Fußball

Ein Trainer durch und durch

Günter Hentschke (Mitte) mit der Mannschaft des Duisburger Spielvereins, den er von 1958 bis 1961 trainierte. (Repro: Stephan Eickershoff)

Günter Hentschke (Mitte) mit der Mannschaft des Duisburger Spielvereins, den er von 1958 bis 1961 trainierte. (Repro: Stephan Eickershoff)

Foto: WAZ FotoPool

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Duisburg. Der langjährige Fußballtrainer Günter Hentschke feiert am 3. Dezember 2011 seinen 90. Geburtstag.

Als sich Rapid Wien und Schalke 04 am 22. Juni 1941 auf dem Rasen des Berliner Olympiastadions gegenüber standen, um im Finale den Deutschen Meister zu ermitteln, da war Günter Hentschke dabei. Zwar nicht in einer der beiden Mannschaften, wohl aber in der Halbzeitpause, als die „Spartaner“, eine Jugendmannschaft im Berliner Postsportverein, ihr Können präsentierte. Schließlich galt sein Trainer Ernst Fuhry als Fußball-Ästhet – und seine Jugendmannschaft als Schmiede kommender Meister.

Auch heute – an seinem 90. Geburtstag – ist Günter Hentschke der Stolz anzumerken, wenn er sagt: „Ich bin ein Fuhry-Schüler.“ Inzwischen blickt der Fußballlehrer auf ein bewegtes Leben zurück. Gerade auch wegen des Fußballs.

Rechtzeitig aus Berlin geflohen

Dreimal wurde Hentschke im Krieg an der Ostfront verwundet. „Danach kam ich zum Glück an die Westfront und geriet nicht in Gefangenschaft.“ Als er aber nach Berlin zurückkehrte war von der Stadt und seiner Mannschaft nicht mehr viel übrig. „Ich haben dann wieder in Pankow gelebt.“ Im Osten also. Bis jemand zu ihm kam und ihn warnte: Die Russen verhaften alle Offiziere. Gerade noch rechtzeitig verließ er die Stadt. „Als ich an der grünen Grenze von einem russischen Soldaten gestellt wurde, gab ich ihm meine Uhr – und konnte weitergehen.“ Heute schmunzelt Hentschke, wenn er daran zurückdenkt.

Dass er einmal in Duisburg landen würde, stand noch nicht fest. Zunächst zog es ihn nach Nordhorn ins Emsland. Dort hatte sich Ernst Fuhry der Eintracht angenommen und führte den Verein in die Oberliga Nord, der damals höchsten Spielklasse. Aufgrund zahlreicher Knieverletzungen gab er seine Spielerlaufbahn früh auf und wechselte – auch mit Fuhrys Hilfe – ins Trainerfach. Über Borussia Rheine und Sparta Nordhorn (mit beiden Teams holte er Meistertitel) ging es zum VfR Kirn in die Oberliga Südwest, dann zu Phönix Ludwigshafen und 1956 schließlich zu Preußen Münster in die Oberliga West.

„Ich hatte überall den Auftrag, die Mannschaften zu verjüngen“, so Hentschke. Einen Trainerstab? „So etwas hatten wir damals nicht.“ Ganz im Gegenteil. In Münster war er auch noch gleichzeitig Trainer der A-Jugend. Fünf Nachwuchsspieler baute er ins Oberliga-Team ein und führte Münster nach einem Übergangsjahr schließlich wieder auf Rang sechs.

Und dann? Dann ging es nach Duisburg, zum ruhmreichen Duisburger Spielverein. Drei Jahre lang betreute er den Verein – und wurde endlich heimisch. „Ich wollte nicht mehr ständig umziehen müssen.“ Als er 1961 den Spielverein verlassen musste („Ich war der erste Trainer, der entlassen wurde.“), ging er zu Rot-Weiß Essen. Einer seiner Schützlinge: Otto Rehhagel.

Noch immer für den Verband tätig

Gleichzeitig begann Hentschke aber, sich ein berufliches Standbein in Duisburg zu schaffen. Zunächst am Hochfelder Markt, später an der Ruhrorter Karpschule wurde er Sportlehrer, legte an der Hochschule zwei Staatsexamen ab und wurde schließlich Beamter auf Lebenszeit. „Ich hatte auch einen Lehrauftrag an der Sporthochschule Köln. Später wurde er nochmal Trainer. „Es lässt einen einfach nicht los“, sagt Hentschke. So übernahm er den BV 08 Lüttringhausen, wo auch Detlef Pirsig tätig war.

Heute sieht man Günter Hentschke die 90 Jahre nicht an. Würde er um 20 Jahre flunkern, es würde wohl kaum jemand bemerken. „Ich mache immer noch viel Sport, fahre Fahrrad, habe Hanteln im Keller. Und seine Fußballlehrer-Lizenz ist noch immer gültig. „Ich könnte also immer noch einen Bundesligisten trainieren“, lacht Hentschke. Dem Fußball ist er immer noch verbunden. Zehn Jahre lang war er Pressereferent des Bundes Deutsche Fußballlehrer, dessen Gründungs- und Ehrenmitglied er ist. Und noch immer gehört er der Verbandsjugendspruchkammer im Fußballverband Niederrhein an.

Heute lebt Hentschke zwar in Düsseldorf-Angermund, dem „0203-Stadtteil“ der Landeshauptstadt, gefeiert wird aber in Duisburg. Denn wie gesagt: Der gebürtige Berliner ist hier längst heimisch geworden.

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