Hamborn 07

Aufsteiger Hamborn 07 fährt im Sturm nicht Trabi

Der Jubel kannte bei Hamborn 07 keine Grenzen.

Der Jubel kannte bei Hamborn 07 keine Grenzen.

Foto: Franz Naskrent

Duisburg.  Hamborn 07 will sich nach dem Aufstieg in der Landesliga etablieren. Bewegender Abschied eines verdienten Spielers.

In der 87. Minute des letzten Bezirksliga-Spiels von Hamborn 07 gegen den Hamminkelner SV passierte etwas, das Patrick Schneider seit dem 18. Februar 2018 nicht mehr erlebt hatte: Der Ur-Löwe schlechthin stand wieder in einem Meisterschaftsspiel auf dem Fußballfeld. Er stellte sich beim Stand von 4:0 nach seiner Einwechslung an den gegnerischen 16er – um vier Minuten später mit all den anderen Gelb-Schwarzen mitzujubeln. Die vier Minuten im letzten Spiel der Saison 2018/19 waren auch die letzten vier von Patrick Schneider für Hamborn 07. Als Fünfjähriger bei den Bambini am Holtkamp angefangen, verabschiedete sich der langjährige Kapitän 30 Jahre später mit dem Aufstieg in die Landesliga.

„Es ist schon ein anderer Aufstieg, wenn man selbst nicht als Spieler dabei war“, sagt Patrick Schneider, den zwei Bandscheiben-Vorfälle dazu zwangen, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. „Ich hätte gerne noch weiter gemacht, aber die Gesundheit geht vor“, so die Nummer 13 der Löwen. „Dafür war es ein sehr schöner Abschluss. Das ist schon eine geile Truppe.“

Seit der Saison 2003/04 bei den Senioren am Ball hatte Schneider einige Truppen und auch einige Höhen und Tiefen in Hamborn erlebt. „Es gab viele gute, aber auch einige schlechte Zeiten“, erinnert sich der 35-Jährige, der 2012/13 noch 21 Spiele für Hamborn in der ersten Saison der Oberliga Niederrhein bestritten hatte, bevor es erst einmal bergab ging – über eine Saison in der Landesliga für drei Spielzeiten in der Bezirksliga, ehe er vor zwei Jahren als Kapitän die erste Rückkehr in die Landesliga feiern durfte, in der er nur noch auf drei Einsätze kam.

Damals war der Meisterkampf gegen die DJK Vierlinden zwar kurzfristig auch mal spannend, mit letztlich 95 Zählern und zehn Punkten Vorsprung auf die Walsumer aber dann doch deutlich entspannter als bei der erneuten Rückkehr in die Landesliga am Sonntag.

Den freien Fall gestoppt

„Als ich vor eineinhalb Jahren hier angefangen habe, galt es ja erst einmal, den freien Fall aus der Landesliga zu stoppen“, verweist Michael Pomp auf die Situation, in der er sein erstes Seniorenteam als Cheftrainer in der Winterpause der Saison 2017/18 vorfand. „Wir hatten viel Pech beim Abstieg“, erinnert sich auch Torjäger Tim Keinert noch gut an den knappen Saisonausgang, der im Last-Minute-Aus in der Relegation gegen den GSV Moers endete.

Dass sein Team nun mit 80 Punkten vor dem letzten Spiel noch bangen musste, dass der punktgleiche Verfolger Blau-Weiß Dingden den Löwen den direkten Aufstieg doch noch vor der Nase wegschnappen könnte, findet nicht nur Michael Pomp extrem. Dabei habe Dingden die Löwen „auch angetrieben“, eine Rückserie von 15 Siegen bei nur einem Remis und einer Niederlage hinzulegen. „Wir haben uns nie aufgegeben, obwohl es im Winter noch hoffnungslos schien, den Rückstand von fünf Punkten bei noch drei Nachholspielen der Dingdener aufholen zu können“, so Pomp.

Zwar waren die Löwe „überrascht, dass Dingden dann noch so viele Punkte hat liegen lassen“, wie Tim Keinert betont, „aber durch den Glauben an unsere eigene Stärke haben wir es doch noch hingekriegt“, sagt sein Trainer, der das Erreichen des Saisonziels nicht hoch genug bewerten kann. „Unser Kader hat sich im Winter um fünf Spieler reduziert, wir hatten in manchen Spielen nur zwölf Leute zu Verfügung, und es gab eine Phase, die sehr schwierig zu überstehen war“, so der Coach.

Der Charakter stimmt

„Aber wir haben zusammen gehalten und auch die A-Junioren und Spieler aus der zweiten Mannschaft gut integrieren können. Das hat gepasst“, bescheinigt Michael Pomp auch der Vereinsführung einen großen Verdienst am Erfolg. „Was der Verein für einen Aufwand betreibt und was er möglich macht, ist schon großartig. Das ist eine andere Liga.“

In der spielen der Trainer und sein Team nun auch in der nächsten Saison. „Der Charakter der Truppe stimmt, wir bleiben zusammen und haben uns punktuell verstärkt“, traut Pomp den Löwen auch in der höheren Spielklasse einiges zu. Zumal sein Team mit den Neuzugängen Oguzhan Cuhaci und Maik Goralski – neben Torjäger Tim Keinert (29 Treffer), Andre Meier (17), dem zuletzt länger verletzten Riccardo Nitto (10), sowie Gökhan Kiltan, der seit seiner Rückkehr im Winter 15 mal für 07 traf – „im Sturm nicht Trabi fahren wird,“ wie der Coach betont.

In der Landesliga ankommen

Ob es für 07 dann auch mal wieder zu den Klassen reichen wird, in denen Patrick Schneider einst im gelb-schwarzen Dress unterwegs war, lässt der Ur-Löwe mal auf sich zukommen. „Jetzt müssen wir erst einmal wieder in der Landesliga ankommen“, weiß der 35-Jährige, der den Hambornern auch zukünftig erhalten bleiben wird. „In welcher Funktion steht noch nicht genau fest“, sagt der Sohn von Vereinsboss Ernst Schneider mit einem Zwinkern. „Aber den Vorstand kenne ich ja recht gut.“

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