Firma Enterprise Holdings, zu der mehrere Auto-Vermietungen gehören, Milliardär geworden ist.

Kindle Betz’ erste Aufgabe war die Suche nach einem Verantwortlichen für den gesamten sportlichen Bereich. Und da kommt Lutz Pfannenstiel ins Spiel, der diesen Klub nun „vom Nullpunkt aufbauen“ will, wie er sagt. Auf der vereinseigenen Website wird er als „deutsche Fußball-Legende“ angekündigt. Und eine Hilfestellung für die Aussprache des Namens wird auch gleich mitgeliefert: „LOOTZ FAN-EN-SHEEL“.

Eintauchen in eine neue Welt

„Fan-en-sheel“ wird also mal wieder in eine neue Welt eintauchen. Aber das ist er ja gewohnt, als Weltenbummler, als der er seit jeher bezeichnet wird, weil er in seiner Profikarriere für mehr als 20 Vereine in 13 Ländern auf allen Kontinenten im Tor stand. Bei einer Videokonferenz stellte er sich am Dienstag Medienvertretern vor. „Wir haben ein komplett weißes Papier vor uns“, sagt er. „Wir bauen unseren eigenen Klub, mit eigener DNA, mit eigener Spielphilosophie und einer außergewöhnlichen Jugendakademie. Wenn es um die Vision unserer Akademie geht, hilft ein Blick zu RB Leipzig“, sagt Pfannenstiel.

Und deshalb passt der St. Louis City SC dann auch als nächster Schritt in seine Vita. Der gebürtige Niederbayer verließ Fortuna Düsseldorf im Mai aus privaten Gründen freiwillig – trotz Vertrages bis 2021. Die teils Grenzen überschreitenden Anfeindungen Richtung Pfannnestiels Familie aus dem Umfeld des Düsseldorfer Klubs waren der Grund. Diese Art Umgang ist bei Traditionsklubs jeglicher Couleur zu erwarten, bei Retortenvereinen hingegen nicht. Also kehrt Pfannenstiel so gesehen nun einfach nur zurück – zurück in ein Wohlfühl-Umfeld, wie er es beispielsweise in Hoffenheim kennengelernt hat. Und er kehrt zurück zu einem Klub, der reichlich Geld zur Verfügung.

Eine Wohlfühloase

Die Videoschalte am Dienstag war für die neue Wohlfühloase schon ein guter Beleg. Alle sind begeistert, dass da einer mit Bundesliga-Erfahrung kommt, um St. Louis endlich mit einem dicken Pin auf die Fußballkarte der USA zu setzen.

Pfannenstiel möchte dazu viele Talente aus St. Louis und der Umgebung holen, aber auch ein Scoutingsystem implementieren, wie er es schon in Hoffenheim gemacht hat. Startpunkt soll ein U15/U16-Team sein. „Wir wollen Jungs aus der Gegend hier die Möglichkeit geben, ihren Traum zu verwirklichen“, sagt Pfannenstiel – ganz im Geiste des American Dream. Auch ein schönes amerikanisches Klischee. (erer)

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