Wassersport

Corona zum Trotz: Das Glück der Kanuten

Das große Glück der Kanufahrer: Sie konnten trotz der Einschränkungen weiterhin über die Gewässer paddeln.

Das große Glück der Kanufahrer: Sie konnten trotz der Einschränkungen weiterhin über die Gewässer paddeln.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Am Niederrhein.  Die Kanuten der Region mussten auf ihren Sport nicht verzichten. Probleme gibt es dennoch. Der Deutsche Kanu-Verband schlägt sogar Alarm.

Der Deutsche Kanu-Verband (DKV) schlägt Alarm. Der Verband sieht erhebliche Auswirkungen der Corona-Krise auf seine Vereine zukommen. Als Grundlage dient eine vom DKV initiierte Befragung der Mitgliedervereine zu den finanziellen Verlusten während der bisherigen Dauer der Pandemie. Der Ergebnis: Die Vereine melden signifikante finanzielle Einbußen in der Saison 2020.

Die größten Verluste (196.400 Euro) entstanden Vereinen laut DKV durch den Wegfall von Start- und Meldegeldern aufgrund abgesagter Sportwettkämpfe während der Saison. Aber auch abgesagte Veranstaltungen, Kurse und Gemeinschaftsfahrten führten zu Einnahmerückgängen (171.000 Euro). Zudem meldeten die Klubs Mindereinnahmen (149.600 Euro) aus abgesagten Vereinsfesten.

Verbandspräsident Thomas Konietzko kennt die Befürchtungen, die die Klubs gerade haben: „Ich mache mir berechtigte Sorgen, dass wenn sich die Situation im nächsten Jahr nicht entspannt, einige unserer Kanu-Vereine unsicheren Zeiten entgegen gehen. Ich bin mir sicher, dass im nächsten Jahr einige Vereine finanzielle Unterstützung benötigen, um ihren Vereinsbetrieb wie gewohnt fortsetzen zu können.“

Kaum Einbußen

Von einem gewohnten Vereinsbetrieb kann beim Emmericher Kanu-Verein schon jetzt keine Rede mehr sein. Das gesamte Vereinsleben ist größtenteils zum Erliegen gekommen. „Wir haben ja das große Glück, dass wir eine Individualsportart an der frischen Luft betreiben. Unsere Mitglieder konnten mit ihren Booten trotzdem weiterhin den Rhein unsicher machen“, sagt Gaby Geerlings-Wasse, die 1. Vorsitzende des Vereins. Zwar muss der Verein keine nennenswerten finanziellen Verluste beklagen, dafür vermissen Geerlings-Wasse und die weiteren rund 110 Mitglieder das gesellige Beisammensein, das so typisch ist für den kleinen Klub. „Wir veranstalten immer viele gemeinsame Fahrten, klassisch ist das große Osterfest mit Osterfeuer. Da kommen alle: vom Baby bis zum Rentner. Das ist immer familiär und unheimlich schön. Pfingsten feiern wir traditionell auch zusammen. Das ist alles ausgefallen“, seufzt Gaby Geerlings-Wasse. Zudem sollte in diesem Jahr die Sommersonnenwendfeier bei den Emmerichern stattfinden. Passend zum 95. Jubiläums des Klubs. Geerlings-Wasse: „Da kommen immer so rund 150, 200 Kanuten. Ist auch flach gefallen.“

Sorge um Mitgliederzahlen

Nicht anders sieht es beim befreundeten Reeser Kanu-Club aus. Auch hier konnten die Mitglieder weiter paddeln, doch gemeinsame Aktionen waren in diesem Jahr rar. Der Vorsitzende Lothar Krebs, von Haus aus ein optimistischer, gut gelaunter Mann, macht sich dennoch Sorgen – vor allem um den Nachwuchs. „Die Jugend bricht weg. Alles spielt sich gerade im digitalen Bereich ab. Die Jugendlichen dazu zu bewegen, sich wieder körperlich zu betätigen, das wird schwer. Das wird das ganz große Problem. Ich weiß nicht, wie es nach Corona aussehen wird“, sagt Lothar Krebs, dessen Sohn Phillip im Verein die Jugend betreut. „Er beklagt sich schon, denn er weiß auch nicht, wie er momentan an die Kinder rankommen soll.“

Wie schwierig es derzeit ist, den Kontakt untereinander aufrecht zu erhalten, merkt Krebs auch an anderer Stelle. Aktuell plant der Vorstand die zwingend notwendige Jahreshauptversammlung im Januar. „Die muss per Video stattfinden. Da schauen wir jetzt gerade, wie wir das machen.“

Dass der Deutsche Kanu-Verband als positive Nachricht zumindest steigende Mitgliederzahlen in seinen Vereinen ausgemacht hat, können weder Gaby Geerlings-Wasse noch Lothar Krebs für ihre Klubs bestätigen. Im Gegenteil: Beide sorgen sich, dass bei weiterhin andauernden Einschränkungen im schlimmsten Fall sogar ein Mitgliederschwund eintreten könnte. „Das werden wir aber wohl erst im nächsten Jahr so wirklich sehen können“, vermutet Geerlings-Wasse.

Von finanziellen Sorgen bleiben die Reeser ebenfalls nicht ganz verschont. Für die kürzlich gebaute behindertengerechte Toilette gab es zwar einen Zuschuss, durch die Schließung des Vereinskiosks fielen aber wichtige Einnahmen weg. Besonders schmerzhaft war aber die Absage einer geplanten Fahrt nach Holland. Lothar Krebs: „Wir hatten für etwa 50 Personen gebucht, stattfinden konnte nichts. Jetzt wollen uns die Holländer aber das Geld nicht zurückgeben.“

Gute Substanzen

Auch wenn beide Vereine halbwegs gut durch die Krise kommen, sind die Sorgenfalten dennoch vorhanden und auch der Aufwand ist in den vergangenen Monaten nicht weniger geworden. „Wir haben ein Hygienekonzept, aber das ist für einen kleinen Verein schon schwierig. Als Vorsitzende bin ich jetzt auch der Putzdienst“, erzählt Gaby Geerlings-Wasse. Lothar Krebs kann davon ebenfalls ein Lied singen: „Ich bin Vorsitzender und Hausmeister zugleich. Im Moment heißt es doppelte Arbeit für jeden. Aber wir haben im Verein gute Substanzen geschaffen. Wir haben einen Klasse-Vorstand und ich bin zuversichtlich, dass wir für alle Herausforderungen einen Weg finden werden. Im Moment ist alles sehr schäbig. Aber ich bin ein positiver Mensch. Ich denke, irgendwann wird es auch wieder gut.“ Auch Gaby Geerlings-Wasse blickt mit guten Gefühlen in die Zukunft: „Ich fürchte zwar, dass unser Oster-Biwak leider wieder nicht stattfinden kann. In fünf Jahren haben wir 100. Jubiläum. Dann machen wir eine richtige Fete.“

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