Extremsport

„Das Abenteuer meines Lebens“

Die Duisburgerin Anja Tegatz (hinten, 4. von links) nahm an der Camp David Expedition quer durch Patagonien in Chile teil. Teamleiter war Joey Kelly (ganz links).

Foto: NRZ

Die Duisburgerin Anja Tegatz (hinten, 4. von links) nahm an der Camp David Expedition quer durch Patagonien in Chile teil. Teamleiter war Joey Kelly (ganz links). Foto: NRZ

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Duisburg.  Die Duisburgerin Anja Tegatz hat die Camp David Expedition hinter sich gebracht und schwärmt von ihrem Lauf quer durch Patagonien. Im nächsten Jahr möchte sie zurück nach Chile – um an einem Rennen teilzunehmen.

Was für viele andere einfach nur eine Qual wäre, kaum zu schaffen und unvorstellbar – das lässt Anja Tegatz strahlen, seufzen und schwärmen. „Das“, sagt die Duisburgerin, „war das Abenteuer meines Lebens.“ Vor mehreren Wochen hatte sie erfolgreich die Qualifikation für die vom gleichnamigen Textilhersteller gesponserte Camp David Expedition absolviert. Nun hat sie tatsächlich rund 250 Kilometer mit Tausenden Höhenmetern quer durch Patagonien in Chile zu Fuß, auf einem Mountainbike, auf Pferden, durch Flüsse und hochalpines Gelände hinter sich gebracht. „Das war einfach nur der Hammer.“

Das Erlebte in Worte zu kleiden, fällt ihr schwer. „Das sind pure Emotionen“, berichtet die 39-Jährige. „Wenn ich die Augen schließe, habe ich immer noch die Wildnis vor mir. Ich bin noch gar nicht so recht wieder zu Hause angekommen.“ Doch dann brechen die Worte ähnlich aus ihr heraus, wie die starke Strömung eines Flusses, den sie durchqueren musste. „Ich bin einfach immer noch geflasht von der Natur. Wir haben Alpakas, Flamingos, Wildpferde, Bieber, Kondore und Füchse in freier Wildbahn gesehen“, erzählt sie. Das wichtigste aber: „Unser Team bestehend aus acht Männern, zwei Frauen und dazu noch Joey Kelly als unser Teamleiter war super. Es gab keinen Stress. Wir haben uns immer unterstützt.“

Und das kann wichtig sein – wie bei der Überquerung eines Flusses. „Da hat man mir gesagt, dass ich mir zwei starke Männer suchen sollte, weil die Strömung einfach zu stark war. Ich bin ja auch nicht die Größte.“ Also hakte sich ein Teilnehmer rechts, Teamleiter Joey Kelly links ein – und gemeinsam ging es durchs Wasser. „Und Joey ist dann nochmal zurück und hat meinen Rucksack geholt.“ Denn auch den galt es quer durch Chile zu schleppen. 15 Kilogramm – von morgens 8 bis abends 20 Uhr. „Der Untergrund wechselte oft. In einem Gelände war es so, als würde man auf vollgesaugten Schwämmen laufen.“

Sturm mit 120 Stundenkilometern

Los ging es mit 40 Kilometern – samt Gepäck – auf dem Mountainbike. „Die erste Nacht war auch schwer, weil man sich ja erst einmal auf die Natur einlassen muss.“ Die hatte es aber in sich. „Tanja, die andere Frau im Team, und ich, haben nachts die Köpfe aus dem Zelt gestreckt und den geilsten Sternenhimmel gesehen, den ich je erlebt habe“, so Tegatz. Allerdings schlug auch einmal ein Sturm mit 120 Stundenkilometern zu, wirbelte Zelte umher. „Da hätte ich schon ziemlich Schiss“, gibt die Duisburgerin zu. Die hochalpine Strecke hatte es ebenfalls in sich. „Wir hatten erfahrene Bergsteiger dabei, die meinten, dass dies für Neulinge wirklich anspruchsvoll ist. Auf den weiten Schneefeldern sind sie vorausgegangen und wir gingen durch ihre Fußstapfen.“

Ein erster Höhepunkt war das Zusammentreffen von „Team Grün“, zu dem Anja Tegatz gehört, mit „Team Blau“, das in einem Segelschiff Kap Hoorn umrundet hatte. „Die waren richtig entsetzt, als sie uns gesehen haben. Ihre Reise war ebenso anstrengend, aber sie hatten Verpflegung an Bord, während wir uns mit Bergwasser und unseren Rationen selbst versorgen mussten“, so Tegatz. „Tanja und ich hatten gut gehaushaltet und konnten den Männern immer wieder etwas abgeben.“ Als aber Team Blau seine Verpflegung mit Team Grün teilte, „da haben wir mit beiden Händen reingehauen.“

Nach der abschließenden Mountainbike-Fahrt nach Puerto Williams war ein großer Schluck aus einer Sektpulle und Party angesagt. Und: Duschen. „Da ist die ganze braune Suppe von mir runtergelaufen“, lacht Tegatz. Zurück in der Ausgangsstadt Punta Arenas küsste sie den Fuß eines Indianers an einem Magellan-Denkmal. „Das bedeutet, dass man nach Chile zurückkommt. Und nächstes Jahr gibt es das gleiche nochmal – dann aber als Rennen.“

Vorher steht zu Pfingsten die Tortour de Ruhr, ein 230-Kilometer-Lauf, und in wenigen Tagen die Qualifikation für den Trans Alpine Run an. Ohne Abenteuer und Herausforderung geht es für Anja Tegatz einfach nicht.

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