Fußball

Die Wahrheit liegt für den VfB Homberg auf dem Platz

Es geht auch mal anders: Im Gegensatz zum Vorjahr muss sich Stefan Janßen nun häufiger aufregen.

Es geht auch mal anders: Im Gegensatz zum Vorjahr muss sich Stefan Janßen nun häufiger aufregen.

Foto: Thorsten Tillmann

Duisburg.  Der Duisburger Regionalliga-Aufsteiger geht durch eine schwierige Phase. Verteidiger Robin Urban warnt vor „ekligem, langem Jahr“.

Ein Jahr lang durften die Zuschauer am Rheindeich das Gefühl haben, dass der Sieger am Ende VfB Homberg heißen würde – und sei es durch den entscheidenden Treffer in der Nachspielzeit. Am Ende der letzten Saison feierten Fans, Kicker, Trainer, Funktionäre und alle anderen Unterstützer der Gelb-Schwarzen völlig zu Recht den souveränen und in seiner Anerkennung für den Amateurklub von der linken Rheinseite nicht in Frage zu stellenden Aufstieg in die Regionalliga. Doch durch diese frisst sich bei sechs Niederlagen in den ersten acht Spielen momentan ein hungriger Wurm. Aktuell steht für die Zuschauer am Rheindeich eher zu befürchten, dass der VfB das Spiel am Ende verliert – und das häufig nach durchaus berechtigter Euphorie.

„Wenn du Scheiße am Schuh hast, hast du Scheiße am Schuh“, beschreibt Robin Urban nach dem 2:4 im Kellerduell gegen die U 23 von Fortuna Düsseldorf die derzeitige Lage des Aufsteigers in der vierthöchsten Spielklasse. „Aber das muss schnellstens aus unseren Köpfen raus“, sagt der Verteidiger. „Wenn wir nicht aufwachen, wird es ein richtig ekliges und langes Jahr für uns.“

Das Verletzungspech des VfB, das mit dem Ausfall von Spielmacher Patrick Dertwinkel vor der Saison angefangen, sich mit den Ausfällen von Metin Kücükarslan, Ferdi Acar, Koray Kacinoglu sowie Kapitän Dennis Wibbe fortgeführt und durch den dreifachen Außenbandriss von Stürmer Danny Rankl jüngst erneut zugenommen hat, will der regionalligaerfahrene Neuzugang von Rot-Weiß Essen „nicht gelten“ lassen. „Uns fehlt einfach der Kopf“, sagt Urban, der das Team nach den Ausfällen von Wibbe und Rankl gegen Düsseldorf als Kapitän anführte, zur 2:4-Heimpleite nach 55-minütiger Überzahl. „Es steht 1:1 und wir sind ein Mann mehr. Aber wir verlieren durch den Ausgleich völlig den Kopf, rennen nur noch nach vorn und vernachlässigen die Verteidigung. So hauen wir uns die Dinger selber rein“, musste auch Urban erneut spielentscheidende individuelle Fehler feststellen – und wird deutlich: „Wir spielen gegen uns selber anstatt gegen die Gegner. So können wir kein Spiel gewinnen.“

Einzelne Schuldzuweisungen bringen den VfB indes nicht weiter. „Wir sind eine Mannschaft, wenn einer einen Fehler macht, bügelt ein anderer ihn wieder aus“, hebt Metin Kücükarslan den Zusammenhalt im Team hervor. „Uns fehlt einfach auch etwas das Glück“, sagt der Sechser und nennt bezogen auf das Spiel gegen die Düsseldorfer, die dreimal den Ball von der Linie kratzten, ein Beispiel. „Dass der Schuss von Marvin Lorch aus drei Metern noch aus dem Tor geköpft wird, kann einfach nicht sein. In der letzten Saison wären solche Dinger reingegangen.“

Nicht mehr in der Oberliga

Doch abgesehen vom mangelnden Spielglück ist der VfB eben nicht mehr in der letzten Saison – und somit auch nicht mehr in der Oberliga. „Wir machen Fehler, die ich von meiner Mannschaft nicht kenne, und die wir in den letzten drei Jahren nicht gemacht haben“, sagt Stefan Janßen. „Wir haben nun Gegner, die dreimal so gut sind wie die in den letzten drei Jahren. Und plötzlich versuchen wir Dinge, die wir erstens nicht können und die zweitens nicht zum Erfolg führen“, spricht der Coach damit nicht nur den Dribbling-Versuch von Verteidiger Mike Koenders – ein Garant für den Aufstieg und bisher eine Bank in der Abwehr – an, der zum 1:1-Ausgleich gegen die Fortuna führte.

„Die Jungs müssen kapieren, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt“, sagt Janßen. „Da werden die Spiele entschieden, da müssen die Zweikämpfe gewonnen werden und da können die Spieler die Klappe aufreißen – nicht vorher und nicht nachher“, stellt der Coach klar, bedingungslose Unterordnung unter den Gesamterfolg zu erwarten, und wird deutlich: „Wenn ich als Spieler in einer Saison so viele Zweikämpfe verloren hätte wie manch einer von uns in sieben Spielen, hätte ich mit dem Fußballspielen aufgehört.“

Dabei will er seinem Team den Willen nicht absprechen: „Die Jungs investieren alles, tragen jeden Tropfen Blut und jeden Tropfen Schweiß über den Platz. Aber am Ende sitzen sie in der Kabine und lassen die Köpfe hängen.“

Kücükarslan glaubt an die Wende

Doch das müsse nicht sein, meint Metin Kücükarslan. „Ich bin jetzt im vierten Jahr beim VfB, und in meiner ersten Saison hatten wir auch eine Phase mit fünf Niederlagen in Folge“, verweist der Sechser auf den Beginn nach dem letzten Aufstieg in die Oberliga. „Aber dann haben wir ein Spiel gewonnen und eine richtige Serie hingelegt. Plötzlich waren wir da.“ 25 Punkte holte der VfB seinerzeit in den folgenden elf Spielen ohne Niederlage in der Spielzeit 2016/17. „Ich kenne unsere Mannschaft, und ich glaube an sie“, ist Kücükarslan überzeugt davon, dass die Fans am Rheindeich wie in der Oberliga nun ebenfalls bald wieder das sichere Gefühl des Sieges haben dürfen.

Das hofft auch Stefan Janßen – und mahnt noch einmal zur Einheit. „Wenn wir es nicht schaffen, schaffen wir es nicht. Aber wenn wir es schaffen, dann schaffen wir es nur so, wie wir es bisher geschafft haben.“

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