Neue NFL-Chance für Christian Mohr

Foto: imago/Camera 4

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FOOTBALL: Der ehemalige Rhein-Fire- und Panther-Verteidiger bekommt bei den Cleveland Browns einen 100 000-Dollar-Saisonvertrag.

Seit einem Jahr hat Christian Mohr kein Footballspiel mehr bestritten. Gymnastik/Tanz an der Sporthochschule Köln und das damit verbundene Studium standen im Vordergrund des ehemaligen Rhein-Fire-Profis. Doch unverhofft bietet sich dem 28-jährigen Aachener, der von 2001 bis 2004 für die Zweitliga-Panther aufgelaufen war, eine neue, vielleicht sogar die finale Chance. Der 1,96 Meter große, 114 Kilogramm schwere Blondschopf steht in der kompletten nächsten NFL-Saison im Aufgebot der Cleveland Browns. Was auf dem Papier auf jeden Fall rund 100 000 US-Dollar Honorar für fünf Monate harte Football-Trainingsarbeit bedeutet. Für einen Studenten nicht gerade wenig.

Ein Jahr nach dem Aus der NFL-Europaliga haben die Liga-Bosse die Zahl jener Nicht-Amerikaner, die als Übungsspieler von Ende Juli bis zum Saisonschluss im Dezember oder Januar mitüben sollen, von elf auf 16 erhöht. Ein erstaunlicher Vorgang, weil es die NFLE als Tochterliga und Sprungbrett für Talente ja seit Ende Juni 2007 nicht mehr gibt. Nach fünf Trainingscamps, je zweimal in London und Sevilla, einmal in Barcelona, waren die Kandidaten für das im fünften Jahr laufende Förderprogramm gefunden.

Christian Mohr gilt als einer der erfahrensten Auserwählten. 42 NFLE-Einsätze – 32 für Berlin Thunder, zehn für Rhein Fire – dazu NFL-Übungssaisons bei den Seattle Seahawks (2004) und bei den Philadelphia Eagles (2006) sprechen für sich. 2007 sollte Mohr bei den New England Patriots eine komplette Spielzeit mitmachen. Doch der dreimalige Super-Bowl-Gewinner zog sein Angebot zurück.

Eine Trainingslager-Einladung der Indianapolis Colts für den Juli 2007, wo sich der Abwehrbrocken im Gegensatz zum Förderprogramm nebst unkündbarem Saisonvertrag für einen Kaderplatz hätte qualifizieren müssen, sagte Mohr verletzungsbedingt schweren Herzens ab.

„Ich bin überrascht, dass ich noch einmal eine NFL-Chance bekomme”, erklärte Mohr im NRZ-Gespräch, „wegen einer Bronchitis konnte ich das Abschlusstrainingslager in Sevilla nicht mitmachen. Ich musste damit rechnen, dass ich geschmissen werde.” Doch die bekannten sportlichen Qualitäten des Abwehrspielers entschieden – auch ohne das übliche Vorspielen.

Bisher als linker Defensive End, als schneller, körperlicher starker Jäger auf den gegnerischen Spielmacher in vorderster Linie unterwegs, muss sich Mohr umstellen.

„Viele NFL-Teams haben Spieler im Kader, die eine Mischung aus kräftigem Defensive End und den in der zweiten Abwehrreihe lauernden, beweglichen Linebacker spielen. Das werde ich in Cleveland auch lernen, wobei die Mischposition für mich als etwas leichteren Abwehrspieler ein Vorteil sein dürfte”, sagt Mohr. Der ist ohnehin davon überzeugt, irgendwann seinen NFL-Einsatz zu bekommen.

Als nicht-amerikanischer Übungsspieler waren bekanntlich bisher nur Einsätze bei Testmatches erlaubt. „Vielleicht ist die Regel ja mittlerweile aufgeweicht”, hofft Mohr, „eine Chance auf einen Platz im Kader habe ich ohnehin nur dann, wenn ich zur rechten Zeit am rechten Ort bin.” Kürzer formuliert: Man(n) braucht Glück.

In Seattle wäre es 2004 der Fall gewesen. Die Seahawks hatten Mohr nach seiner ersten NFL-Übungssaison einen Zweijahresvertrag gegeben. Der Ex-Panther hätte sich aber, um die Millionen-Dollar-Chance zu bekommen, dem Trainingscamp ab Mitte Juli 2005 zur Vorbereitung auf die neue Saison stellen müssen. Mohr entschied sich da noch, vorsichtshalber, für einen erneuten, unkündbaren Platz in einer Übungsgruppe: „Was nützt der beste Vertrag, wenn dieser nach drei Wochen zerrissen wird, weil die Trainer mit der Leistung nicht zufrieden sind? Aus welchen Gründen auch immer?” so Mohr.

Mit Fortuna war der Blondschopf in Philadelphia nicht im Bunde. Eine frühzeitige Verletzung machte schwer zu schaffen. Aller guten Dinge sollen nun drei sein. Mit dem Bundesstaat Ohio, wo Cleveland liegt, verbindet Christian Mohr eine Menge. Als 16-jähriger Gymnasiast verbrachte er ein halbes Jahr als Austauschschüler in Columbus. „Ich werde in Ohio sicher ein paar Leute wieder treffen, die ich seit über zehn Jahren nicht mehr gesehen haben, mit denen ich aber über E-Mail noch in Kontakt stehe.”

In der dritten Juli-Woche geht es über den Atlantik. Dann steht für Mohr nach einem Jahr Abstinenz wieder Football im Zentrum des Denkens. Und nicht mehr Gymnastik/Tanz.

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