2. Handball-Bundesliga

Offenes Zerwürfnis der Handballfamilie

Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

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Düsseldorf. Bernd Metzke und Thomas Lowinski standen schon seit längerer Zeit nicht mehr auf dem Handball-Parkett. Sie haben in der Landeshauptstadt eine Zeit geprägt, als der Düsseldorfer Bundesliga-Handball Anfang der 90er-Jahre noch unter der Turu firmierte, die Kassen und Zuschauertribünen halbwegs gefüllt waren und Spielern wie Trainern Respekt und Vertrauen entgegengebracht wurde. Metzke und Lowinski haben wie ihr ehemaliger Coach Horst „Hotti“ Bredemeier, der von 1984 bis 1997 als Trainer und Manager am Rhein aktiv war, die aktuellen Entwicklungen mit Bauchschmerzen verfolgt.

Vier erstklassigeBundesliga-Jahre

So auch der ART, der zur Jahrtausendwende mit dem Turu-Nachfolger HSV, der vor einer Woche Insolvenz anmeldete, zur HSG firmierte. Elf Jahre, davon vier erstklassige, hält diese Liaison inzwischen. Gestern kam es zum offenen Zerwürfnis der Handballfamilie. Vor dem Hintergrund der künftigen Spielgemeinschaft mit dem DHC Rheinland sagte sich der ART von der HSG los, erhebt darüber hinaus Vorwürfe gegen HSG-Manager Frank Flatten. Und will den Düsseldorfer Handball retten (die NRZ berichtete). Dies unter der Führung der ehemaligen Bundesliga-Profis Metzke/Lowinski.

Von dem Insolvenzantrag des HSV Düsseldorf e.V. sowie der beschlossenen Kooperation mit dem DHC Rheinland habe man erst aus den Medien erfahren, klagte der ART gestern in einer von Präsident Adolf Böhr, seinem Stellvertreter Jochen Grundmann und Handball-Abteilungsleiter Wolfgang Böhr unterzeichneten Pressemitteilung.

„Eine Fortsetzung der HSG Düsseldorf auf Basis der bisherigen Parameter stellt sich aufgrund verschiedener Entwicklungen und Geschehnisse in der Vergangenheit gegenwärtig nicht als vorzugswürdige Option dar“, so der weitere Wortlaut.

„Flatten hätte den Wegfreimachen müssen“

Wolfgang Böhr geht noch einen Schritt weiter. „Frank Flatten hätte nach dem Insolvenzantrag abtauchen und den Weg freimachen müssen“, forderte der Abteilungsleiter gestern im NRZ-Gespräch.

Mit Wirkung zum 1. Januar 2012 hat der ART eine Neugliederung seiner 14 Mannschaften umfassenden Handballabteilung beschlossen. Neben dem Duo Lowinski/Metzke wird auch Rechtsanwalt Peter Kluth im neu gegründeten „Lenkungsausschuss Leistungssport“ tätig sein. Noch-HSG-Trainer Ronny Rogawska möchte man als Jugendtrainer mit ins Boot nehmen. Die erste Mannschaft, die unter Coach Benjamin Daser in der Oberliga spielt, soll einen zeitnahen Aufstieg in die dritte Liga realisieren. Die ohnehin herausragende Nachwuchsarbeit soll gestärkt werden. Man hofft, dass sich möglichst viele Talente aus dem Zweitliga-Kader dem ART statt dem DDHC Rheinland anschließen. Die Finanzierung der kommenden beiden Spielzeiten ist bereits gesichert.

Das offene Zerwürfnis des ART mit dem HSV ist binnen kürzester Zeit eine weitere Farce in der Geschichte der künftigen Spielgemeinschaft DDHC Rheinland. Und passt in das vorherrschende Bild aus revoltierenden Fans und skeptischen Sponsoren. Zu ihnen zählt auch die Stadtsparkasse.

Ob das Finanzinstitut wie die anderen Stadttöchter im Sponsorentopf der HSG den künftig geringeren lokalen Werbefaktor mittragen wird? „Frank Flatten bat uns zu diesem Thema im Januar zu einem Gespräch. Wir werden uns die Pläne anhören, erwarten ein stimmiges Konzept“, erklärte Gert Meyer, Pressesprecher der Stadtsparkasse, die vor der Saison ihr Engagement von 300 000 Euro auf 100 000 Euro reduziert hatte.

Ex-Turu-Lenker „Hotti“ Bredemeier tut die aktuelle Entwicklung der HSG indes „sehr, sehr leid“. Er habe damals „viel Spaß in einem familiären Umfeld“ gehabt. Wovon kaum noch etwas übrig geblieben ist. Seine ehemaligen Spieler Bernd Metzke und Thomas Lowinski versuchen mit dem ART zu retten, was noch zu retten ist.

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