Tennis-Bundesliga

Rochusclub sucht Hauptsponsor, Bundesliga-Start in Gefahr

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Der Spielplan für die neue Bundesliga-Saison vom Deutschen Tennis-Bund liegt vor, doch ob der Rochusclub wie geplant gegen TK Kurhaus Aachen starten kann, bleibt wegen Corona ungewiss.

Der Spielplan für die neue Bundesliga-Saison vom Deutschen Tennis-Bund liegt vor, doch ob der Rochusclub wie geplant gegen TK Kurhaus Aachen starten kann, bleibt wegen Corona ungewiss.

Foto: STEFAN AREND / WAZ

Düsseldorf.  Der Rochusclub Düsseldorf sieht nicht nur wegen Corona einer ungewissen Saison in der Tennis-Bundesliga im Juli und August entgegen.

Neulich feierte Detlev Irmler einen runden Geburtstag. Der ehemalige Davis-Cup-Teamchef der deutschen Tennismannschaft spricht äußert ungern über seine neue Zahl an Lebensjahren, „die ich einfach noch nicht fassen kann“, wie es der langjährige Teamchef des Bundesligisten Rochusclub Düsseldorf formuliert. Irmlers Agilität passt schließlich kaum zur 80, die nun auf dem Papier steht. Zumal der Tennisexperte weiterhin für den Rochusclub wirkt. Allerdings unter sehr schwierigen Bedingungen.

Der Spielplan für die neue Bundesliga-Saison 2021 liegt zwar vom Deutschen Tennis-Bund schon vor. Doch vor dem Hintergrund der andauernden Corona-Pandemie nebst Lockdown ist Detlev Irmler skeptisch, ob seine Grafenberger Mannschaft am 4. Juli (11 Uhr, Rolander Weg) tatsächlich zum Auftaktmatch gegen den Titelmitfavoriten TK Kurhaus Aachen antreten kann. „Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Spieler die Teams aufbieten können und dürfen, wenn die Profis kurz zuvor bei Turnieren im Ausland gewesen sind“, hebt Detlev Irmler eine von vielen ungeklärten Baustellen hervor.

Rochusclub-Nachbar Blau-Weiß Neuss ist zurück

Eine aus den vergangenen Jahren schon gewohnte Anhäufung von Top-100-Spielern aus der ATP-Weltrangliste in der Bundesliga dürfte es nach der abgesagten Saison 2020 wohl kaum in diesem Sommer geben. Corona erschwert somit natürlich die generelle Personalplanung. Bis zum 15. März haben die zehn Starter Zeit, ihre Mannschaften beim zuständigen DTB zu melden. Für die 2019er-Absteiger TC Weinheim 1902 und TK Blau-Weiß Aachen mischen nun der langjährige Rochusclub-Nachbar Blau-Weiß Neuss nach geschafftem Wiederaufstieg sowie der TSV 1860 Rosenheim aus Oberbayern im Tennis-Oberhaus mit.

Die Düsseldorfer setzen vor dem Hintergrund der Corona-Problematik erst einmal auf fünf bis sechs junge deutsche Spieler. Die Liste führt der 20-jährige Henri Squire an, der 2019 für den Rochusclub sein Bundesliga-Debüt gegeben hatte und gleich Bundesliga-Vizemeister geworden war. Teamchef Irmler weiß natürlich, dass sein Team nur mit deutschen Talenten vermutlich nicht konkurrenzfähig sein wird, sollten die Gegner doch das eine oder andere Ass aufbieten.

In der Reserve befinden sich bereits alt bekannte Spieler: der Iberer Jaume Munar (23) etwa, vor zwei Jahren die Nummer eins der Düsseldorfer Setzliste. Dazu der spanische Routinier Pablo Andujar (35), der Slowake Filip Horansky (28) und auch der Georgier Teimuras Gabashvili (35). „Es ist derzeit natürlich überaus schwierig, den Spielern drei oder vier Spieltermine nebst Honorar fest zuzusichern. Die Verpflichtungen werden aber vor allem an der Reisemöglichkeit wegen Corona und auch am Saisonetat hängen“, betont Irmler.

Ex-Profi Phau ist Rochusclub-Cheftrainer

Letzteres ist derzeit ein dringliches Problem. Der bisherige Hauptsponsor Allpresan, der sich seit der Saison 2016 engagiert hatte, zieht sich offenbar aus der Tennis-Bundesliga zurück, so dass der Rochusclub bisher ohne großen Gönner planen muss. Das trifft natürlich die Crew um Teamchef Irmler, zu der seit Jahren Cheforganisator Dietrich Peek sowie Coach Fabio Gonzales gehören. Mit dabei ist auch der seit vergangenen März als neuer Cheftrainer tätige ehemalige ATP-Spieler Björn Phau (41), der in der Bundesliga für Grün-Weiß Mannheim und Etuf Essen unterwegs war und in seiner Karriere immerhin stolze Siege über Andre Agassi, Roger Federer und Tommy Haas verbuchen konnte.

Was alle zehn Bundesliga-Teams auch noch beschäftigt: Werden Zuschauer auf den Anlagen erlaubt sein oder nicht? „Ohne Besucher wird es keine Spiele geben“, prophezeit Teamchef Irmler angesichts fehlender Einnahmen an der Kasse und an den normalerweise aufgebauten Ess- und Getränkeständen, „wenn wir 300 zulassen dürfen, hilft das einigen Klubs etwas. Bei uns auf der großen Anlage verlaufen sich so wenige Menschen allerdings.“

Rochusclub hat die drittmeisten Zuschauer in Düsseldorf

Nur zur Erinnerung: Vor Corona waren bei den Heimspielen der Grafenberger im Schnitt meist um die 3000 Zuschauer anwesen. Damit ist der Rochusclub hinter den Fußballern von Fortuna und den Eishockeycracks der Düsseldorfer EG das Team in Düsseldorf mit den drittmeisten Zuschauern pro Spiel. Dazu beherbergte der Rochusclub von 1978 bis 2012 den World Team Cup im Tennis, die Mannschafts-Weltmeisterschaft der ATP.

Eine Frist, bis wann eine mögliche erneute Saisonabsage ausgerufen werden müsste, gibt es derzeit nicht. „Wir werden vermutlich bis in den Mai hinein warten können. Bei mir überwiegt aber die Grundskepsis“, gibt Detlev Irmler zu.

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