Kampfsport

Kung Fu wird für die Kinder per Livestream unterrichtet

Marie Zervos zeigt ein Kung Fu-Übungsgerät, die sogenannte Holzpuppe.

Marie Zervos zeigt ein Kung Fu-Übungsgerät, die sogenannte Holzpuppe.

Foto: privat

Am Niederrhein.  Marie Zervos aus Haldern betreibt Kung Fu Schulen in Goch und Xanten. Aufgrund der Corona-Krise trainieren ihre Schüler momentan virtuell.

Marie Zervos ist ebenso traurig wie ihre Schüler. Denn auch ihre Kung Fu Academy in Goch und Xanten muss wegen Corona pausieren. Dabei sollte am 1. Mai in Goch das dreijährige Bestehen der Academy gefeiert werden. Das enttäuscht besonders ihre vier- bis 16-jährigen Schüler. Doch ihre Lehrerin hat eine Idee, wie die Kinder weiterhin Freude an dem Kampfsport behalten.

In Xanten ist die Haldernerin bereits seit neun Jahren als Kung Fu- Lehrerin tätig und hat sich einen festen Kundenstamm erarbeitet. Per Telefon und WhatsApp hatte die 33-Jährige in den vergangenen Tagen Kontakt zu den Familien aufgenommen und viele Kinder schrieben ihr, wie traurig sie sind, nicht weiter trainieren zu können. Und damit die Kung Fu Schule trotz Corona erhalten bleibt, haben etliche Eltern signalisiert, den Monatsbeitrag weiterhin bezahlen zu wollen. Doch dafür möchte Marie Zervos den Kindern auch etwas mit auf den Weg geben.

Techniken zur Selbstverteidigung

So hat sie sich Trainingseinheiten überlegt, die sie ihren Schülern per Videobotschaft sendet. Es ist die erste Bewegungsform aus dem Wing Tjun. Sie heißt Siu Nim Tao. Die Kinder haben sie bereits kennengelernt, jetzt sollen sie diese üben. Wer sich das Video anschaut, der ahnt, wie viel man trainieren muss, um die Bewegungsabläufe zu behalten. „In dieser Form sind Bewegungen enthalten, die wir später im Unterricht benötigen, um den Kindern einige Techniken zur Selbstverteidigung zu zeigen“, erklärt Marie Zervos, die im Video ihre Schüler dazu ermutigt, sie bei Bedarf um Rat zu fragen.

Einmal pro Woche Nachschub

Aber genauso können sie ihrer Lehrerin auch Bilder oder eigene Videos von den Übungen zuschicken. „Das wird sie bestimmt bei Laune halten“, hofft die Kung Fu- Lehrerin. Einmal in der Woche wird es diesen kostenfreien Live-Stream geben. Die Übungen kann man sehr gut alleine machen. „Es besteht keine Verletzungsgefahr und es ist auch ein Theorieteil dabei“, erklärt Marie Zervos.

Ihr Ziel ist es, mit Kung Fu jungen Menschen dabei zu helfen, zu aufrechten und willensstarken Persönlichkeiten zu werden – und dabei Spaß zu haben. „Spielerisch sollen Kinder lernen, sich in der Welt zurechtzufinden, sich zu positionieren und sich und anderen in schwierigen Situationen zu helfen.“ Daher ist das Sportprogramm sehr vielseitig. Schließlich fließen im Kung Fu für Kinder die neuesten Erkenntnissen aus Pädagogik, Medizin oder Kinesiologie ein.

Deeskalationskurse für Rettungskräfte

Dank der Kids-Kung Fu Techniken verbessern die Kinder ihre Koordination. Sie trauen sich selbst mehr zu und entwachsen automatisch der Opfer-Rolle. Marie Zervos vermittelt ihren kleinen Kampfkünstlern in Gesprächen nicht nur, wie sie sich gegen den Raufbold in der Schule wehren sollen, sondern auch was bei einer Bedrohung durch einen Erwachsenen zu tun ist. Daher ist sie häufig in Schulen unterwegs, wird aber auch für Deeskalationskurse für Rettungskräfte gebucht.

Das Angebot des Videotrainings wollen auch ihre beiden Kolleginnen aufgreifen, die wie sie im Paul-Willert-Haus in Goch ihre Sportstätten haben, Agnes Illbruck als Yogalehrerin und Lea van Bebber als Fitnesstrainerin. Gemeinsam wollen sie dafür kämpfen, dass es ihre Schule auch nach Corona noch gibt.

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